Mieter lässt Bartagame zurück – Echse kurz vorm Verhungern »Dicker« sucht jetztein neues Zuhause

Enger (WB). »Dicker« wird das Bartagame-Männchen von Gaby Jahn genannt. Jetzt kann sie das so sagen. Vor zehn Wochen wäre der Name noch alles andere als passend gewesen. Damals war das Tier stark unterernährt. Wenig verwunderlich: Die Echse war in einer Wohnung einfach zurückgelassen worden.

Von Daniela Dembert
»Dicker«, den Gaby Jahn hier in der Hand hält, macht seinem Namen mittlerweile wenigstens ansatzweise Ehre. Gut genährt und vital sucht das Bartagame-Männchen jetzt eine Bleibe – und zwar am besten für immer.
»Dicker«, den Gaby Jahn hier in der Hand hält, macht seinem Namen mittlerweile wenigstens ansatzweise Ehre. Gut genährt und vital sucht das Bartagame-Männchen jetzt eine Bleibe – und zwar am besten für immer. Foto: Daniela Dembert

Mitarbeiter des Veterinäramtes hatte die Echse aus einer Wohnung geholt, nachdem die Behörde den Hinweis erhalten hatte, dort stehe nach dem Auszug des Mieters noch ein Terrarium mit einem lebenden Tier. Und genau so war es. Nur: Wohin jetzt mit dem Reptil? Die Behörde stellte zunächst einen Kontakt zum Tierheim Bünde-Ahle her, das an Gaby Jahn als Reptilienexpertin verwies. Die 53-Jährige unterhält ein Terraristik-Fachgeschäft an der Niedermühlenstraße in Enger. Dort verkauft sie nicht nur Reptilien und berät über artgerechte Haltung, sondern nimmt auch Tiere zur Pflege an. So geschehen mit der vier bis sechs Jahre alten Bartagame.

Echse im »Sparmodus«

Seit ihr das Tier übergeben wurde, hat Gaby Jahn es versorgt und in einem großzügigen Terrarium untergebracht. Wie lange »Dicker« schon ohne Futter hatte ausharren müssen, ist nicht bekannt. Fakt ist, dass die Echse Glück im Unglück hatte. Als wechselwarmes Tier richtet sie sich nach der Umgebungstemperatur. Weil die leer stehende Wohnung nicht beheizt war, fuhren »Dickers« Vitalfunktionen in den Sparmodus, so dass er überleben konnte.

»Ich musste ihn dann wieder an Nahrung gewöhnen, damit er sich nicht direkt überfrisst. Er ist nach wie vor immer hungrig«, berichtet Gaby Jahn. Wochenlang war nicht klar, was mit »Dicker« passieren würde. Das Veterinäramt hatte versucht, den Besitzer ausfindig zu machen und auf gerichtlichem Weg ein lebenslanges Halteverbot für Reptilien zu erwirken. Weil die Suche ergebnislos blieb, ist »Dicker« jetzt vom Amt freigegeben – und kann von Gaby Jahn in verantwortungsvolle Hände vermittelt werden.

Notruf aus einem Pflegeheim

Die Reptilienhalterin kann nicht verstehen, wie man sein Haustier einfach so im Stich lassen kann: »Eine Echse ist ebenso ein Lebewesen wie Hunde und Katzen. Die Anschaffung sollte man sich im Vorfeld gründlich überlegen und sich umfangreich informieren.« Nach wie vor ist es nicht selten, dass Gaby Jahn auch ad hoc Tiere bei sich aufnimmt. »Früher habe ich mich aufgeregt und die Angelegenheiten hinterfragt. Heute tue ich das nicht mehr, um keine Hemmschwelle bei den Besitzern aufzubauen. Ich übernehme die Tiere, um zu gewährleisten, dass es ihnen gut geht.« Das große Herz des Exotenfans hat sich rumgesprochen. Gaby Jahn ereilte vor einigen Tagen ein Notruf aus einem Pflegeheim: 13 Vogelspinnen suchen schnellstmöglich ein neues Zuhause, weil ihre Besitzerin sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um ihre Schützlinge kümmern kann. Auch für diese faszinierend gezeichneten Achtbeiner sucht die Ladeninhaberin jetzt ein neues Zuhause...

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.