Stadt plant Fischtreppe und Wasserkraftwerk an der Elsemühle Die Else wird durchlässig

Bünde (WB). Im Jahr 1333 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt: die Elsemühle. Seit 685 Jahren staut sie das Wasser der Else. Seit dieser Zeit ist es für Fische und andere Wasserbewohner praktisch unmöglich, den Fluss an dieser Stelle zu passieren. Das soll sich nun ändern.

Von Hilko Raske
Die Elsemühle im Bünder Stadtteil Südlengern. Hier sollen eine Fischtreppe und eine Wasserkraftschnecke installiert werden, um die Durchlässigkeit des Flusses zu gewährleisten.
Die Elsemühle im Bünder Stadtteil Südlengern. Hier sollen eine Fischtreppe und eine Wasserkraftschnecke installiert werden, um die Durchlässigkeit des Flusses zu gewährleisten. Foto: Hilko Raske

Die Europäische Wasserrahmrichtlinie (WRRL) schreibt vor, dass alle Gewässer in einen ökologisch guten Zustand gebracht werden müssen. Eine Grundvoraussetzung ist dabei, die Durchgängigkeit der Fließgewässer – und darum handelt sich bei der Else – für Fische und alle Wasserorganismen wieder herzustellen. Schon seit vielen Jahren versucht die Stadtverwaltung, dieses Ziel zu erreichen. Unter anderem war im Gespräch, den Lauf der Else an dieser Stelle zu verlegen. Bislang scheiterten derartige Projekte aber daran, dass die Stadt nicht im Besitz des Wasserrechtes an dieser Stelle ist. Das gehört nämlich den Eignern des Wehres – und zwar für alle Zeit. So sieht es die geltende Rechtssprechung vor.

Fischtreppe und Wasserkraftschnecke

Nun ist aber Bewegung in die Sache gekommen. Am Donnerstagabend präsentierten Guido Strathmann und Christoph Wittler (Kommunalbetriebe Bünde) sowie Biologe Heinrich Linnert (Gewässerentwicklungsprojekt Weser-Werre-Else) im Ratssaal ein Projekt, das aus zwei Komponenten besteht und möglicherweise schon im kommenden Jahr umgesetzt sein könnte. Vorgesehen ist nämlich, eine sogenannte »Fischtreppe« und Wasserkraftschnecke in unmittelbarer Nachbarschaft des Wehres zu errichten. Möglich macht dies eine Einigung mit der Familie, die im Besitz des Wasserrechtes ist. Die hatte zugestimmt, das Wehr für voraussichtlich 25 Jahre an die Stadt zu verpachten.

30 Treppenstufen auf 90 Metern Länge

Mit der Fischtreppe soll den Fischen der Aufstieg in den nächsten Elseabschnitt ermöglicht werden. Den Höhenunterschied von etwa zwei Metern überwindet die u-förmige Anlage, die etwa 90 Meter lang ist, mit etwa 30 Treppenstufen, die eine Höhe von 8 Zentimetern haben.

250.000 kW/H Strom pro Jahr

»Die Becken der einzelnen Stufen sind so groß, dass die Fische Ruhezonen vorfinden und den Weg nicht in einem Zug zurückgelegen müssen«, sagte Strathmann. Der Abstieg erfolge deutlich schneller, indem die Tiere durch die geplante Wasserkraftschnecke nach unten transportiert werden. Die Schnecke sollte deshalb mit einem Durchmesser von 3,5 Meter gebaut werden, um Fische nicht zu verletzen. Mit der Wasserkraftschnecke könnten überdies pro Jahr mehr als 250.000 kW/H erzeugt werden. »Das Charmante daran: Den so erzeugten Strom werden wir in der nahe gelegenen Kläranlage zur Reinigung des Bünder Abwassers verwenden«, sagte Strathmann.

Die Maßnahme werde etwa 500.000 Euro kosten. Für die Bünder entstehen allerdings keine Kosten – die Herstellung der Durchgängigkeit der Else ist eine Ausgleichsmaßnahme für einen Teil des Gewerbegebietes Spradow.

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