66-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Bünde Frau soll Bruder angefahren haben

Bünde  (WB). Mit einem etwas ungewöhnlichen Fall beschäftigte sich das Amtsgericht Bünde am Donnerstag. Einer 66-jährigen Bad Oeynhauserin wurde vorgeworfen, ihren Bruder zwar mit geringer Geschwindigkeit, aber mutwillig angefahren zu haben. Vor dem Elternhaus der beiden in Bünde soll es am 11. Mai 2016 direkt vor dem Vorfall zu einem Streit gekommen sein.

Von Thomas Klüter
Einer 66-jährigen Bad Oeynhauserin wurde vorgeworfen, ihren Bruder mutwillig angefahren zu haben.
Einer 66-jährigen Bad Oeynhauserin wurde vorgeworfen, ihren Bruder mutwillig angefahren zu haben. Foto: dpa

Mutmaßliches Opfer filmte den Vorgang

Ungewöhnlich an dem Verfahren war, dass dem Gericht ein Video zur Verfügung stand, das das mutmaßliche Opfer selbst vom Streit und von der mutmaßlichen Körperverletzung aufgenommen hatte. Das Filmen des Mannes hatte damals auch dazu geführt, dass die ohnehin angespannte Situation zwischen den Geschwistern eskaliert war.

Die Aufzeichnung diente der Richterin dann dazu, sich ein genaueres Bild des Hergangs zu machen und die Aussagen der Angeklagten und auch ihres Bruders, der in der Angelegenheit als Nebenkläger auftrat, genauer zu hinterfragen.

Unklar war nämlich, ob die 66-Jährige tatsächlich auf ihren Bruder zugesteuert war, oder ob sich der 50-Jährige absichtlich vor das wegfahrende Auto gestellt hatte, um einen Unfall zu provozieren und das jetzige Verfahren gegen seine Schwester zu initiieren. Davon nämlich ging die Verteidigung der gebürtigen Bünderin aus.

Laut Aussage des 50-Jährigen, der durch den Vorfall Prellungen am Bein und am Kopf sowie Schürfwunden an der Hand erlitt, habe er auf einem Rasenstück neben der Straße gestanden und seine Schwester sei direkt auf ihn zugefahren. Der Wagen habe ihn am Bein touchiert, er sei auf die Motorhaube geschleudert worden und dann auf der anderen Straßenseite bis in den Graben gerollt.

Die Angeklagte hingegen sagte aus, sie habe nicht losfahren können, weil ihr Bruder sich vor das Auto gestellt habe und mit den Händen auf die Motorhaube »gedonnert« habe.

Video belegt keine Aussage eindeutig

Das Video belegte keine der beiden Aussagen eindeutig, wohl aber, dass die Angeklagte nicht extra eingelenkt und auf ihren Bruder zugefahren war. »Der Fahrlässigkeitsvorwurf bleibt aber«, so die Richterin, die eine Einstellung des Verfahrens vorschlug. Die Angeklagte hätte dann aber die Kosten der Nebenklage zu tragen. Nach kurzer Beratung mit seiner Mandantin schlug der Verteidiger diese Möglichkeit aus. Zeugen, die daraufhin vernommen wurden, brachten kaum mehr Klarheit in die Angelegenheit. Auf Antrag der Verteidigung beschloss das Gericht einen Gutachter damit zu beauftragen, den Hergang zu untersuchen. Wann das Verfahren weitergeführt wird, ist noch nicht klar.

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