»Spiegel-TV« berichtet über den Tod eines Herforders in Syrien Den Salafisten auf der Spur

Herford (WB). Die Herforder Salafisten-Szene bleibt auch nach Festnahme des mutmaßlichen IS-Unterstützers Sebastian B. im Januar bundesweit Gesprächsthema. In einem von RTL ausgestrahlten Beitrag hat das »Spiegel TV Magazin« am Sonntag über den Herforder Dela T. berichtet, der 2013 im syrischen Bürgerkrieg getötet worden sein soll.

Der 21-Jährige wird beschrieben als junger Mann mit psychischen Problemen, der Halt und Identität suchte. So habe er Kontakt zu einer Gruppe von Männern gefunden, die von den Sicherheitsbehörden als besonders gefährlich eingestuft werden – unter ihnen laut »Spiegel TV« auch der Tschetschene Said O. Der 49-Jährige – nach HK-Informationen ein anerkannter Asylberechtigter, der seit 2001 in Herford lebt – gelte als einer von bundesweit mehr als 260 islamistischen Gefährdern. Diese stehen unter besonderer Beobachtung der Sicherheitsbehörden, die ihnen Anschläge zutrauen. Terrorfahnder hätten O. im Verdacht, im kleinen Kreis als Scharfmacher für den Dschihad zu agieren, hieß es. Ihm wird eine Führungsfunktion in radikalen Zirkeln nachgesagt, die auch in der Moschee in der Ahmser Straße verkehren sollen.

»Dela T. ist mit ziemlicher Sicherheit tot«

Dela T. und der inzwischen verhaftete Herforder Konvertit Sebastian B. (27) sollen sich 2013 einer tschetschenischen Terrormiliz angeschlossen haben. Insgesamt sollen – so »Spiegel TV« – mindestens drei junge Männer aus dem Umfeld O.'s nach Syrien gereist sein. Dela T. ist dem Bericht zufolge bis heute verschollen. Seine Mutter soll von Sebastian B. erfahren haben, dass ihr Sohn im Schützengraben gefallen sei. Inzwischen gibt es allerdings auch Hinweise, dass T. möglicherweise einen Psychose-Anfall bekommen und daraufhin von IS-Mitgliedern erschossen worden sein könnte. »Dass Dela T. tot ist, lässt sich ziemlich sicher sagen«, bestätigte Erster Kriminalhauptkommissar Ulrich Buchalla, Kommissariatsleiter beim Bielefelder Staatsschutz. »Seine Mutter hat seit Ende 2013 nichts mehr von ihm gehört, seither fehlt jedes Lebenszeichen.« Sebastian B. sitzt derzeit in Untersuchungshaft in der JVA Bielefeld-Brackwede.

Fragen des Fernsehteams zu seinen Aktivitäten wehrte Said O. im gezeigten Filmbeitrag ab. In diesem Zusammenhang erinnert »Spiegel TV« an die Angriffe von Salafisten auf Jesiden im August in Herford: Bei den Ausschreitungen habe sich erstmals die Brutalität tschetschenischer Extremisten auch der Öffentlichkeit vermittelt. Dabei gälten Ostwestfalen und Berlin schon seit längerem als Schwerpunkte islamistischer Tschetschenen. Der heimische SPD-Landtagsabgeordnete Christian Dahm (Vlotho) hatte vor kurzem darauf hingewiesen, die Salafistenszene in Herford sei seit langem bekannt, die Stadt sei aber »keine Hochburg«.

Salafisten-Szene in Herford

Etwa ein Dutzend Salafisten sind der Polizei in Herford bekannt. Damit leben in der 65.000-Einwohner-Stadt doppelt so viele von ihnen wie im Bundesdurchschnitt. Nach Informationen des Verfassungsschutzes dient die Assalam-Moschee an der Ahmser Straße auch jungen Salafisten aus Tschetschenien als Treffpunkt. Der Verein »Islamisches Zentrum Herford«, der die Gebetsstätte betreibt, hat hingegen mehrfach öffentlich betont, dort finde keine Radikalisierung statt. Beobachter berichten, dass es zwischenzeitlich intern zu Spannungen zwischen einzelnen Gruppen gekommen sein soll. So soll der Vorstand bestrebt sein, sich von radikalen Kräften zu trennen – auch, um die Moschee so aus der öffentlichen Kritik herauszuholen.

In den vergangenen Wochen haben Angehörige der jesidischen Glaubensgemeinde erneut unter anderem in Herford gegen den Islamischen Staat und Aktivitäten von Salafisten demonstriert. Die aktuellen Konflikte zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen werden auch an einigen Herforder Schulen thematisiert. Bürgermeister Tim Kähler will den interreligiösen und interkulturellen Dialog zeitnah fortsetzen. Voraussichtlich am 9. März soll der nächste Runde Tisch im Herforder Rathaus tagen. Dabei sollen nach Möglichkeit Vertreter der Schulen mit eingebunden werden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.