Seniorin (82) fällt auf Betrugsmasche herein – Polizei meldet kriminelle »Anrufswelle« 16.000 Euro mit Enkeltrick ergaunert

Bünde (WB). Kriminelle haben von einer 82-jährigen Bünderin am vergangenen Montag 16.000 Euro ergaunert. Mit dem so genannten Enkeltrick brachten sie die Seniorin dazu, ihnen das Geld zu übergeben. Laut Polizei wurden in den letzten Tagen mehrere Betrugsversuche gemeldet.

Von Daniel Salmon
Scheinbar haben es die Betrüger derzeit im Kreis Herford auf Bürger abgesehen, deren Nachnamen mit einem »W« beginnen und die einen älter klingenden Vornamen haben. Laut Polizei orientieren sich die Täter möglicherweise am Telefonbuch.
Scheinbar haben es die Betrüger derzeit im Kreis Herford auf Bürger abgesehen, deren Nachnamen mit einem »W« beginnen und die einen älter klingenden Vornamen haben. Laut Polizei orientieren sich die Täter möglicherweise am Telefonbuch. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Polizeisprecher Uwe Maser spricht im Zusammenhang mit der Enkeltrick-Masche von einer regelrechten »Anrufswelle« im Herforder Kreisgebiet, deren Schwerpunkt aber offensichtlich in Bünde liege. In dem konkreten Fall hatte sich ein Mann zur Mittagszeit bei der Bünder Rentnerin gleich mehrfach gemeldet. »Das erste Mal hatte er am Montag gegen 13.45 Uhr angerufen und sich als Enkel der Frau ausgegeben«, schildert Maser. Der Unbekannte erklärte der 82-Jährigen, dass er 30.000 Euro für den Kauf eines Autos benötige, pries das Angebot als »besonders günstig« an. Daher werde das Geld schnellstmöglich benötigt.

Gauner erschleicht sich das Vertrauen

Es gelang dem Gauner während der Telefonate schließlich, sich das Vertrauen der älteren Dame zu erschleichen. Sie willigte ein, dem vermeintlichen Enkel einen größeren Geldbetrag zu geben. »Dieser kündigte dann an, dass eine Bekannte vorbeikommt, um das Geld in Empfang zu nehmen«, sagt Polizeisprecher Maser. Und so kam es dann auch: Eine Dreiviertelstunde nach dem ersten Telefonat klingelte es an der Haustür der Seniorin. Eine unbekannte Frau nahm die 16.000 Euro in Empfang und verschwand.

Die Komplizin des Anrufers soll nach Aussagen des Betrugsopfers etwa 35 Jahre alt und von leicht untersetzter Statur sein. Sie habe eine auffällig beige Pudelmütze getragen und mit osteuropäischen Akzent gesprochen.

Betrug mit System

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei gehen die Enkeltrick-Gauner aktuell nach einem bestimmten System vor. Maser: »Alle Nachnamen der Angerufenen und auch des Betrugsopfers beginnen mit einem ›W‹.« Die Fahnder vermuten daher, dass die Täter sich rückwärts am Alphabet orientieren und mögliche Opfer mit alt klingenden Vornamen aus dem Telefonbuch oder anderen Datenbeständen auswählen.

Wenn die Kriminellen jemanden am Apparat haben, sei die Masche in den bekanntgewordenen Fällen immer gleich. »Immer meldet sich ein angeblicher Enkel oder Verwandter, der Beträge zwischen 30.000 und 50.000 Euro für den ›günstigen‹ Autokauf benötigt, der schnell abgewickelt werden müsse«, sagt Uwe Maser. Wie auch im Bünder Fall würden sich die Gauner stets mehrfach und in kurzen Zeitabständen bei den Betroffenen melden.

Das Betrugs-Kommissariat der Herforder Polizei warnt eindringlich vor dieser Masche und bittet die Bevölkerung um erhöhte Achtsamkeit. »Man sollte keinesfalls auf die Forderungen eingehen, sondern am besten sofort auflegen, weitere Angehörige hinzuziehen und dann die örtliche Polizei informieren«, rät Maser.

Fälle auch im Nachbarkreis

Am Freitag hatten sich auch mehrere Bürger bei der Leitstelle der Polizei Minden-Lübbecke gemeldet, die von vermeintlichen Enkeln angerufen wurden. Nach derzeitigem Erkenntnisstand verhielten sich die Angerufenen aber besonnen und fielen laut Polizei nicht auf die Betrüger herein. Ziel der Gauner waren Telefonanschlüsse im Bereich Minden, Bad Oeynhausen und Hüllhorst.

Eine aufmerksame Sparkassen-Mitarbeiterin hatte in Bad Oeynhausen im vergangenen Oktober verhindert, dass Enkeltrickbetrüger eine Rentnerin um insgesamt 28.000 Euro erleichtern konnten. Einer der Täter hatte die Frau zuvor elfmal angerufen. Der »Enkel« gaukelte vor, in einer Notlage zu sein und daher das Geld zu brauchen. Daraufhin wollte die Rentnerin das Geld bei ihrer Hausbank abheben. Die junge Sparkassenmitarbeiterin hakte nach, wofür die Frau soviel Bargeld brauchte, wurde schließlich hellhörig und konnte so den geplanten Betrug vereiteln.

Wenn die Täter von der Justiz gefasst werden, drohen ihnen übrigens empfindliche Strafen. Vor einigen Monaten hatte das Hamburger Landgericht einen Hintermann von Enkeltrickbetrügern zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

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