Physiotherapeut und Biobauer Robin Gerdsmeier betreibt selbst gebauten Biomeiler Heizkraftwerk im eigenen Garten

Enger (WB). Es riecht moderig und Wasserdampf steigt aus dem riesigen Haufen aus Grünschnitt-Häckseln. Was sonst auf dem Kompost landet und nur als Dünger taugt, hält bei Robin Gerdsmeier schon den ganzen Winter das Haus warm. Der Biobauer hat mit Helfern und fachlicher Anleitung im Herbst einen Biomeiler im Garten gebaut.

Von Thomas Klüter
Zwischen den Schichten wurden flexible Rohre eingezogen, durch die das Wasser fließt und erhitzt wird.
Zwischen den Schichten wurden flexible Rohre eingezogen, durch die das Wasser fließt und erhitzt wird. Foto: Thomas Klüter

»Mir fiel immer auf, wie die Misthaufen bei Kälte dampfen und wie viel Wärme bei der Kompostierung entsteht«, so Gerdsmeier. »Diese Energie wollte ich für mein Haus nutzen.« Im Internet machte sich der 32-Jährige, der in Enger eine Praxis für Physiotherapie betreibt, auf die Suche nach Experten. Und fand den Verein »Native Power« aus Hannover. Der macht genau das, was sich Gerdsmeier überlegt hatte. »Und die haben schon viel Erfahrung mit dem Bau von Biomeilern.«

Vorbilder in Alaska und USA

Das Prinzip dabei ist ebenso simpel wie effizient. Gehäckselter Grünschnitt wird zum Verrotten aufgeschichtet. Dabei wird darin eine Leitung eingearbeitet, durch die Wasser fließt, das von der Wärme des Zersetzungsprozesses aufgeheizt wird. Das warme Wasser versorgt dann die Heizungsanlage des Hauses mit Wärme.

Also kam Heiner Cuhls, Gründer des Vereins »Native Power«, nach Kirchlengern auf den Hof von Robin Gerdsmeier und baute seinen 240. Biomeiler. Der Spezialist ist eigentlich IT-Fachmann und arbeitet für international agierende Firmen. Seine Begeisterung für Biomeiler hat ihn aber auch schon in ferne Länder gebracht. »Ich habe schon einen in Alaska gebaut und einen im US-Bundesstaat Vermont«, sagt Cuhls. Etwa fünf Mal im Jahr sei er unterwegs, um Menschen zu beraten, die einen Biomeiler errichten möchten, oder direkt beim Bau behilflich zu sein.

Workshop reduziert Kosten

Die Kosten für diese Unterstützung kamen bei Gerdsmeier zum Teil durch die Helfer rein, denn Cuhls nutzte den Bau in Kirchlengern, um einen Workshop zu dem Thema anzubieten. »Das war eine tolle Erfahrung, weil wir alle selbst mit anfassen konnten«, sagt Peggy Himmel aus Rheinbach bei Bonn. »Ich möchte selbst einen Biomeiler bauen und wollte vorher lernen, worauf ich achten muss.«

Seit Ende Oktober sorgt das »biologische Heizkraftwerk« bei Gerdsmeier für warme Räume: Der Meiler macht zehn Stunden am Tag pro Minute etwa fünf Liter 34 Grad warmes Wasser.

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