Bünder Mediziner feiert Abschied als Leitender Notarzt Dr. Huser sagt »Adieu!«

Bünde/Herford (WB). Die rote Einsatzjacke hängt für alle Fälle noch in seinem Büro: Dr. Ulrich Huser (65) verabschiedet sich vom Not- und Rettungsdienst. Doch er will der Medizin treu bleiben.

Von Jan Gruhn
Abschied von Ulrich Huser (vorne) als Leitender Notarzt (von Links): Paul Bischof (Dezernent Kreis Herford), Dr. Thomas Jakob (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst), Landrat Jürgen Müller und Silke Vahrson-Hildebrand (Sicherheit und Ordnung, Kreis Herford).
Abschied von Ulrich Huser (vorne) als Leitender Notarzt (von Links): Paul Bischof (Dezernent Kreis Herford), Dr. Thomas Jakob (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst), Landrat Jürgen Müller und Silke Vahrson-Hildebrand (Sicherheit und Ordnung, Kreis Herford). Foto: Jan Gruhn

»Ich gönne mir jetzt erst mal eine Denkpause bis zum Jahresende«, sagte der ehemalige Chefarzt am Lukas-Krankenhaus Bünde am Freitag im Kreishaus. Huser gehörte 2001 zu den Gründern der Gruppe der Leitenden Notärzte, von 2007 bis Ende Januar 2018 war er zudem ihr Sprecher. »Ohne ihn wäre der Rettungsdienst im Kreis Herford nicht dort, wo er heute ist«, erklärte Dr. Thomas Jakob, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. »Wir sind dankbar für ihre langjährige Tätigkeit«, sagte Landrat Jürgen Müller. »Nicht nur für die als Sprecher, sondern auch für die als Notarzt.«

»Mein Herz hängt am Rettungsdienst«

»Mein Herz hängt am Rettungsdienst«, meinte Huser, der vor seinem Amtsantritt als Bünder Chefarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin unter anderem für die Essener Berufsfeuerwehr gearbeitet hat. »Einmal Feuerwehrmann, immer Feuerwehrmann.« Den Kreis Herford sieht er für die Zukunft gut aufgestellt, insbesondere in Sachen Logistik und Großschadenslagen. Etwa 61.000 Einsätze sind im vergangenen Jahr laut Silke Vahrson-Hildebrand, Amtsleiterin Sicherheit und Ordnung Kreis Herford, bei der Kreisleitstelle verzeichnet worden – Tendenz steigend. Das liege unter anderem an der gesellschaftlichen Entwicklung, analysiert Huser. Viele Menschen leben heute alleine, im Notfall würde schneller die 112 gewählt. »Da bin ich der Meinung: lieber einmal mehr als einmal zu wenig!« Dennoch gibt es sie: Die Einsätze, die einen alten Hasen wie Huser immer wieder beschäftigen. Wenn es zum Beispiel um Kindernotfälle geht. Oder große Unfälle auf der A2. »Man muss so stabil sein, dass man daran nicht verzweifelt«, stellt der ehemalige Chefarzt fest.

Besonders freut den scheidenden Notarzt, dass mit dem neuen Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) in Spenge auch dieser Bereich des Kreises gut abgedeckt sei. Zudem, so erklärt Huser weiter, leiste man dort Nachbarschaftshilfe: denn Teile des Bielefelder Nordens würden durch dieses NEF versorgt.

Ganz aufhören wird er wohl nicht

Ganz aufhören wird er wohl nicht. »Die Medizin fasziniert mich immer noch so sehr«, sagt Huser, der ehrenamtlich im Prüfungsausschuss der Ärztekammer sitzt. Was genau er machen will, stünde noch nicht fest. Allerdings genieße er es, den Terminkalender seit dem 1. Februar selbst gestalten und mehr Zeit mit seiner Ehefrau verbringen zu können. Zudem erwartet er die Geburt seines ersten Enkelkindes. Huser war 19 Jahre lang Chefarzt in Bünde. Nach Querelen mit der Leitung des Lukas-Krankenhauses hatte er sich vor wenigen Wochen in einem offenen Brief verabschiedet. Sein Nachfolger ist Dr. Tim Lendzian.

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