Marienkantor klagt gegen Kündigung Keine Einigung vor Gericht

Herford (WB). Das Tischtuch zwischen Kantor Wolf-Eckart Dietrich und dem Presbyterium der  Kirchengemeinde St. Marien  ist zerschnitten: Dieser Eindruck drängte sich  gestern beim Gütetermin im  Arbeitsgericht auf. Dort klagt  der 45-jährige Kirchenmusiker gegen die umstrittene Kündigung durch die Kirchengemeinde.

Von Peter Schelberg
Streit in der Marien-Gemeinde: Kantor Wolf-Eckart Dietrich wurde fristlos entlassen. Jetzt kämpft er vor Gericht um seinen Job.
Streit in der Marien-Gemeinde: Kantor Wolf-Eckart Dietrich wurde fristlos entlassen. Jetzt kämpft er vor Gericht um seinen Job. Foto: Moritz Winde

Am Gericht  wurde  Dietrich von  20 Mitgliedern des von ihm bislang geleiteten Kirchenchors begrüßt: »Wir wollen Solidarität  zeigen«, betonte Dr. Winfried Eisenberg.

Kantor soll Presbyterium mit Drittem Reich verglichen haben

Das   2006 begonnene  Arbeitsverhältnis habe sich bereits nach  kurzer Zeit als problematisch herausgestellt, erläuterte Anwalt Andreas Krüger die Gründe des Presbyteriums. Dietrich habe sich nicht an Weisungen gehalten, sich »wie ein Leiter der Gemeinde aufgeführt«. Eine Einigung über  Differenzen  sei nicht erfolgt, so dass dem Kläger  die Trennung angeboten worden sei.

Zum Eklat kam es offenbar im April 2015, als Dietrich in einem Brief »das Presbyterium mit dem Dritten Reich verglichen« habe, so Krüger.  Er fühle sich »an dunklere Kapitel der deutschen Geschichte erinnert«,  hatte sich der Kantor bei Presbyter Claus Olaf Finnemann und einem Ex-Presbyter beschwert. Dietrichs Rechtsanwalt Andreas Aurin sah hier hingegen keine Gleichsetzung mit dem Dritten Reich – und erst recht keinen Kündigungsgrund.

Vertrauensverhältnis »nachhaltig und tief zerrüttet«

Dietrich habe  in dem  Brief um ein Gespräch  gebeten, nachdem das  Presbyterium veranlasst habe, dass ein Konzerthinweis  des Kantors auf einer Infoseite des Kulturbüros gelöscht wurde. Richterin Dr. Lisa Dué regte ein  nichtöffentliches Güterichterverfahren an – das wollen beide Seiten prüfen.

Weiterverhandelt wird am 27. Oktober. Presbyter  Finnemann bezeichnete das Vertrauensverhältnis  als »nachhaltig und tief zerrüttet. Eine gedeihliche Zusammenarbeit ist nicht  vorstellbar«. Das Presbyterium sei zu  einer gütlichen Einigung bereit gewesen, wolle das Arbeitsverhältnis aber beenden.

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