Soziales Netzwerk »whispeer« garantiere Sicherheit und Datenschutz Ostwestfale entwickelt Alternative zu Facebook

Enger (WB). Datenschutz ist in Zeiten von Facebook, Google und WhatsApp ein heikles und aktuelles Thema. Viele Nutzer wissen, dass über sie Informationen gesammelt und ausgewertet werden – das müssen die Anwender in Kauf nehmen. Der Engeraner Informatiker Nils Kenneweg schlägt einen anderen Weg ein: Er hat das soziale Netzwerk »whispeer« entwickelt, das Sicherheit und Datenschutz garantieren soll.

Von Niklas Krämer
Daniel Melchior (vorne) und Nils Kenneweg arbeiten gemeinsam an ihrem sozialen Netzwerk »whispeer«, das Sicherheit und Datenschutz verspricht.
Daniel Melchior (vorne) und Nils Kenneweg arbeiten gemeinsam an ihrem sozialen Netzwerk »whispeer«, das Sicherheit und Datenschutz verspricht.

»Wir wollen, dass Nutzer bei ›whispeer‹ sehr private Inhalte ohne Bedenken teilen können«, berichtet der 23-Jährige, der in Berlin wohnt. Auch kontroverse Diskussionen, die der Informatik-Student auf Facebook vermisst, seien erwünscht. Vor vier Wochen ging »whispeer« online – mittlerweile sind knapp über 600 Nutzer registriert. Ein erster Erfolg für den Studenten.

Persönliche Daten liegen auf verschlüsseltem Server

Doch wie genau sieht der technische Unterschied zu Facebook aus? »Bei uns kann alleine der Nutzer bestimmen, wer welche Inhalte lesen darf. Selbst die Betreiber können darauf nicht zugreifen«, erklärt Nils Kenneweg. Alle Daten lägen verschlüsselt auf dem Server und an diesen Schlüssel komme nur der Nutzer selbst. »Unsere Privatsphäre-Einstellungen sind außerdem sehr benutzerfreundlich.« Während sich Anwender bei Facebook durch die Einstellungen kämpfen müssten, genügten bei »whispeer« wenige Klicks. »Bei neuen Einträgen kann direkt bestimmt werden, wer diese lesen kann. Das können nur drei oder auch alle Freunde sein«, erläutert Nils Kenneweg, der sein Abitur am Widukind-Gymnasium absolvierte. Deshalb möchte er auch keine Parallelen zu Facebook ziehen. »Facebook ist mittlerweile ein Marketing-Tool,  ›whispeer‹ dagegen ein soziales Netzwerk, in dem miteinander kommuniziert werden soll.«

Die Benutzer-Oberfläche von »whispeer«: Alle geteilten Inhalte liegen auf einem verschlüsselten Server – der Betreiber hat keinen Zugriff.

Bereits vor vier Jahren machte sich Nils Kenneweg Gedanken über den Datenschutz in sozialen Netzwerken. »Alles was Nutzer bei Facebook veröffentlichen, ist auch den Betreibern bekannt.« Diese Entwicklung machte er als Hauptproblem aus, das er mit eigenen Ideen lösen wollte. Zunächst implementierte er das Netzwerk neben dem Studium und Jobs. Seit einem halben Jahr konzentriert er sich voll auf das Projekt. »Die Menge an Arbeit hat sich erheblich erhöht«, sagt er. In einem Berliner Gemeinschaftsbüro ist der Hauptsitz von »whispeer«. »Wir haben erst einen Schreibtisch«, scherzt Nils Kenneweg. Drei Freunde betreiben mit ihm das Netzwerk. Daniel Melchior, der von Enger aus arbeitet, ist für das Design verantwortlich. Nachdem 300 Nutzer eine Beta-Version des Netzwerks testeten, wurde es Ende Mai schließlich ernst.

Premiumversion für Privatnutzer und Unternehmen

Das Nutzen von »whispeer« ist kostenlos. Dennoch fallen für die Betreiber Einnahmequellen wie personalisierte Online-Werbung oder der Verkauf von Nutzerdaten weg. »Wir bieten einmal eine Premiumversion an, die gewisse Vorteile hat. Außerdem gibt es kostenpflichtige Versionen für Firmen«, erläutert der 23-Jährige, der nach seinem Informatik-Bachelor an der Universität Bielefeld jetzt am Hasso-Plattner-Institut Potsdam seinen Masterabschluss macht. Bei der »Security Startup Challenge« präsentierte das Team seine Geschäftsidee in Luxemburg. »Das Ergebnis des Wettbewerbs bekommen wir noch.«

Die »whispeer«-Gründer wollen Nutzer mit Datenschutz locken. »In drei Monaten wollen wir 10.000 Anmeldungen haben«, nennt Nils Kenneweg das nächste Etappenziel. In einem Jahr solle »whispeer« ein bekanntes soziales Netzwerk sein. Auf dem Weg gibt es noch  Hürden. »Vor allem sind viele Nutzer abgestumpft von dem Überangebot an Netzwerken.« Dafür arbeiten Nils Kenneweg und seine  Kollegen – damit Datenschutz eines Tages nicht mehr auf einer Agenda stehen muss.

Kommentare

Ein guter Ansatz nur kein klares Finanzierungskonzept

Der Grundgedanke und Ansatz ist zu loben, jedoch ist kein klarer Businessplan und kein klares Finanzierungsmodell zu erkennen. adfree.network ebenfalls aus Deutschland ist da schon ein Schritt weiter.

Endlich!!!!

Na endlich hat sich ein junges deutsches Team an dieses Thema rangemacht. Es wäre doch gelacht, wenn die Lösung "Made in Germany" nicht eine Erfolgsstory wird. Ich drücke auf jeden Fall fest die Daumen und werde Mitglied! Mit Spannung warte ich schon auf den Börsengang, wenn die nötigen Finanzmittel eingesammelt werden, um von den Amis unsere User wieder zurückzuholen.

VIEL ERFOLG!!!

2 Kommentare

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