Anwohner der Schlößchenwegs haben recherchiert »60 Sozialwohnungen stehen leer«

Enger (WB). Ein 23 Seiten starkes Papier mit ihrer Stellungnahme zu den geplanten Sozialbauten am Schlößchenweg haben die Anwohner am Mittwoch Bürgermeister Thomas Meyer überreicht. Nachdem sie Kritik an der Informationspolitik der Verwaltung geäußert hatten, hatte Meyer sie zu einem Gespräch ins Rathaus geladen.

Von Ruth Matthes
Der Rat hat Mitte März beschlossen, am Schlößchenweg Sozialwohnungen zu errichten. Die Anwohner kritisieren das.
Der Rat hat Mitte März beschlossen, am Schlößchenweg Sozialwohnungen zu errichten. Die Anwohner kritisieren das. Foto: Kathrin Weege

Die Atmosphäre war sehr konstruktiv«, erklärte Anwohnerin Jana Göb im Anschluss. Der Bürgermeister habe einige Anregungen aufgenommen. So fragten die Bewohner der sechs benachbarten Häuser, ob es Erhebungen über Angebot, Bedarf und Entwicklung des Sozialen Wohnungsbaus in Enger gebe, die als Grundlage für die geplanten Neubauten am Schlößchenweg dienten. »Herr Meyer erklärte, derartige Zahlen gebe es nicht«, berichtete Göb.

Unterkunft für Flüchtlinge

Angesichts der mangelnden Informationen über den Bedarf sind die Anwohner selbst aktiv gewordne. »Wir haben recherchiert und festgestellt, dass derzeit mindestens 60 Sozialwohnungen leer stehen«, so Göb. Da frage man sich, ob es wirklich nötig sei, am Schlößchenweg neue zu bauen.

Wenn es nur um die vor­übergehende Unterbringung von Flüchtlingen ginge, könnte die Gemeinde auch Container aufstellen. Göb: »Damit hätten wir überhaupt kein Problem. Wir wollen Schutzsuchenden gerne helfen. Doch der Plan, hier auf Dauer weit mehr Menschen in Sozialwohnungen unterzubringen als hier bereits ansässig sind, halten wir nicht für sinnvoll.« Da genügend andere Wohnungen frei stünden und die Anbindung an Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Ärzte eher schlecht seien, fragen sich die Kritiker auch: »Wer wird hier überhaupt hinziehen wollen?«

Sie fragten auch nach der Finanzierung angesichts der problematischen Haushaltslage und stellten den Jahnplatz als Alternativstandort zur Diskussion. Diese Idee sei, so der Bürgermeister, nach kurzer Beratung verworfen worden, da es sich um ein Überschwemmungsgebiet handele. Der Schlößchenweg sei das einzige städtische Grundstück, das noch in Frage komme.

Bürger rechtzeitig informieren

Der Bürgermeister empfahl den Bürgern, ihre Ausführungen den Fraktionen zukommen zu lassen. »Das haben wir sofort erledigt«, so Göb. Erfreut nahm sie zur Kenntnis, dass Meyer versprach, die Anwohner künftig in Sachen Bauplanung auf dem Laufenden zu halten. Der Bürgermeister sei derzeit in Gesprächen mit dem Kreis als Baubehörde. Die Außengebietssatzung müsse für den sozialen Wohnungsbau geändert werden. Stünden Beschlüsse zum Baugebiet Schlößchenweg an, würden die Anwohner künftig vorher informiert.

Die Nachbarn betonten, dass sie nicht grundsätzlich gegen Sozialwohnungen in ihrer Straße seien, doch die Proportionen müssten stimmen. Die geplanten 1,2 Millionen Euro Baukosten ließen Größeres befürchten.

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