Helmut Obernolte dokumentiert Siebenschläfer-Vorkommen im Kreis Herford  Ein Fall für den Naturatlas

Vlotho (HK). Herbstliche Routine ist für Helmut Obernolte die Säuberung der Nistkästen. An einem Birnbaum war diesmal die Überraschung groß. Als Untermieter lugte ein Siebenschläfer aus dem Einflugloch des Kastens.

Von Reinhard Kehmeier
Knapper Durchlass: Gerade mal 28 Millimeter misst das hier allerdings erweiterte Meisenloch des Kastens, so dass der Kopf des Siebenschläfers hindurchpasst. Ein wenig erinnert das allerdings andersfarbige Tier an ein kleines Eichhörnchen.
Knapper Durchlass: Gerade mal 28 Millimeter misst das hier allerdings erweiterte Meisenloch des Kastens, so dass der Kopf des Siebenschläfers hindurchpasst. Ein wenig erinnert das allerdings andersfarbige Tier an ein kleines Eichhörnchen.

 Flugs holte der ambitionierte Naturfotograf seine Kamera und hatte Glück: Prächtige Motive lieferte das Objektiv. Im gut gepolsterten Nest kuschelten auch zwei Jungtiere. »Die Bilder musst du weitergeben«, sagte sein Ornithologenfreund Kreisheimatpfleger Eckhard Möller. Er gilt als fleißiger Sammler von Informationen für den neuen Internet-Atlas über wilde Säugetierarten in Nordrhein-Westfalen. Er ist Mitte des Monats freigeschaltet worden. Mehr als 70 Arten sind bisher beschrieben. In der Veröffentlichung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) finden sich jeweils ein Arten-Steckbrief und eine Bildergalerie. Verbreitungskarten werden durch die ständigen Ergänzungen auf dem Laufenden gehalten. Ehrenamtliche Naturkundler und Vereine haben sich zu dem Projekt zusammengeschlossen. Auch die Forschungsgemeinschaft Alexander Koenig, Bonn, gehört zu den Herausgebern.

Erster Nachweis für Vorkommen im Kreis

 Inzwischen gelten Obernoltes Fotos als erster Nachweis des Siebenschläfers im Kreis Herford. »Die von kleinen Zähnen angebissenen Birnen habe ich wohl gesehen«, erzählt der Hollwiesener auf der jetzt winterlich verschneiten Obstwiese. Im November war für die Tiere vom Winterschlaf noch nicht die Rede, futtern war wichtiger. Inzwischen haben sie das Weite gesucht und ein gutes Versteck, womöglich in einer Erdkluft.

 Erst im August und September kommen vier bis sechs Junge zur Welt. Je nach Nahrungslage bleiben die Tiere in manchen Jahren auch ohne Nachwuchs. Während des oft sieben bis acht Monate andauernden Winterschlafs reduzieren die Säuger ihre Körpertemperatur bis knapp über den Gefrierpunkt und verringern den Herzschlag. Buchen- oder Mischwälder mit hohem Laubholzanteil sind der ursprüngliche Lebensraum. Helmut Obernolte hat schon vor Jahren eigens für Siebenschläfer in Volmerdingsen einen Kasten gebaut, die auf einem Hausboden am Weg oberhalb des Wittekindshofes ihr Unwesen trieben. Aus Vlotho sind dem Naturfreund und NABU-Mitglied vor etlichen Jahren zwei Siebenschläfervorkommen gemeldet worden, darunter in den alten Obstgärten am Burgberg: »Vielleicht gibt es noch viel mehr.«

 »Säugetierfunde aller Art werden weiterhin gern entgegengenommen«, sagt Dr. Henning Vierhaus aus Bad Sassendorf. Sein Kollege Holger Meining aus Werther: »Auch häufige Arten wie Maulwurf, Reh oder Kaninchen sind interessant für uns oder seltenere wie die Bechsteinfledermaus oder gar Wolf und Wildkatze.« Für die nachtaktiven Arten gebe es nicht soviele Spezialisten, erklärt der Biologe Klaus Nottmeyer, Leiter der Biologischen Station Stift Quernheim. Bei Fotos hat er auch schon auf Bildern von Verkehrsopfern zurückgegriffen. Manchmal fehle es auch an Nachweisen vermeintlich banaler Säuger: »Bei der Verbreitung von Wildkaninchen gibt es Informationslücken.«

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