Multivac will Projekt gegen sexuellen Missbrauch auch künftig fördern Grundschulkindersagen weiter »Nein«

Enger (WB). Jedes Schulkind in Enger soll wissen, dass es sexuelle Übergriffe nicht erdulden muss. Dafür will die Firma Multivac, Hersteller von Etikettiermaschinen, auch über das Jahr 2020 hinaus mit einem finanziellen Beitrag sorgen.

Von Gerhard Hülsegge
Bürgermeister Thomas Meyer (von links), Schulleiter Christian Absi, Philip Hager (Theaterpädagogische Werkstatt), Kristina Leitner (Rechtspraktikantin bei der Stadt Enger), Volker Gerloff (Firma Multivac), Kaira Strecker (Theaterpädagogische Werkstatt) und die Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Harder-Möller unterstützen das Projekt an der Grundschule Belke-Steinbeck.
Bürgermeister Thomas Meyer (von links), Schulleiter Christian Absi, Philip Hager (Theaterpädagogische Werkstatt), Kristina Leitner (Rechtspraktikantin bei der Stadt Enger), Volker Gerloff (Firma Multivac), Kaira Strecker (Theaterpädagogische Werkstatt) und die Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Harder-Möller unterstützen das Projekt an der Grundschule Belke-Steinbeck. Foto: Gerhard Hülsegge

»Wir wollen unser Engagement fortsetzen und ich wüsste nicht, was dagegen spricht«, sagte Geschäftsführer Volker Gerloff jetzt beim Start der Projektwoche »Mein Körper gehört mir!« an der Grundschule Belke-Steinbeck. Die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück setzt das Thema um.

Eltern werden eingebunden

Immer wieder werden Kinder Opfer von sexuellen Übergriffen. Oft trauen sie sich nicht, darüber zu reden, weil der Täter aus der eigenen Familie stammt. Doch wem können sich die Kinder anvertrauen, mit wem können sie reden und wie können sie sich vor solchen Übergriffen schützen?

Seit 2008 erhalten alle Grundschüler in Enger Stärkung, Unterstützung und Informationen zum Thema »Sexueller Missbrauch«. Dabei sind Elemente der Selbststärkung und die Förderung des Selbstbewusstseins im Umgang mit sexuellen Übergriffen besonders wichtig. Am 14. November 2006 vereinbarten die vier Grundschulen in Enger sowie die Gleichstellungsstelle der Stadt das Präventionsprojekt in Kooperation mit der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück. »Sie sichert die kindgerechte Bearbeitung dieser Thematik in Form szenischer Darstellungen, indem es eine Sichtveranstaltung für alle Eltern der Kindern der dritten und vierten Jahrgangsklassen gibt, die an diesem Projekt teilnehmen sowie durch Auftritte in den jeweiligen Klassen«, erklärt Ulrike Harder-Möller, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Enger.

Grenzverletzungen als Thema

Die Lehrkräfte bearbeiten die Thematik in entsprechenden Unterrichtseinheiten. Die Koordination des Gesamtprojektes übernimmt dabei die Gleichstellungsstelle.

Um die Grundlage für eine längerfristige Finanzierung dieser Schulveranstaltungen zu sichern, konnte die Engeraner Firma Multivac Marking & Inspection als Sponsor gewonnen werden. Seit dem Schuljahr 2007/2008 finanziert sie den Hauptteil der entstehenden Kosten durch ihre Spende – 15.000 Euro waren es in den zurückliegenden zehn Jahren allein für die Arbeit an Engers Grundschulen. Damit ist bis zum Schuljahr 2019/2020 sichergestellt, dass jedes Schulkind in Enger an diesem Präventionsprojekt zur Stärkung im Umgang mit sexueller Gewalt teilnehmen wird.

»Es geht um die Thematisierung von Grenzverletzungen. Wichtig ist es, Kinder zu stärken und zu ermutigen, ›Nein‹ zu sagen«, so Harder-Möller. »Denn die Dunkelziffer ist hoch«, ergänzt Christian Absi, Leiter der Grundschule Belke-Steinbeck. Statistisch seien in jeder Klasse ein bis zwei Kinder betroffen.

Theaterpädagogische Werkstatt

Bürgermeister Thomas Meyer dankte der Firma Multivac, die sich in ähnlicher Weise auch an der Realaschule Enger engagiert, für die nachhaltige Unterstützung, dem gesellschaftlichen Problem beizukommen.

In dem Stück »Mein Körper gehört mir!« trifft ein Kind im Internet auf einen Mann, der sich dessen Vertrauen erschleicht. Kaira Strecker, die zusammen mit Philip Hager für die Theaterpädagogische Werkstatt aktiv ist, hat festgestellt: »Seit etwa drei Jahren fällt es den Kindern leichter, darüber zu sprechen und sie fühlen sich auch weniger schuldig.«

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