Polizeisprecher Maser: »Taten können oft nicht aufgeklärt werden« Diebe stehlen Blumensträuße vom Grab

Enger (WB). Ein Spaziergang am Sonntag, ein kleiner Umweg zum Grab eines lieben Verwandten und dann der Schreck: Die gerade erst frisch aufgestellten Blumen sind weg. Der finanzielle Schaden ist dabei nicht entscheidend. Die Rücksichtslosigkeit gegenüber den Trauernden macht die Betroffenen fassungslos.

Von Thomas Klüter
Blumen auf dem Grab sind eine besondere Ehrerbietung an den Verstorbenen. Wer den Grabschmuck einfach mitnimmt, begeht Diebstahl und kann dafür entsprechend bestraft werden. Die Hinterbliebenen beklagen eher die Pietätlosigkeit.
Blumen auf dem Grab sind eine besondere Ehrerbietung an den Verstorbenen. Wer den Grabschmuck einfach mitnimmt, begeht Diebstahl und kann dafür entsprechend bestraft werden. Die Hinterbliebenen beklagen eher die Pietätlosigkeit. Foto: Thomas Klüter

Gerade erst passierte genau das auf dem Friedhof Enger-Mitte. Ein Strauß Regenbogenrosen, wunderschön gemustert und farbenfroh, war verschwunden. »Besonders vor Feiertagen wie Ostern, Totensonntag oder Allerheiligen passiert so etwas häufig«, sagt Friedrich Kamp von der gleichnamigen Gärtnerei, die den Friedhof in Enger-Mitte und in Herringhausen betreut. »Vor solchen Tagen machen nämlich viele Menschen die Grabstätten noch mal schön.«

Die Diebe könnten dann besonders schöne Kränze, Gestecke und Blumen mitgehen lassen. Die Beweggründe sind dabei recht unterschiedlich. »Es gab mal einige Fälle, wo vor den Feiertagen große Mengen Grabschmuck verschwunden sind«, sagt Uwe Maser, Sprecher der Polizei Herford. »Wie sich dann herausstellte, wurde der nach Osteuropa gebracht und dort auf Märkten verkauft.«

Nur wenige Anzeigen

In vielen Fällen wird der Diebstahl von Grabschmuck aber nicht aufgeklärt. Meistens kommt es nicht mal zur Anzeige. »Wenn uns Besucher auf dem Friedhof von gestohlenen Blumen oder Kränzen erzählen, geben wir das an die Friedhofsverwaltung weiter«, sagt Friedrich Kamp.

»Das passiert tatsächlich von Zeit zu Zeit auch in Enger«, sagt eine Mitarbeiterin der Kirchengemeinde, die für die Verwaltung der Friedhöfe zuständig ist. »Und das ist natürlich sehr traurig für die Trauernden.«

Bei der Einstufung solcher Taten müsse genau unterschieden werden, sagt Uwe Maser. »Grabstätten sind besonders geschützt, deshalb ist das ein schwerer Fall des Diebstahls.« Würden dabei fest installierte Gegenstände wie eine Statue oder der Grabstein entwendet oder zerstört, fielen die Strafen entsprechend höher aus. »Und wenn ein Grab aufgebuddelt wird oder sogar Teile aus dem Sarg entnommen werden, gilt das als Störung der Totenruhe«, so Maser.

Kranz tauchte wieder auf

Davon ist der jetzt bekannt gewordene Fall auf dem Engeraner Friedhof natürlich weit entfernt. Die gestohlenen Rosen sind aber bisher nicht wieder aufgetaucht. Aber selbst das hat es in Enger schon mal gegeben: »Vor einigen Jahren wurde von einem Grab immer wieder Kränze und Blumen entwendet«, erzählt Kamp. Der betroffene Hinterbliebene habe dann an einem niedergelegten Kranz hinten ein Messingschild mit seinem Namen angebracht und sich auf die Suche gemacht, als der Grabschmuck wieder verschwunden war. »Das hat tatsächlich funktioniert«, sagt Friedrich Kamp. »Der Kranz tauchte an einem anderen Grab wieder auf.«

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