Haus der Kulturen: Integrationskoordinatorin zieht positive Bilanz »Geflüchtete Frauen emanzipieren sich«

Enger (WB). Vor wenigen Tagen ist das Haus der Kulturen (HdK) ein Jahr alt geworden. Integrationskoordinatorin Sandra Werner und Regina Schlüter-Ruff von der Initiative »Willkommen« blicken zurück auf zwölf Monate in einer Einrichtung, deren Entstehung im Stadtkern nicht unumstritten war.

Von Daniela Dembert
Integrationskoordinatorin Sandra Werner (unten) und Regina Schlüter-Ruff von der Initiative »Willkommen« freuen sich über die Spendenbereitschaft der Engeraner. So konnte das Spielzimmer im Haus der Kulturen eingerichtet werden.
Integrationskoordinatorin Sandra Werner (unten) und Regina Schlüter-Ruff von der Initiative »Willkommen« freuen sich über die Spendenbereitschaft der Engeraner. So konnte das Spielzimmer im Haus der Kulturen eingerichtet werden. Foto: Daniela Dembert

»Manchmal wundert mich die Kontinuität der Spendenbereitschaft«, sagt Sandra Werner mit Blick ins Spielzimmer im ersten Stock über der ehemaligen Buchhandlung Kuhlmann an der Brandstraße. Bücher, Spielzeug, kindgerechte Möbel, sogar ein Sofa und eine Kuschelecke machen den Raum gemütlich. »Das alles sind Spenden von Engeraner Bürgern«, erzählt Werner.

Sprachunterricht gehört zu den Förderangeboten

Vor allem dienstags und donnerstags vormittags tummeln sich hier Kleinkinder unter der Aufsicht Ehrenamtlicher. In dieser Zeit läuft im Erdgeschoss der Deutschkurs für Asylsuchende. An den Deutsch- und Sprachkursen beteiligen sich bis zu 15 Personen. »Das ist die Obergrenze, damit überhaupt effektiv gearbeitet werden kann«, gibt Werner zu bedenken. Der Sprachunterricht gehört zu den Förderangeboten des Hauses – sei aber nur eine der Säulen.

Verschiedene Beratungen und für jedermann offene Freizeitangebote gehören ebenso dazu. »Besonders gefragt ist derzeit unser Nähkurs, in dem sich Migranten und Deutsche treffen«, erklärt Werner. Weitere Angebote sind ein Frauen-Malkurs, ein Musikworkshop für Erwachsene und eine Musikgruppe für Kinder. »Letztere ist ein Angebot der Arbeiterwohlfahrt. Wir pflegen mehrere Kooperationen mit verschiedenen Gruppen.«

Putzplan schafft Abhilfe

Wichtig sind für die Begegnungsstätte interkulturelle Veranstaltungen, durch die Barrieren abgebaut werden. »Ich bin sehr froh, dass das Haus eine solche Akzeptanz erlangt hat«, sagt Regina Schlüter-Ruff. Anfänglich sei schon mal die Sauberkeit des Hausflurs zum Wohnbereich von Passanten beanstandet worden. »Für solche Hinweise aus der Bevölkerung sind wir immer offen, weil wir uns auch als Anlaufstelle für die Engeraner verstehen und Probleme offen behandeln wollen«, betont Werner. Beim Thema Hausflur habe man sich mit den Bewohnern auf einen Putzplan verständig, der gewissenhaft wahrgenommen werde.

Viele Prozesse des Lernens und Kennenlernens seien in Gang gekommen. »Ich habe den Eindruck, die geflüchteten Frauen emanzipieren sich hier ein Stück weit. Mittlerweile übernehmen häufig auch Männer den Spüldienst oder saugen Staub, was zu Anfang undenkbar gewesen wäre«, hat Werner beobachtet. Ein wichtiges männliches Vorbild sei der Bundesfreiwilligendienstler Daniel Motzek.

Was ist, wenn jemand abgeschoben wird?

Viele Ehrenamtliche bemühen sich im HdK um Integration geflüchteter Menschen. Was aber, wenn jemand, der lange engagiert betreut worden ist, abgeschoben wird? »Das sind Tiefschläge, die frustrieren und uns Ehrenamtlichen zusetzen. Aber wir haben Hilfe durch die Ehrenamtsberatung und gemeinsame Planungstreffen«, berichtet Schlüter-Ruff.

Ist denn die Arbeit bald getan? »Sicher nicht«, meinte Sandra Werner. »Die Geflüchteten sind keine homogene Gruppe. Immer wieder kommen Neue hinzu.« Außerdem sei das HdK auch Anlaufpunkt für Deutsche und Migranten aus dem europäischen Raum, die schon länger hier leben.

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