Ermittlungen gegen Herforder Polizei Schläge, Tritte, Pfefferspray: Polizeivideo belastet Beamten

Herford (WB). Die Polizei Herford steht im Verdacht, eine Ermittlungsakte frisiert zu haben, so dass zwei unschuldige Männer vor Gericht gestellt wurden.

Von Christian Althoff
Die Kamera im Streifenwagen zeichnete auf, wie der 39-jährige Polizeikommissar den Autofahrer angriff.
Die Kamera im Streifenwagen zeichnete auf, wie der 39-jährige Polizeikommissar den Autofahrer angriff. Foto: Screenshot

»Wir nehmen den Fall sehr ernst«, sagte gestern Victor Ocansey, Sprecher im NRW-Innenministerium. Die Ermittlungen seien dem Polizeipräsidium Bielefeld übertragen worden.

Es geht um eine Verkehrskontrolle im Juni 2014. Nach der Kontrolle behaupteten ein Autofahrer und sein Cousin, von einem Polizisten grundlos angegriffen worden zu sein. Die Streifenbeamten sagten dagegen, die Gewalt sei von den beiden Männern ausgegangen. Die Kripo Herford ermittelte und übergab der Staatsanwaltschaft Bielefeld eine Akte, die die Schuld der kontrollierten Männer zu belegen schien. Daraufhin erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Widerstandes und Körperverletzung.

Im Prozess am Montag vor dem Amtsgericht sahen sich die Prozessbeteiligten ein Video an, das von der Kamera im Streifenwagen aufgezeichnet wurde. Die Bilder zeigen, dass die Gewalt von einem Beamten ausging, der unvermittelt zuschlug, trat und mit Reizgas sprühte. Christoph Mackel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld: »Die Ermittlungsakte, die Grundlage unserer Anklage war, enthält 50 Bilder aus dem Video, die die Version der Polizisten zu bestätigen schienen. Die entscheidenden 20 Sekunden tauchen jedoch in der Akte nicht auf. Das gibt uns zu denken.«

Das Gericht sprach die beiden Angeklagten frei. Das Vorgehen des Streifenbeamten nannte die Richterin rechtswidrig. Das Vertrauensverhältnis zwischen Herforder Polizei und Staatsanwaltschaft Bielefeld ist seit Montag erheblich gestört. Es geht um Vorwürfe wie Körperverletzung, Verfolgung Unschuldiger und Strafvereitelung. Im Fokus stehen der schlagende Polizist, seine Kollegen, sofern sie seine Version gestützt haben, und der Beamte, der ermittelt hat. Der schlagende Polizist wollte den Prozess am Montag übrigens nutzen, um sich Schmerzensgeld zusprechen zu lassen – »wegen einer Wirbelsäulenzerrung und Prellungen am Kopf«. Dr. Detlev Binder, der einen Angeklagten verteidigte: »Um einen Kollegen zu schützen, haben Polizisten die Verurteilung zweier Unschuldiger in Kauf genommen. Das ist für mich schlimmer als die Polizeigewalt.«

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Kommentare

Ist es in Ordnung, ...

... dass das Kennzeichen der Betroffenen ungepixelt zu sehen ist?!

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