Festgottesdienst in der Stiftskirche mit 600 Gästen Beutel prall gefüllt mit süßen Timpken

Enger (WB). Manche streichen Marmelade drauf, andere nur Butter. Die Besucher des Timpkenfestes aber beißen gleich herzhaft in die süßen Milchbrötchen. 8000 wurden gestern nach dem Gottesdienst in der Stiftskirche verteilt.

Von Bärbel Hillebrenner
Der ehemalige Bürgermeister Klaus Rieke wirft zwei Hände voll in den Beutel von Diakonin Ute Schmutzler-Frohwitter, die mit ihrer Mutter und dem Sohn gekommen ist.
Der ehemalige Bürgermeister Klaus Rieke wirft zwei Hände voll in den Beutel von Diakonin Ute Schmutzler-Frohwitter, die mit ihrer Mutter und dem Sohn gekommen ist. Foto: Hillebrenner

Weder vergessen noch überhören kann man das traditionelle Timpkenfest: »Schon einen Tag vor dem Todestag des Sachsenherzogs Widukind läuten zwischen 12 und 13 Uhr die Glocken«, berichtet Küster Mirco Hartwig. Zur Zeit des westfälischen Edelings – anno 750 – wurden die Bronzeklöppel mit dem Seil in Schwung gesetzt. Hartwig aber drückt ein paar Knöpfe – und schon ertönt das Todesgeläut. Denn das Timpkenfest wird gefeiert am Todestag des Sachsenherzogs, immer am 6. Januar.

Die große Stiftskirche war proppenvoll, vor allem von Kindern, die gespannt das abwechslungsreiche Programm verfolgten. Pastorin Susanne Böhringer, Vorsitzende des Presbyteriums, leitete den Festgottesdienst und sprach darin auch über die Tradition der Widukindspende und der ursprünglichen Armenspeisung, an die mit der Timpkenverteilung erinnert wird. Musikalisch umrahmt wurde die Stunde von Kreiskantorin Johanna Seitz und den beiden Nachwuchssängerinnen Lea und Nina Husemann.

8000 Timpken in vier großen Wäschekörben – wie viele würden von dieser Riesenmenge übrig bleiben? Nicht ein Krümel! Denn kaum hatten sich die Kirchentüren geöffnet, haben die so genannten Provisoren die Viertelbrötchen verteilt. »Geistliche und weltliche Würdenträger machen das jedes Jahr. Sie sind die Unterstützer, Helfer und Kümmerer der Gemeinde«, sagt Pastorin Böhringer. Plastiktüten, Mützen, Jutebeutel, sogar Handtaschen wurden aufgehalten und Hände voll Hefeviertel plumpsten in die mitgebrachten Behältnisse.

Pakete gehen bis Sachsen-Anhalt

»Ich bin schon als Kind mit einem Beutel zum Timpkenfest gekommen, ebenso wie meine Oma, Mutter und jetzt auch mein Sohn. Es ist einfach ein Riesenspaß«, erzählt Diakonin Ute Schmutzler-Frohwitter. Sie liebe diese Tradition, das Beisammensein im Gottesdienst und anschließend bei der Timpkenausgabe. Die ersten Viertel würden schon auf dem Weg gemümmelt. »Ich schicke sogar meiner Enkelin nach Sachsen-Anhalt ein Paket mit Engeraner Timpken«, sagt Renate Schmutzler. Eine Wegzehrung sind die süßen Brote auch für Udo Oklitz. Er und sein Enkel Tom haben sich die Taschen füllen lassen. Oklitz: »Bis Belke-Steinbeck, wo wir wohnen, werden sie aber vermutlich nicht halten.«

Seinen Abschluss fand das Timpkenfest bei der obligatorischen Erbsensuppe im Gemeindehaus. Historiker Dr. Olav Heinemann erzählte von den Sachsen im Norden und Osten und wie sie durch Widukind verbunden sind.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.