Bielefelder Staatsanwaltschaft wirft 24-jährigem Kalletaler zahlreiche Delikte vor Anklage gegen Amokfahrer

Herford (WB). Schwerer Eingriff in den Straßenverkehr, Straßenverkehrsgefährdung, Widerstand, Bedrohung und Beleidigung von Polizisten, versuchte gefährliche Körperverletzung, Unfallflucht, Kennzeichen-Diebstahl und Fahren ohne Fahrerlaubnis – 13 Taten wirft Staatsanwältin Evelyn Harkötter dem sogenannten Amokfahrer von Herford vor.

Von Jens Heinze
In der Straße Im Großen Vorwerk endete die Verfolgungsjagd, die sich Roman H. im November mit der Polizei geliefert hatte.
In der Straße Im Großen Vorwerk endete die Verfolgungsjagd, die sich Roman H. im November mit der Polizei geliefert hatte.

Die Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage Roman H. erhoben. Der Fall schlug vor gut drei Monaten hohe Wellen, weil ein Polizist zur Dienstwaffe griff und zweimal auf den Fluchtwagen von Roman H. schoss (diese Zeitung berichtete).

Den Ermittlungen zufolge war der drogenabhängige 24-Jährige an jenem Montag im November nach Herford gefahren, um einen Freund aus gemeinsamen Gefängnistagen zu besuchen. Er selbst hatte dreieinhalb Jahre lang eine Jugendstrafe wegen schweren Raubes und Drogenverstößen in der Justizvollzugsanstalt verbüßt.

Gegen 17 Uhr, so steht es in der Anklage, startete Roman H. seinen in der Nähe des Gefängnisses geparkten Wagen. Er bog aber entgegen der Fahrtrichtung in eine Einbahnstraße ein, wendete und brachte ein Schild zu Fall. Statt sich der von Zeugen alarmierten Polizei zu stellen, versuchte sich Roman H. mit seinem Auto auf einem Supermarkt-Parkplatz an der Mindener Straße zu verstecken. Polizisten entdeckten ihn aber und stellten ihren Bulli schräg hinter den Opel des 24-Jährigen. Dann begann die wilde Amokfahrt.

Roman H. soll im blauen Opel quer durch die Beete vom Parkplatz über die Waltgeristraße zur Mindener Straße geflüchtet sein und dabei einen Polizei-Bulli gerammt haben. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 90 Kilometern in der Stunde soll er in den Gegenverkehr gezogen sein und Ampelrotlicht missachtet haben. Die Flucht endete schließlich in der Straße Im Großen Vorwerk, wo der 24-Jährige von Streifen- und Zivilwagen der Polizei eingekesselt wurde.

Trotzdem versuchte der junge Mann, zu entkommen. Dabei soll er mit seinem Auto auf einen Polizisten zugehalten haben, der sich mit einem Sprung zur Seite in Sicherheit bringen musste. Zudem soll Roman H. drei weitere Fahrzeuge gerammt haben. Schließlich griff ein Polizist zur Dienstwaffe und schoss zweimal auf den Wagen des Amokfahrers. Christoph Mackel: »Der Beamte traf in den unteren Bereich der Fahrertür. Die Kugeln haben die Karosserie nicht durchschlagen.« Bei seiner Festnahme soll der leicht alkoholisierte Roman H. Polizisten mit dem Tode bedroht haben: »Lasst mich los, oder ich mache Euch kalt.«

Bei seiner Flucht soll der 24-Jährige mindestens 25 000 Euro Schaden angerichtet haben: 22 000 Euro beim Rammen von Dienstfahrzeugen und 3000 Euro beim Rammen von Privatwagen. Der Beschuldigte habe sich nur gegenüber dieser Zeitung zur Tat geäußert, mache bei Polizei und Staatsanwaltschaft dagegen keine Angaben, sagte Staatsanwalt Mackel.

Der Termin für den Prozess vor einer Großen Strakammer des Landgerichtes Bielefeld steht noch nicht fest. Roman H. wird vor Gericht als freier Mann erscheinen – er sitzt nicht in U-Haft.

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