Krisenstab der Stadt bereitet die Versorgung von 200 Asylbewerbern vor Harewood-Kaserne ab Montag Flüchtlingsunterkunft

Herford (WB). Die Stadt Herford richtet für 200 Flüchtlinge in der Harewood-Kaserne nun doch kurzfristig eine Notunterkunft ein: Erwartet werden die Asylsuchenden allerdings erst am kommenden Montag – und nicht  bereits heute, wie Bürgermeister Tim Kähler am Nachmittag zunächst mitgeteilt hatte.

Von Peter Schelberg
Ab Montag werden 200 Flüchtlinge in der Harewood-Kaserne untergebracht.
Ab Montag werden 200 Flüchtlinge in der Harewood-Kaserne untergebracht. Foto: Moritz Winde

Kähler korrigierte seine Ankündigung nach einer Pressekonferenz. »Wir haben gegenüber der Bezirksregierung deutlich machen können, dass wir noch etwas mehr Zeit benötigen«, sagte Kähler zur Erklärung. Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl habe ihn gestern Morgen gegen 9.30 Uhr um  »sehr kurzfristige Amtshilfe« gebeten, teilte der Bürgermeister mit. Hintergrund sind die massiv steigenden Flüchtlingszahlen in OWL und insbesondere in der Bielefelder Erstaufnahmeeinrichtung: »200.000 Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen müssen  irgendwo untergebracht werden«, verdeutlichte Kähler die Dringlichkeit.

Kaserne ist Alternativen überlegen

Die Stadt Herford muss  für die angekündigten 200 Flüchtlinge nun Gebäude auf dem Kasernengelände  herrichten und alles Erforderliche organisieren, um Obdachlosigkeit abzuwenden. »Ich habe nach dem Anruf  sofort mit dem Deutschen Roten Kreuz Kontakt aufgenommen«, berichtete  Kähler. DRK-Beauftragte Susanne Paul-Brandt habe die gewünschte Unterstützung zugesagt und organisiere bereits Betten für die Flüchtlinge. Die Entscheidung für die Harewood-Kaserne sei Ergebnis einer Abwägung zwischen verschiedenen Gebäuden im Stadtgebiet. Mögliche Alternativen wären Schulen, Sporthallen, Zelte oder Container gewesen.

In Absprache mit der Bezirksregierung habe die Verwaltungsspitze  die Kaserne favorisiert. Dort  gebe es separate Räume sowie  funktionierende Sanitäreinrichtungen und Strom- und Wasserversorgung. »Das Wasser ist zwar noch nicht beprobt, aber Duschen und Waschen wird möglich sein«, sagte Kähler. Falls nötig, werde Trinkwasser  in Flaschen oder Kanistern bereitgestellt.  

Seit 14 Uhr besichtigten  Vertreter der Stadt und des DRK die Räume, ab 15.30 Uhr tagte der Krisenstab der Verwaltung. Ihm gehören laut Kähler  auch Vertreter von  DRK und Feuerwehr, Polizei, SWK und ein Caterer an. Der Sicherheitsdienst sei bereits im Einsatz, hieß es. Die versprochene öffentliche Informationsveranstaltung solle so rasch wie möglich stattfinden, versicherte er –  voraussichtlich in der kommenden Woche. Der Bürgermeister bat zudem um Verständnis für die kurzfristige Organisation der Notunterkunft.

Auch andere NRW-Kommunen betroffen

Von ähnlichen Herausforderungen seien viele andere Kommunen betroffen. »Bielefeld und Dortmund sind bereits dicht«, verwies Kähler auf die sich zuspitzende Lage in größeren Städten. »Wir müssen als Herforder Bürger gute Gastgeber sein«, lautete sein Appell an die Bevölkerung.  

Für Anwohner Michael Steffen (43)  kam die Nachricht nicht überraschend. »Damit war zu rechnen. Man hört und sieht ja in den Nachrichten, wie groß der Zustrom ist«, so der Sprecher der Bürgerinitiative »Anwohner Harewood-Kaserne«. Bedauerlich sei, dass es nun erst nach dem Einzug der Flüchtlinge zu einer Informationsveranstaltung für die Bürger komme. Steffen war gestern von der Stadt  über den geplanten Bezug der Kaserne informiert worden. Er hofft nun, dass es künftig im Umkreis der Notunterkunft nicht zu Problemen mit Radikalen kommt. Steffen plädiert dafür, auch andere leerstehende Kasernengebäude der Stadt für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen.

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