Klassik-Produzent Burkhard Schmilgun freut sich über Grammy-Auszeichnung »Der Oscar der Musikbranche«

Herford (WB). »Wir sind Grammy« titelt das Manager Magazin. Maßgeblichen Anteil am deutschen Erfolg bei der Preisverleihung in Los Angeles hat ein Herforder: Burkhard Schmilgun, Produzent des Musiklabels CPO. Das Label hat den Grammy für die beste Opernaufnahme erhalten.

Von Hartmut Horstmann
 Musikdirektor Stephen Stubbs (links) und der Tenor Aaron Sheehan freuen sich über die Grammy-Auszeichnung. Die als preiswürdig eingestufte Aufnahme, die auf dem Klassiklabel CPO erschienen ist, wurde in Bremen eingespielt.
Musikdirektor Stephen Stubbs (links) und der Tenor Aaron Sheehan freuen sich über die Grammy-Auszeichnung. Die als preiswürdig eingestufte Aufnahme, die auf dem Klassiklabel CPO erschienen ist, wurde in Bremen eingespielt. Foto: Paul Buck/dpa

Seit 1991 ist Burkhard Schmilgun als Produzent für das Repertoire des Klassiklabels verantwortlich. So einen Tag wie den vergangenen Montag habe er noch nicht erlebt, sagt der 60-Jährige. Am frühen Morgen erreichte ihn der Anruf aus dem Büro – mit dem Hinweis: »Du glaubst nicht, was hier los ist.« Und tatsächlich räumt der Herforder ein, er habe die Verleihung »gar nicht mehr auf dem Schirm gehabt«. Zwar wusste er davon, doch geschah dies nicht zum ersten Mal. Nach einigen Nominierungen ohne Preis war die Erwartungshaltung geringer.

»Wahnsinn. Es überrennt mich vollkommen.«

Wer am Montag versuchte, Burkhard Schmilgun in seinem Büro anzurufen, musste meist mit einem Besetztzeichen vorliebnehmen. »Wahnsinn. Es überrennt mich vollkommen«, teilt der Produzent mit – während die großen Sender um Interviews bitten. Es sei unglaublich, welches Interesse ein solcher Preis nach sich ziehe. Die Tatsache, dass eine von seinem Label produzierte Aufnahme den »Oscar der Musikbranche« verliehen bekommt, empfindet er als Ritterschlag. Ausgezeichnet wurde die Einspielung eines barocken Komponisten – und zwar »La descente d'Orphée aux enfers« von Marc-Antoine Charpentier.

Zuhause bei Burkhard und Zivana Schmilgun: Jetzt hat der Musikproduzent einen Grammy für eine Opernproduktion erhalten. Foto: Moritz Winde

Die CPO-Aufnahme ist im vergangenen Jahr erschienen. Aufführende waren die Akteure des »Boston Early Music Festivals«. Das 1980 gegründete Orchester zählt zu den wichtigsten Interpreten auf dem Gebiet der Alten Musik. Großen Wert legt es auf die historische Aufführungspraxis. Seit Jahren gibt es eine Zusammenarbeit zwischen den Amerikanern und CPO. Die gemeinsame Schnittmenge bildet die Suche nach unbekannten oder vernachlässigten Perlen der Musikgeschichte. »Mittlerweile bekommen wir von dort aus Angebote, etwas zu produzieren«, erläutert Burkhard Schmilgun – so auch im Falle von Marc-Antoine Charpentier. Aus den USA wurden die Musiker eingeflogen, um die Werke im Sendesaal von Radio Bremen aufzunehmen.

»Widerstandsnest im Kampf gegen die Phantasielosigkeit des Klassikbetriebs.«

Der Produzent, der mit einer NWD-Musikerin verheiratet ist und auch selbst in dem Orchester spielte, sieht sich durch den Erfolg auch in der Strategie bestätigt, lohnenswerte Nischen abseits des Mainstreams zu suchen. Auf der eigenen Homepage bezeichnet sich CPO als »Widerstandsnest im Kampf gegen die Phantasielosigkeit des Klassikbetriebs«. Auf seiner Entdeckertour durch die Musikgeschichte förderte Schmilgun auch Unbekanntes aus Herford zutage. So sorgte er dafür, dass erstmals seit Jahrzehnten wieder Werke des in Herford geborenen Broadway-Komponisten Gustave Kerker in einem Konzertsaal gespielt wurden. Auch daraus entstand eine CD.

Wer dem Produzenten gratulieren will, ihn jedoch wegen des Grammy-Hypes in den nächsten Tagen nicht erreicht, hat dazu am 21. Februar im Elsbachhaus Gelegenheit. Denn Burkhard Schmilgun beteiligt sich an der Marathonlesung des Romans »Unterwerfung« von Michelle Houellebecq. Auch in puncto Literatur ist der Musikproduzent äußerst versiert – ein bewegter Geist halt.

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