Bünder Verwaltung favorisiert Bildungsgang an der Realschule Mitte – Schulkonferenz dagegen Wohin mit den künftigen Hauptschülern?

Bünde (WB). Die Bünder Stadtverwaltung schlägt dem Rat vor, an der Realschule Mitte (RSBM) schnellstmöglich einen Hauptschulbildungsgang einzuführen. In einer Stellungnahme spricht sich die Schulkonferenz der Einrichtung am Strotweg aber dagegen aus.

Von Daniel Salmon
Die Schulkonferenz der Realschule Mitte ist von der Einrichtung eines Hauptschulbildungsgangs am Strotweg nicht begeistert.
Die Schulkonferenz der Realschule Mitte ist von der Einrichtung eines Hauptschulbildungsgangs am Strotweg nicht begeistert. Foto: Daniel Salmon

Das Gremium, dem auch Rektorin Marion Bienen angehört, hat mit seiner Meinung jedoch nur beratende Funktion. Das letzte Wort hat die Kommune in ihrer Funktion als Schulträger. Diese muss sich ihre Pläne zudem noch von der Oberen Schulaufsicht in Detmold genehmigen lassen. Von der Lokalpolitik will sich die Stadt das Vorhaben zunächst absegnen lassen. Vorberaten werden soll das Thema zunächst in der Sitzung des Schulausschusses an kommenden Dienstag, bevor der Rat am 15. März eine endgültige Entscheidung fällen soll. Fest steht in der Sache einzig und allein: Die Zeit drängt!

Das Problem

Im Herbst 2015 hatte der Stadtrat aufgrund zu geringer Nachfrage beschlossen, dass die bisherige Bünder Hauptschule auslaufend aufgelöst wird. Seit 2016 werden dort keine Eingangklassen mehr gebildet. Ab diesem Sommer wird es an der Hauptschule zudem keinen 7. Jahrgang mehr geben. Das heißt also, dass Mädchen und Jungen, die die Erprobungsstufe nach der 6. Klasse an anderen Bünder Bildungseinrichtungen nicht erfolgreich absolvieren, nicht mehr an der Hauptschule aufgefangen werden können.

Die Stadtverwaltung hat jedoch ermittelt, dass allein im vergangenen Schuljahr 13 so genannte Abschulungen von den beiden Realschulen zur Hauptschule nötig wurden. Zudem hätten zum aktuellen Schuljahr etwa 15 Prozent der Viertklässler in der Elsestadt eine Hauptschulempfehlung bekommen. Die Zahl ist somit im Vergleich zum Vorjahr (11,8 Prozent) nochmals gestiegen. Derzeit können Kinder mit Hauptschulempfehlung vor Ort nur an der Erich-Kästner-Gesamtschule (EKG) unterrichtet werden. Die Verwaltung ist aber der Meinung, dass die dort vorgehaltenen Kapazitäten nicht ausreichen würden. Somit müsste an einer der beiden Realschulen (Mitte und Nord) ein zusätzlicher Hauptschulbildungsgang eingerichtet werden.

Die Lösung

Da die EKG am Schulzentrum Nord bereits potenzielle Hauptschüler aufnimmt, kommt für die Verwaltung für die Einrichtung eines weiteren Hauptschulzweigs ab Klasse 7 nur der Bildungsstandort Mitte mit der dortigen Realschule infrage.

Klar ist den Verantwortlichen, dass dafür neue räumliche Kapazitäten auf dem Areal am Strotweg geschaffen werden müssten. Eine Richtungsentscheidung in der Sache hatte der Schulausschuss bereits im vergangenen Dezember gefällt, um mit einem Anbau künftige Raumbedarfe für die Betreuung von Inklusionskindern zu decken. Für die Einrichtung eines Hauptschulbildungsganges könnten diese Pläne nochmals erweitert – sprich: der Anbau vergrößert – werden. Allerdings: Planungen und Bau würden einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Übergangsregelung

»Nach Rücksprache mit der Hauptschule Bünde wäre es voraussichtlich schulorganisatorisch möglich, dass die Realschule Bünde-Mitte übergangsweise bis zur Fertigstellung entsprechender ›eigener‹ Fachräume (auf dem Gelände der Realschule Bünde-Mitte), die Fachräume für Hauswirtschafts-und Technikunterricht im Gebäude der Hauptschule Bünde mit nutzen würde«, formuliert die Stadtverwaltung. Eine Einrichtung des Hauptschulbildungsganges an der Realschule Mitte wäre daher grundsätzlich zum nächstmöglichen Zeitpunkt denkbar und sollte angestrebt werden.

Vorbehaltlich eines ausstehenden Ratsbeschlusses soll in der Schulausschusssitzung am 6. März auch über die Anpassung der Anbaupläne im Falle der Einrichtung eines Hauptschulbildungsgangs am Strotweg beraten werden.

Das sagt die Schulkonferenz

Die Schulkonferenz der Realschule Bünde-Mitte führt in ihrer ablehnenden Stellungnahme aus, dass eine Unterrichtsstruktur für einen Hauptschulbildungsgang im näheren Umkreis bereits an den EKG-Standorten in Bünde und Kirchlengern vorgehalten werde. »Die Vorgabe, dass an Gesamtschulen nur bis zu einem Drittel Schüler mit Hauptschulempfehlung unterrichtet werden, besteht nicht mehr. Somit stehen die Gesamtschulen potenziell zur Aufnahme zur Verfügung.« So seien zumindest am Standort Kirchlengern »sicherlich noch Aufnahmekapazitäten« inklusive der für einen Hauptschulbildungsgang erforderlichen Ressourcen (Technikraum, Lehrküche) vorhanden.

Weitere Investitionen an der RSBM könnten somit ausbleiben. Auch von der EKG liegt der Verwaltung eine Stellungnahme vor. In dieser formuliert Gesamtschulleiterin Antje Stuke: »Nur das Angebot des Hauptschulbildungsgangs an mindestens zwei Bünder Schulen kann dazu beitragen die bestehende Bildungsvielfalt – inklusive der Gesamtschule – zu sichern und damit auch die Schüler zu unterstützen, die nach der 4. Klasse keine Gymnasialempfehlung erhalten haben und die System Gesamtschule durch gezielte Förderung so gestärkt werden, dass sie das Abitur erreichen.«

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