Sanierungsstau in Veranstaltungsstätten macht Gesamtkonzept erforderlich In die Jahre gekommen

Herford (WB). Probleme mit der Belüftung, die Polsterung der Stühle ist teilweise verschlissen, eine veraltete Bühnentechnik. Das Stadttheater, eröffnet 1961, ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Wie viel das Kosten wird, will die Stadt Herford in vier Wochen bekanntgeben.

Von Ralf Meistes
In der Vergangenheit ist häufiger über die Zukunft des Schützenhofes diskutiert worden. Der Bürgermeister möchte ein Gesamtkonzept.
In der Vergangenheit ist häufiger über die Zukunft des Schützenhofes diskutiert worden. Der Bürgermeister möchte ein Gesamtkonzept. Foto: Ralf Meistes

»Wir ermitteln derzeit den Sanierungsbedarf für das Stadttheater. Ergebnisse werden nach Ostern erwartet. Dann können auch Fördermöglichkeiten eingeschätzt werden«, sagte Ernst Meihöfer, Geschäftsführer der Kultur Herford gGmbH am Freitag im Stadtrat.

Die Ratsmitglieder werden dann allerdings nicht nur über die Sanierung des Stadttheaters entscheiden müssen, sondern es stellt sich die Frage nach einem Konzept für die Veranstaltungsstätten in Herford. Eine wichtige Rolle wird dabei auch die Zukunft des Schützenhofes spielen. Bürgermeister Tim Kähler hat in den vergangenen Wochen deutlich gemacht, dass er diese Debatte mit den Ratsmitgliedern führen will.

Es geht ihm darum, eine Frage zu beantworten, die seit vielen Jahren im Raum steht: Wie viele Veranstaltungsstätten kann und will sich die Stadt Herford in Zukunft noch leisten. Denn nicht nur ins 55 Jahre alte Stadttheater wird zum Erhalt ein Millionenbetrag fließen müssen, auch in den Stadtpark Schützenhof müsste kräftig investiert werden. Zudem verfügt die Stadt Herford mit der Markthalle, dem Güterbahnhof und dem Marta-Forum über weitere Veranstaltungsorte, die durch städtische Töchter betrieben werden.

Zwei Papiere zur Diskussion

Zwei Papiere wird Bürgermeister Kähler wieder aus den Schublade herausholen und sie zur Diskussion stellen. Das eine ist das Konzept Herkon 2020, ein Positionspapier, das in der städtischen Holding HVV verabschiedet worden ist und bereits auf die finanziellen Belastungen für die Stadt aufgrund der vielen Veranstaltungsstätte hingewiesen hat.

In dem 2008 verfassten Papier war sogar vom Verkauf des Schützenhofes die Rede. Betrieben wird das Gebäude von der städtischen Tochter Herforder Stadtgarten- und Schützenhof (HSS) GmbH. 250 000 Euro pro Jahr steckt die HSS in den Betrieb des Gebäudes. Mitgesellschafter der HSS ist auch die Schützengesellschaft zu Herford von 1832. Da der Schützenhof auch von der Nordwestdeutschen Philharmonie (NWD) genutzt wird, hat man seinerzeit von den Verkaufsplänen wieder Abstand genommen. Die Frage, wo bei einem Verkauf des Schützenhofes die NWD bleibt, muss also beantwortet werden.

In vier Wochen will die Stadt darüber informieren, wie hoch der Sanierungsbedarf für das Stadttheater Herford ist. Foto: Ralf Meistes

Das zweite Papier, das wohl wieder hervor geholt wird, ist das Kulturgutachten von Prof. Dieter Haselbach aus dem Jahr 2009. Das Beratungsunternehmen ICG Culturplan (Berlin) hatte in einem Gutachten unter anderem die Schließung des Theaters als Option genannt, um den Kulturetat der Stadt zu senken. Heftige Proteste in der Bevölkerung waren die Folge.

Anstatt Einrichtungen zu schließen, hatte die Stadt sich damals für ein Sparprogramm ausgesprochen, das alle Kultureinrichtungen getroffen hat. So wurde beispielsweise das Budget des Marta-Museums von 2 auf 1,6 Millionen Euro jährlich zusammengestrichen. Geblieben ist allerdings das Problem, dass in die Gebäude investiert werden muss. Bürgermeister Kähler will sich diesem »geerbten« Problem jetzt stellen. Wohl wissend, dass die Diskussion nicht leicht sein wird.

Aber da auch die kleine und große Markthalle nach den Worten von Baudezernent Dr. Peter Böhm in einem prekären Zustand sind, wird die Stadt auch in diesen dritten Standort Geld stecken müssen. Vor diesem Hintergrund ist die Debatte um die Herforder Veranstaltungsstätten, die Bürgermeister Tim Kähler anstoßen möchte, wichtiger denn je.

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