Nobelpreisträger hielt spontan einen Kurzvortrag Günter Grass hat 2009 das Marta besucht

Herford (HK). Kaum hatte sich die Nachricht vom Tod des Nobelpreisträgers Günter Grass herumgesprochen, wurden in Herford Erinnerungen an seinen Marta-Besuch wach. Er geht zurück auf das Jahr 2009.

Von Hartmut Horstmann
Gut gelaunt: Jutta Henke (Sozialberatungsdienst) und Marta-Direktor Roland Nachtigäller (Mitte) freuen sich über den Marta-Besuch von Günter Grass im Dezember 2009.
Gut gelaunt: Jutta Henke (Sozialberatungsdienst) und Marta-Direktor Roland Nachtigäller (Mitte) freuen sich über den Marta-Besuch von Günter Grass im Dezember 2009. Foto: Thomas Meyer

Marta-Direktor Roland Nachtigäller lernte einen »völlig unprätentiösen Menschen« kennen, der sich einfach nur das Museum anschauen wollte. Mit seiner Ehefrau, die sich zur Kur in Bad Salzuflen aufhielt, stattete er dem Marta einen Besuch ab. Mitarbeiter hatten den Leiter darüber informiert, dass sich der berühmte Schriftsteller im Museum aufhielt.

Grass legte »keinen Wert auf großen Trubel«

Daraufhin machte sich Nachtigäller auf die Suche, wurde fündig und begrüßte den Autor der »Blechtrommel«. »Er war sehr freundlich«, erinnert sich der Direktor. Bezeichnend, dass Grass das Angebot, durch das Museum geführt zu werden, nicht annahm: »Er sagte, er wolle lieber alleine gehen.« Auf großen Trubel legte der Autor keinen Wert. Allerdings habe er auch kein Problem mit der Öffentlichkeit gehabt, fügt Nachtigäller hinzu.

Jutta Henke, Leiterin vom Sozialberatungsdienst der Evangelischen Diakoniestiftung, bestätigt diesen Eindruck. Am Tage des Grass-Besuchs hatte ihre Einrichtung im Marta-Forum in der Vorweihnachtszeit eine Tagung veranstaltet. Sie richtete sich an die ärmeren Bürger dieser Gesellschaft, an Menschen, die obdachlos sind oder waren.

»Ein sehr netter Mann«

Ein Raunen sei damals durchs Museum gegangen, sagt Jutta Henke: »Es hieß, Grass sei hier.« Als sie ihn dann entdeckte und ansprach, erklärte dieser sich spontan bereit, eine Art Grußwort zu sprechen. Aus dem Stegreif habe der Autor einen Kurzvortrag über die »Armut in der deutschen Literatur« gehalten, zeigt sich Jutta Henke noch heute beeindruckt.

Als »sehr netter Mann, nicht mehr der jüngste, aber im Kopf ganz klar«, bleibt er ihr in Erinnerung. Als ein Mensch, der sich nicht aufgedrängt habe, aber sich auch nicht lange habe bitten lassen: »Später haben wir ihm dann einen Brief geschrieben und uns ausdrücklich bedankt.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.