Cantart-Gründer gibt die Leitung der Festival-Reihe ab  Christoph Ogawa-Müller: »Musik berührt die Seele« 

Enger (WB). Musik ist sein Leben. Mit der Faszination, die von ihr ausgeht, möchte Christoph Ogawa-Müller die Menschen berühren. Nun gibt der Gründer der Cantart-Reihe sein musikalisches Ziehkind in die Hände eines Nachfolgers.

Von Mareikje Addicks
Noch hält er sein Cantart-Festival fest in den Händen – zumindest symbolisch. Ende des Jahres wird Christoph Ogawa-Müller die Leitung an einen Nachfolger abgeben. Den Organisatoren bleibt er in beratender Funktion erhalten.
Noch hält er sein Cantart-Festival fest in den Händen – zumindest symbolisch. Ende des Jahres wird Christoph Ogawa-Müller die Leitung an einen Nachfolger abgeben. Den Organisatoren bleibt er in beratender Funktion erhalten.

 Wer mit Christoph Ogawa-Müller spricht erkennt schnell, dass es neben seiner Tochter und dem Sohn noch ein weiteres »Kind« gibt, um das er sich hingebungsvoll kümmert: die Musik. So ist es wenig erstaunlich, dass es sich der Kirchenmusiker zur Aufgabe machte, neben der Leitung der Musikschule Spenge-Enger auch noch ein großes Musikprojekt auf die Beine zu stellen.

 Doch kaum hat er es aus der Taufe gehoben und es gerade erst den Kinderschuhen entwachsen sehen, gibt er die Leitung des Musikfestivals, das 2014 zum dritten Mal stattgefunden hatte, in die Hände eines Nachfolgers. Diese Entscheidung sieht der 64-Jährige mit gemischten Gefühlen: »Einerseits bin ich froh, ein großes Maß an Verantwortung und Pflichten abgeben zu können. Andererseits gebe ich damit auch viele Gestaltungsmöglichkeiten ab. Aber es muss einen Generationswechsel auch mit Übergabe des Kreiskantorats geben«, sagt Ogawa-Müller.

 Es sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen, im Kirchenkreis Herford wieder eine große Musikreihe zu etablieren. »Vor etwa 100 Jahren gab es bis in die 1970er Jahre das Cantarte-Fest im Herforder Münster. Diese reiche Musiktradition in Herford wollte ich mit Cantart aufgreifen«, so Ogawa-Müller. Damit rannte der Kirchenmusiker und Kreiskantor allerdings nicht überall offene Türen ein. Drei Jahre dauerte die Planung und schließlich konnte das Konzept überzeugen. Beim ersten Mal stellte die Kooperation zwischen Kreis und Kirchenkreis etwa 30 Veranstaltungen ins Programmheft. 2012 waren es schon 50 und im dritten Anlauf rund 70 Veranstaltungen.

 Dass der Pfarrerssohn einst den Weg zur Musik fand, war gar nicht so selbstverständlich. Immerhin war sein zwischenzeitlicher Berufswunsch sogar Fernfahrer. Als viertes von fünf Kindern wuchs Christoph Ogawa-Müller in Karlsruhe auf. »Irgendwie war ich der geborene Pfarrer«, sagt er mit einem Lachen. »Es war wie ein Etikett, das an mir klebte.« Mit acht Jahren bekam er Klavierunterricht. »Doch das hat mich nicht so berauscht und war mir sogar lästig«, sagt er heute. Viel lieber wollte er mit seinen Freunden draußen raufen und spielen. Und doch erinnert er sich an den Posaunenchor, den er besuchte und an guten Musikunterricht am Gymnasium. Jedoch ein prägendes Erlebnis bestimmt seine Einstellung zur Musik: »Mein Vater bekam einen Plattenspieler. Da habe ich mit großer Faszination Werke von Bach gehört. Heute wundere ich mich, dass sich ein zwölfjähriger Junge für Bachfugen begeistern konnte, während seine Klassenkameraden die Beatles hörten«, sagt der heute 64-Jährige lachend.

 Doch sollten genau dieses Erlebnis und die ihm in die Wiege gelegte theologische Affinität seinen Weg weisen. Während er in Abnabelung zum strengen Vater die Theologie für sich nicht im Vordergrund sah, offenbarte sich ihm ein anderer Gedanke: »Gott loben durch Musik – das wollte ich. Das Verständnis vom Wort und der Musik spielt da eine große Rolle, schließlich ist der Ursprung von Musik und Sprache eine Einheit.« Als studierter Kirchenmusiker verschlug es ihn alsdann von Herford, wo er seine Frau kennenlernte, nach Enger, um sich um die Kantoren-Stelle in der Stiftskirche zu bewerben. »Das war 1977«, erinnert sich Christoph Ogawa-Müller. Dort fiel er regelrecht aus allen Wolken, als er erstmals die Stiftskirche betrat. »Von dem Klang war ich unglaublich beeindruckt und bin bis heute ungebrochen begeistert davon. Nie wieder habe ich eine Kirche gesehen, mit der ich tauschen wollte.«

 »Ich habe mein Leben immer nach der Musik ausgerichtet«, sagt er und antwortet auf die Frage, was Musik für ihn bedeutet: »Musik reicht ins Innerste der Menschen und berührt die Seele und hat auch eine religiöse Dimension.« und wünscht sich, dass sich die Menschen sich von der Musik ergreifen lassen um die lebendige Faszination der Musik spüren zu können.

 Bis Ende 2015 wird Ogawa-Müller die Zügel bei Cantart noch in den Händen halten. Doch auch wenn es danach für ihn deutlich ruhiger werden wird, Däumchen drehen kommt für den Musiker auch in Zukunft nicht in Frage. »Natürlich werde ich Cantart weiter intensiv begleiten und wünsche mir, dass es sich weiterentwickeln kann.« Seinem Nachfolger und den Organisatoren will Ogawa-Müller beratend mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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