Denkmalgeschützes Gebäude an der Bielefelder Straße in Enger noch in Landesbesitz »Unter den Linden« soll verkauft werden

Enger (WB). Das Haus an der Bielefelder Straße 24 in Enger ist ein Denkmal. Trotzdem verfällt es. Zum Ärgernis der Stadt. Jetzt will das Land NRW die Immobilie verkaufen.

Von Thomas Klüter und Frauke Kanbach
Foto: Thomas Klüter

Abwechslungsreich ist die Bebauung an der Bielefelder Straße im Zentrum von Enger. Auf der einen Seite zum Teil denkmalgeschützte Gebäude, die den Eindruck einer kleinstädtisch gewachsenen Siedlungsstruktur aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts vermitteln. Auf der anderen Seite neuere Häuser mit bis zu drei Geschossen. Dieser heterogenen Entwicklung will die Stadt Enger künftig entgegenwirken.

Bebauungspläne geändert

Der Rat beschloss jetzt die Änderungen der 20 Jahre alten Baupläne für den Bereich »Am Liesberg«, »Auf dem Hagen« und »Hasenpatt« (wir berichteten). Dadurch soll der vorhandene Charakter des Straßenzugs bewahrt werden, insbesondere im Zusammenspiel mit den vier dort vorhandenen Baudenkmälern.

Über eins davon machen sich viele Bürger zunehmend Gedanken: Die ehemalige Gaststätte »Unter den Linden« in der Bielefelder Straße 24 steht leer und droht zu verkommen. »Eine andere Entwicklung wäre wünschenswert«, sagte Bürgermeister Thomas Meyer während der jüngsten Ratssitzung. Das Fachwerkhaus stammt etwa aus dem Jahr 1870 und steht seit 1984 unter Denkmalschutz. Das Haus der Engeraner Familie Breder ging 1921 offiziell in den Besitz von Robert Kenter über, der Emilie Breder geheiratet hatte. Kenter etablierte dort die Gastwirtschaft »Unter den Linden« und betrieb im später entstandenen Anbau mit der Hausnummer 22 eine Zigarrenfabrik. Seit 1972 war Hilde Steinsiek, die Tochter des »Lindenwirts« Besitzerin der beiden Immobilien an der Bielefelder Straße.

Fenster wurden demoliert

Seit 2011 sind beide Häuser im Besitz des Landes NRW. »Es handelte sich dabei um eine Fiskal-Erbschaft«, erklärt Andreas Moseke von der Bezirksregierung Detmold, die das Land vor Ort vertritt. »Wenn die eigentlichen Nachfolger das Erbe ausschlagen oder gar nicht ermittelt werden können, geht der Besitz an das Land.« Das sei dann für die Instandhaltung oder zumindest für die Verkehrssicherungspflicht zuständig. »Da ist es eine Frage der Abwägung, ob es besser ist, die Häuser leer stehen zu lassen oder nicht«, so Moseke. Die Bezirksregierung sei aber daran interessiert, dem Verfall vorzubeugen und hat einen Hausmeisterservice mit der regelmäßigen Kontrolle des Objekts beauftragt.

Trotzdem seien neulich hier bleiverglaste Fenster demoliert worden, sagt Inge Nienhüser von der Stadt Enger. Die Abteilungsleiterin Städtebau, Städteentwicklung, Stadtmarketing, Gebäudemanagement hat die Schäden dokumentiert und an die Bezirksregierung weitergeleitet. »Wir haben daraufhin die kaputten Fenster mit Holzplatten absichern lassen, um eine Verletzungsgefahr auszuschließen«, sagt der Sprecher der Bezirksregierung und formuliert auch klar die Pläne für die Zukunft der beiden Häuser: »Wir möchten beide Immobilien verkaufen, Interessenten können sich gerne bei uns melden.«

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