Sandra Werner und Rolf Seele kümmern sich im Haus der Kulturen um Flüchtlinge Buchhandlung wird Ort der Begegnung

Enger  (WB). Wer neu in einem fremden Land ankommt, steht vor vielen Herausforderungen: Gespräche bei Behörden und Bildungseinrichtungen, Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede. Als Anlaufpunkt für Flüchtlinge hat jetzt das »Haus der Kulturen« eröffnet.

Von Jannik Vieth
Die Integrationsbeauftragte Sandra Werner (vorne links) und Sozialarbeiter Rolf Seele statten dem Sprachkurs der VHS unter Leitung von Akife Göndogdu (hinten) einen Besuch ab. In Zukunft werden die beiden regelmäßig im Haus der Kulturen erreichbar sein.
Die Integrationsbeauftragte Sandra Werner (vorne links) und Sozialarbeiter Rolf Seele statten dem Sprachkurs der VHS unter Leitung von Akife Göndogdu (hinten) einen Besuch ab. In Zukunft werden die beiden regelmäßig im Haus der Kulturen erreichbar sein. Foto: Jannik Vieth

Die Flüchtlingswelle stellt nicht nur Zuwanderer auf die Probe, sondern auch die deutsche Bevölkerung. Um dort anzusetzen, wo Hilfe benötigt wird, hat die Stadt Enger jetzt eine neue Integrationskoordinatorin eingestellt. In Kooperation mit Sozialarbeiter Rolf Seele steht Sandra Werner allen Bürgern, ob zugewandert oder einheimisch, mit Rat und Tat zur Seite.

Sprache Schlüssel zum Erfolg

Sandra Werner ist eines der wichtigsten Bindeglieder zwischen Flüchtlingen, Ehrenamtlichen, Bürgern und Organisationen. Der Aufgabenbereich der 29-Jährigen ist vielseitig. Er reicht vom Erstellen von Netzwerken zwischen verschiedenen Akteuren über die Koordinierung von Inte­grationsaktivitäten und Hilfsstrukturen, bis hin zum Konfliktmanagement bei Differenzen zwischen Flüchtlingen.

»In der Anfangszeit ist es am wichtigsten, dass wir Strukturen erstellen. Vereine und Ehrenamtler bieten zahlreiche Aktivitäten zur Integration an. Diese müssen geordnet werden«, sagt Sandra Werner. Die gebürtige Bielefelderin hat nach ihrem Abitur am Königin-Mathilde-Gymnasium in Herford Europäische Studien mit Fokus auf Recht und Wirtschaft in Enschede studiert. Seit vielen Jahren ist sie ehrenamtlich tätig und freut sich nach Auslandsaufenthalten in Spanien, Nicaragua und den Niederlanden, nun wieder im Kreis Herford zu arbeiten.

»Die Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg«, betont Bürgermeister Thomas Meyer. Hier müsse angesetzt werden. Im Alltag, in der Schule oder bei der Arbeit – überall würden die Zuwanderer mit der deutschen Sprache konfrontiert. Es sei also eine Integration von hinten herum, die in Enger versucht werde, umzusetzen. Dafür seien Sandra Werner und Rolf Seele die richtigen Personen.

Anlaufstelle auch für Helfer

Seele, Diplom-Sozialwirt, hat bereits 19 Jahre bei der Jugendhilfe Schweicheln gearbeitet und dabei unter anderem die Betreuung von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen übernommen. »Es geht bei der ganzen Sache um mehr als die Unterbringung von Menschen«, erklärt der 51-Jährige. Deshalb sei auch jetzt das neue »Haus der Kulturen« entstanden. In den Räumen der ehemaligen Buchhandlung Kuhlmann wohnen bereits sechs zugewanderte Familien. Neben der Nutzung durch die Volkshochschule, die dort unter anderem Deutschkurse anbietet, soll das Haus der Kulturen auch als Anlaufstelle für engagierte Engeraner dienen, die dort erfahren, wie sie am besten helfen können.

Aktuell leben etwa 270 Flüchtlinge in der Stadt Enger. Für den Bürgermeister kein Grund, Bedenken zu äußern. »Wir können das stemmen«, sagt er.

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