Junge Sinfoniker beenden ihre Frühjahrstournee in Bünde vor 180 Zuschauern Talente meistern Herausforderung

Bünde (WB). Seit nunmehr 45 Jahren können musikalische Talente bei den Bielefelder Jungen Sinfonikern an ihren Fähigkeiten feilen und die Ergebnisse auf den Bühnen renommierter Häuser in OWL unter Beweis stellen. Mit einem anspruchsvollen Programm beendete das Regionalorchester seine Frühjahrstournee am Sonntag im Stadtgarten.

Von Karl-Hendrik Tittel
Sopranistin Anna-Sophie Brosig erweckte die tragisch-schönen »Wesendonck-Lieder« zum Leben.
Sopranistin Anna-Sophie Brosig erweckte die tragisch-schönen »Wesendonck-Lieder« zum Leben. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Werke des tschechischen Komponisten Antonín Dvořák haben die Jungen Sinfoniker bereits häufiger interpretiert, darunter auch seine bekannte neunte Sinfonie »Aus der Neuen Welt«. Dvořáks sinfonische Dichtung »Das goldene Spinnrad« können Freunde anspruchsvoller Orchestermusik dagegen nicht allzu häufig auf der Bühne erleben. Und anspruchsvoll ist das sperrige Werk, bei dem sich der Komponist inhaltlich von einer blutrünstigen Geschichte des Dichters Karel Jaromír Erben inspirieren ließ, allemal.

Nicht weniger als 20 unterschiedlichen Instrumentarten kommen hier zum Einsatz – ein emotionaler Ritt durch majestätische Wälder, märchenhafte Schlösser und verwunschene Landschaften, gespickt mit allerhand Tempowechseln, kniffligen Übergängen, Dur-Moll-Kontrasten, filigranen Flöten, wuchtigen Waldhörnern, tiefen Posaunen oder rustikalen Polkaklängen.

Auch junge Solistin überzeugt

Fokussiert, aber keineswegs im Willen zur mechanischen Perfektion erstarrt, agierten die 75 jugendlichen Protagonisten bei ihrer Interpretation des Stückes vor 180 Zuschauern im Stadtgarten erfrischend unvoreingenommen. In György Mészáros, erster Kapellmeister des Landestheaters Detmold, haben die 12- bis 22-Jährigen einen engagierten Dirigenten gefunden, der die Nachwuchsmusiker mit jeder seiner Gesten ernst nahm; er war die kompetente Klammer, die den musikalischen Reigen band.

Mit Anna-Sophie Brosig betrat für das zweite Stück des Abends der zweite Profi die Bühne des Stadtgartens. Die Sopranistin verstand es vortrefflich, die melancholische Grundstimmung von Richard Wagners »Wesendonck-Lieder« zu vermitteln und dabei die bitter-süßen Nuancen des tragisch-schönen Liederzyklus’ zu akzentuieren. Höchst emotional ging es mit Gustav Mahlers sinfonischer Dichtung »Totenfeier« weiter. Wie beim Auftakt hatten die Jungen Sinfoniker zahlreiche Wechsel von wuchtigen Passagen und ruhigeren Momenten, in denen solistisches Können gefragt war, zu meistern.

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