Betrunkener Bünder (33) hatte Tankstellenangestellte (23) verletzt Vier Monate Knast für »Kopfnuss«

Bünde  (WB). Weil er einer jungen Tankstellenangestellten eine Kopfnuss verpasste , hat das Bünder Amtsgericht einen 33-Jährigen zu vier Monaten Haft verurteilt. Damit verlängert sich der derzeitige Knastaufenthalt des Mannes.

Von Daniel Salmon
An der Markant-Tankstelle an der Herforder Straße hatte sich die Körperverletzung im Februar vergangenen Jahres zugetragen. Ein Überwachungsvideo vom Tattag wurde gelöscht.
An der Markant-Tankstelle an der Herforder Straße hatte sich die Körperverletzung im Februar vergangenen Jahres zugetragen. Ein Überwachungsvideo vom Tattag wurde gelöscht. Foto: Daniel Salmon

Wegen eines anderen Deliktes sitzt er aktuell in der JVA Remscheid ein: Das Amtsgericht Bielefeld hatte ihm eine zehnmonatige Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung aufgebrummt.

Überwachungsvideo existiert nicht mehr

Ein erster Verhandlungstermin zu dem Fall in Bünde hatte bereits vor einigen Wochen stattgefunden. Die Verteidigerin des Bünders wollte aber noch weitere Zeugen zu den Ereignissen hören, die sich an einem Februarabend vor einem Jahr an der einer Tankstelle an der Herforder Straße zugetragen hatte. Zudem sollte ein Überwachungsvideo gesichtet werden. Allerdings: Die Aufnahme existierte nicht mehr, obwohl sie bei der Polizei vorgelegt werden sollte.

Rund zwei Promille Alkohol im Blut

Laut Anklage hatte der 33-Jährige an jenem Abend reichlich Bier und Whiskey getankt – rund zwei Promille Alkohol waren in seinem Blut – dazu nach eigenen Angaben auch Kokain konsumiert. An der Tankstelle war er mit dem Opfer (23) und einer Kollegin gegen Ladenschluss um 22 Uhr in Streit geraten. Er hatte die junge Frau im Gesicht verletzt, ehe er sich mit dem hinzugekommenen Freund der anderen Angestellten eine Rauferei lieferte. Während der Auseinandersetzung war durch Bierflaschen, die der Angeklagte in dem Tankshop gekauft und in einer Plastiktüte verstaut hatte, zudem eine Werkstatttür beschädigt.

Den Vorwurf der Sachbeschädigung stellte das Gericht letztlich mit Blick auf die zu erwartende Strafe im Fall der Körperverletzung ein. Die Vernehmung der beiden nun erstmals geladenen Zeugen – ein Bekannter (72), der das Opfer von der Arbeit abholen wollte, sowie eine Polizeibeamtin – förderten keine wesentlich neuen Erkenntnisse zu Tage.

Besonders ärgerte sich die Verteidigerin über das fehlende Video, das seinerzeit sogar von der Polizei angefordert worden war: »Das ist eine große Ermittlungspanne.« Auch ihr Mandant meinte: »Die Aufnahme hätte mich entlastet.« Bis zum Schluss bestand der 33-Jährige – trotz eingeräumter Erinnerungslücken – darauf, die Frau nicht verletzt zu haben.

Nach Ende der Beweisaufnahme sah die Verteidigerin Ungereimtheiten in den Aussagen der Zeugen. Sie forderte für ihren Mandanten, der eine längere Drogenkarriere hinter sich hat und schon wegen verschiedenster Delikte mehrfach vor dem Kadi stand, einen Freispruch. Die Staatsanwalt hatte auf zehn Monate Haft plädiert.

Die Richterin glaubte den Schilderungen des Opfers (»Die sind durchaus glaubhaft«), berücksichtigte die starke Alkoholisierung des Mannes aber in ihrem Urteil.

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