Landwirt plant Ställe für 80.000 Tiere am Baringhof Beirat gegen Hähnchen-Mastbetrieb

Enger (WB). Über sein Vorhaben, einen Hähnchenmaststall für bis zu 80.000 Tiere im Landschaftsschutzgebiet zu errichten, hat der Landwirt Hermann Cremer noch vor Antragstellung den Kreis Herford informiert. Der Naturschutzbeirat kam am Montag zur Besichtigung auf den Baringhof, stand dem Vorhaben mehrheitlich aber eher kritisch gegenüber.

Von Daniela Dembert
Landwirt Hermann Cremer erklärte dem Naturschutzbeirat des Kreises Herford, wie und wo genau er die Hähnchenmastställe auf dem Baringhof in Westerenger errichten möchte.
Landwirt Hermann Cremer erklärte dem Naturschutzbeirat des Kreises Herford, wie und wo genau er die Hähnchenmastställe auf dem Baringhof in Westerenger errichten möchte. Foto: Hülsegge

Zwei miteinander verbundene Ställe von jeweils 100 mal 20 Metern möchte Landwirt Cremer auf seinem Grundstück bauen. Am Kopf der nur etwa 5,80 Meter hohen Gebäude sind zwei Futtersilos, am Ende zwei etwa zehn Meter hohe Ablufttürme geplant.

»Nur Anliegerverkehr«

»Wir liegen hier recht geschützt, fast versteckt. Der Hof ist von den Nachbarn aus nicht zu sehen«, sagte der Eigentümer. In der Sackgassenlage gebe es nur Anliegerverkehr. Der anfallende Mist verbliebe nicht auf dem Hof, sondern würde in nährstoffärmeren Gebieten als Dünger eingesetzt, erläuterte der Landwirt. Mit der Hähnchenmast möchte Cremer seinem Sohn eine Zukunftsperspektive in der Landwirtschaft geben.

Im Naturschutzbeirat ist das Vorhaben umstritten. Mit 7:6 Stimmen – bei einer Enthaltung – setzte sich die Empfehlung der Vertreter des Naturschutzes durch. Sie raten dem Bauern, sein Vorhaben zu überplanen. »Aus Sicht des Landschafts- und Naturschutzes hegen wir starke Bedenken«, hieß es.

»Belästigung unproblematisch«

»Erste Einschätzungen bezüglich der Geruchs- und Lärmbelästigung sind als eher unproblematisch einzustufen«, meinte Karl-Heinz Diekmann, Leiter der Abteilung für Landschaftsplanung des Kreises. »Wir gehen davon aus, dass die Stallungen im baurechtlichen Sinn als privilegiertes Vorhaben einzustufen sind und deshalb eine Ausnahmeregelung für das Landschaftsschutzgebiet getroffen werden kann«, erläuterte Diekmann. Als privilegiert gilt ein Vorhaben, das dem Erhalt des landwirtschaftlichen Betriebes dient. Der Antragsteller muss in der Lage sein, mehr als 50 Prozent des benötigten Futters selbst anzubauen. Auch das wäre im Fall des Baringhofes gegeben.

Die Frage, ob Massentierhaltung in dieser Größenordnung gefördert werden sollte, wurde kon­trovers diskutiert. »Der Bau könnte die Zukunft der Familie sichern«, sagte Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Herford-Bielefeld. Der Betrieb biete gegenüber Importeuren den Vorteil, gut unter Kontrolle gehalten werden zu können, gab Jochen Meyer zu Bexten zu bedenken.

»Keine Anbindung ans Hofleben«

Der Beiratsvorsitzende Ulrich Richter mahnte, die Diskussion dürfe nicht ins Politische abgleiten. Es gehe um eine Genehmigung des Baus unter landschafts- und naturschutztechnischen Aspekten. »Ich sehe eine erhebliche Beeinträchtigung der Landschaft bei diesen gewaltigen Dimensionen«, meinte BUND-Vertreter Bernd Meier-Lammering. Naturschutz umfasse auch die Tierwelt. Eine groß angelegte Massentierhaltung habe nichts damit zu tun, äußerte Burkhard Kriesten.

»Rechtlich mag das Vorhaben in Ordnung sein«, räumte Holger Stoppkotte (BUND) ein, »aber ich sehe keinerlei Anbindung an das derzeitige Hofleben, wenn Futter von außerhalb kommt und der Mist abtranspotiert wird«.

Kommentar

Es gibt Themen, die rufen Reflexe hervor. Masttierhaltung gehört dazu. Widerstand ist programmiert. Tier- und Umweltschützer treten gerne als Bedenkenträger auf den Plan. Da hat der Landwirt Hermann Cremer vorbildlich gehandelt und den Naturschutzbeirat des Kreises um sein Votum gebeten. Letzteres erging nur äußerst knapp. Was zeigt, dass es auch Argumente für Umstrukturierungen in der Landwirtschaft gibt. Wer Hähnchen isst, der kann nicht gegen ihre Mästung sein. Sie muss nur artgerecht erfolgen.

Gerhard Hülsegge

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