Integrationsrat befasst sich mit Zwischenfall in Herford und fordert Auskunft Polizeigewalt: Antwort bleibt aus

Herford (WB). Schläge, Tritte und Pfefferspray bei einer Verkehrskontrolle – mit dem landesweit bekannt gewordenen Fall von Polizeigewalt in Herford hat sich am Dienstag auch der Integrationsrat der Stadt Herford befasst.

Von Peter Schelberg
Dieses Foto stammt aus dem Polizeivideo, das dokumentiert, wie Hüseyin Ercan von einem Beamten attackiert wurde.
Dieses Foto stammt aus dem Polizeivideo, das dokumentiert, wie Hüseyin Ercan von einem Beamten attackiert wurde.

Das Gremium kritisierte das Verhalten der beteiligten Beamten und hätte gern von der Kreispolizeibehörde Auskunft darüber, wie solche Zwischenfälle künftig verhindert werden können.

Die Herforder Hüseyin Ercan und sein Cousin Mikayil Annac – beide Männer haben einen Migrationshintergrund – waren ursprünglich wegen Widerstands gegen Polizisten und Körperverletzung angeklagt, vom Herforder Amtsgericht aber freigesprochen worden. Wie mehrfach berichtet, hatte ein Polizeivideo dokumentiert, wie Hüseyin Ercan von einem Beamten attackiert wurde. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Bochum gegen Herforder Polizisten.

Kein Fall speziell für den Integrationsrat

Hüseyin Ercan und sein Cousin verfolgten am Dienstag als Gäste den Verlauf der Sitzung. Ihr Fall wurde allerdings erst nach gut drei Stunden erörtert. So lange warteten die beiden Männer geduldig. Die Kreispolizeibehörde hatte es mit Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren abgelehnt, einen Vertreter an der Sitzung des Integrationsrates teilnehmen zu lassen.

Einig waren sich die Mitglieder, dass willkürliche Übergriffe der Polizei nicht geduldet werden könnten. »So etwas darf nicht passieren«, hieß es. Auf eine offizielle Stellungnahme konnte sich der Integrationsrat allerdings nicht verständigen. Vorsitzender Dogan Karacan zeigte sich besonders betroffen darüber, dass mehrere Polizisten geschwiegen hätten, als es vor Gericht um die Aufklärung des Vorfalls gegangen sei. Integrationsratsmitglied Halil Annac hätte sich eine zeitnahe Stellungnahme des Gremiums zu dem Zwischenfall gewünscht. Ismehan Parlak betonte, es bestehe der Wunsch nach einer Entschuldigung durch die Polizei.

Entschuldigung angebracht

Andreas Rödel sagte, er erwarte von einer Behörde, »dass sie sich entschuldige, wenn sie Mist gebaut hat«. Allerdings sei der Fall nicht speziell ein Thema für den Integrationsrat, meint der stellvertretende Bürgermeister: »So etwas kann jedem Bürger passieren, wenn ein Polizeibeamter die Nerven verliert.«

Enttäuscht zeigte sich Mikayil Annac, einer der beiden Betroffenen. Gegenüber dieser Zeitung sagte er: »Wir hätten schon erwartet, dass jemand von der Polizei zu der Sitzung kommt. Ich hätte gern eine Antwort, warum der Polizist zugeschlagen hat und warum das alles so passiert ist.« Er und sein Cousin seien aber vor allem sehr erleichtert gewesen, »dass vor Gericht die Wahrheit ans Licht gekommen ist«.

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