Bäckerjunge: Verhandlungen laufen – Engeraner und Spenger wünschen sich Erhalt Welche Filialen haben eine Zukunft?

Enger/Spenge (WB). Nachdem am Dienstag bekannt wurde, dass die Bäckereikette »Ihr Bäckerjunge« vor dem Aus steht, interessiert nun viele Bürger, welche Filialen eine Zukunft haben.

Von Christina Bode, Gerhard Hülsegge und Daniel Salmon
Die Engeraner beschäftigt vor allem, ob die Bäckerei-Filialen in den Ortsteilen, wie hier in Pödinghausen, künftig erhalten bleiben.
Die Engeraner beschäftigt vor allem, ob die Bäckerei-Filialen in den Ortsteilen, wie hier in Pödinghausen, künftig erhalten bleiben.

Wie berichtet, plant Karlchen’s Backstube aus Löhne, zwölf Standorte des insolventen Traditionsbetriebs zu übernehmen. Gut 90 Mitarbeiter können somit ihre Jobs behalten. Auf Anfrage betont Insolvenzverwalter Joachim Walterscheid jedoch, dass die Standorte der Filialen, die erhalten bleiben und die geschlossen werden müssen, derzeit nicht genannt würden: »Ich bitte in der Sache um Verständnis. Würden wir in dem Zusammenhang Standorte benennen, wären diese Filialen quasi tot. Es würden wohl keine Kunden mehr kommen.« Walterscheid erklärt, dass zudem derzeit Verhandlungen mit möglichen Interessenten für die Läden, die nicht von »Karlchen« übernommen werden, geführt würden: »Ich denke, in vier Wochen haben sich die Dinge konkretisiert.«

Beim »Fenstergucker« am Spenger Rathaus kauft auch Bürgermeister Bernd Dumcke gerne ein. Eine Schließung würde er bedauern. Foto: Gerhard Hülsegge

»Das ist ein trauriges Kapitel«, sagt Ludwig Seippel, Anlieger der Langen Straße in Spenge. Beim »Fenstergucker« hat auch er in der Vergangenheit eingekauft und Torten etwa für Familienfeiern bestellt. Würde die Bäckerjungen-Filiale neben dem Rathaus geschlossen, fände auch der 77-Jährige das »sehr schlecht«. Der Rentner müsste dann weitere Wege in Kauf nehmen, um Brötchen oder andere Dinge beim Bäcker zu kaufen. Trotzdem ist er der Meinung: »Verhungern werden wir nicht.«

Spenges Bürgermeister Bernd Dumcke würde sich freuen, wenn wenigstens eine der Bäckerjungen-Filialen am Ort von anderen möglichen Investoren wie »Karlchen« übernommen würde. »Leerstände sind nie gut«, meint das Stadtoberhaupt. Und der Standort neben dem Rathaus sei schließlich ideal. Beim »Fenstergucker« hat der Chef von Rat und Verwaltung auch schon mal gerne seinen Latte Macchiato eingenommen. »Es würde mir Leid abgehen, wenn das Geschäft geschlossen würde«, sagt Dumcke.

»Ortsteile nicht aus dem Blick verlieren«

Hans-Ulrich Tuxhorn, SPD-Ratsherr aus Enger, findet die Entwicklung »erschreckend«. »Vor allem für Pödinghausen wäre es eine Katastrophe, wenn der Bäckerjunge schließen würde«, sagt er. In dem Engeraner Ortsteil gebe es sonst keine Einkaufsmöglichkeit. Auch ein Geldautomat ist in der Filiale untergebracht. Nachdem die Öffnungszeiten vor einiger Zeit eingeschränkt wurden und am Nachmittag alle Backwaren für den halben Preis verkauft werden, rechnet Tuxhorn, der selber in Pödinghausen wohnt, mit dem Schlimmsten. »Die einzige Chance, die Versorgung auch für Menschen zu sichern, die nicht mobil sind, wäre ein Verkaufswagen, der regelmäßig durch den Ort fährt. Darüber wäre dann nachzudenken«, sagt er.

Um Menschen, die nicht mobil sind, macht sich auch CDU-Ratsfrau Rosemarie Oberschelp Sorgen. »In Enger-Mitte sind wir gut versorgt, aber wir dürfen auch die Ortsteile nicht aus dem Blick verlieren«, sagt sie. Gerade dort seien Bäckereien auch ein Treffpunkt.

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