Bastian Pastewka »und Komplizen« spielen »Paul Temple und der Fall Gregory« Radio nicht nur für die Ohren

Herford (WB). Zwei dubiose Mädchenmorde, eine Erpressung, ein mysteriöser Unfall, eine Verfolgungsjagd, eine schummrige Bar, ein charmantes Ermittlerpaar und jede Menge Verdächtige: »Paul Temple und der Fall Gregory« hat alles, was ein guter Krimi braucht. Bastian Pastewka und »seine Komplizen« brachten das Hörspiel von 1949 am Dienstag höchst unterhaltsam auf die Herforder Bühne.

Von Ruth Matthes
Vor ausverkauftem Haus löste Durbridge-Fan Bastian Pastewka als Detektiv Paul Temple den »Fall Gregory«.
Vor ausverkauftem Haus löste Durbridge-Fan Bastian Pastewka als Detektiv Paul Temple den »Fall Gregory«. Foto: Ruth Matthes

Spätestens seit den »Drei ???« ist bekannt, dass Hörspiele auch auf der Theaterbühne Erfolg haben können. Doch funktioniert das auch mit einem Stoff von Francis Durbridge aus der Zeit, als das Krimi-Publikum noch gebannt vorm Dampfradio saß und nichts von »CSI, NSA und Bodensee-Tatort« wusste, wie Pastewka es formulierte? Wenn ein passionierter Hörspiel-Fan wie er sich dieses Stoffes annimmt, die Hauptrolle spricht und das Originalmanuskript mit dem für ihn typischen Sinn für Sprachwitz, Komik, Timing und Selbstironie würzt, dann auf jeden Fall.

Der Comedian, Schauspieler und Sprecher (»Wochenshow«, »Der Wixxer«) hatte das Hörspiel in die Rahmenhandlung eingebettet, die es ihm ermöglichte, den Zuschauern gleich die Hintergründe dieses ungewöhnlichen Theaterabends zu schildern. Einblendungen von Szenenfotos aus Durbridge-Verfilmungen ließen die 1950-er Jahre lebendig werden. Eine Gruppe von Sprechern hat sich getroffen, um das nur als Fragment erhaltene, lange Zeit verloren geglaubte Hörspiel »Paul Temple und der Fall Gregory« fürs Radio aufzuzeichnen. Dabei halten Kai Magnus Sting, Alexis Kara, Janina Sachau und Cathlen Gawlich nicht mit Kritik an dem Stoff und den merkwürdigen Hobbys des größten lebenden Durbridge-Fans Pastewka hinterm Berg und liefern sich so manch launigen Schlagabtausch.

Doch nichtsdestotrotz geben die Kollegen in ihren zahlreichen Rollen alles, um die verschiedenen Typen treffend zu charakterisieren. So ist Kai Magnus Sting zugleich der Nachtclubbesitzer Zola, der das Publikum mit herrlichen Reich-Ranicki-Dialekt begeistert, als auch der norwegische Tourist Peter Daves und der ratlose Scotland Yard-Ermittler Sir Graham Forbes.

Nebenbei sorgen sie noch für die passende Geräuschkulisse, indem sie mit Tassen klirren, mit dem Mixer Automotoren imitieren, mit Papier rascheln oder in Sand- und Blätterkisten knisternde Schritte erzeugen. Den Zuschauern in der ersten Reihe dürfte der Autounfall des Ehepaars Temple, bei dem es mit dem Wagen im Wasser landet, besonders in Erinnerung bleiben: Um den Aufprall hörbar zu machen, schmiss Cathlen Gawlik nämlich mit Schwung eine Vase in eine gut gefüllte Wanne – was nicht ohne feuchte Folgen blieb.

Die Zuschauer belohnten die Darsteller immer wieder mit Szenen-Applaus. Das galt sowohl für die Jagd nach dem flüchtigen Madison als auch für die Gesangs-Einlage »Maria aus Bahia«. Mit Standing Ovations bedankte sich das Publikum nach zweieinhalb kurzweiligen Stunden bei dem brillanten Team. Es antwortete mit dem Rudi-Schuricke-Hit »Auf Wiedersehen!«.

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