Experten untersuchen Lichtverhältnisse am Zebrastreifen der Bünder Klinkstraße - mit Video Polizei stellt schweren Unfall nach

Bünde  (WB). Hätte die 29-jährige Rödinghauserin die Passantin, die sie auf dem Zebrastreifen an der Klinkstraße angefahren hat, überhaupt rechtzeitig erkennen können? Dieser Frage gingen am späten Freitagnachmittag Experten der Dekra nach. Bei einem Ortstermin stellten sie die Situation nach.

Von Hilko Raske
Hätte die 29-Jährige die Passantin rechtzeitig erkennen können, obwohl die Dämmerung schon eingesetzt hatte und die Straße das Licht der Autoscheinwerfer reflektierte? Das überprüften Dekra-Experten.
Hätte die 29-Jährige die Passantin rechtzeitig erkennen können, obwohl die Dämmerung schon eingesetzt hatte und die Straße das Licht der Autoscheinwerfer reflektierte? Das überprüften Dekra-Experten. Foto: Daniel Salmon

Zur Vorgeschichte: Am 14. Dezember war die Rödinghauserin mit ihrem Nissan Qashqai auf der Klinkstraße in Richtung Enger unterwegs. Auf dem Zebrastreifen an der Autobahnunterführung wollte eine 52-Jährige die Straße überqueren. Sie wurde vom Wagen der Rödinghauserin erfasst, erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

 Die 29-Jährige fuhr weiter, täuschte einen Wildunfall vor . Auf die Schliche kam man ihr, weil sich die Verantwortlichen eines Reparaturbetriebs bei der Polizei meldeten.

Spezialkamera misst Lichtdichte

Mit einer Spezialkamera, den Autos, die tatsächlich am Unfall beteiligt waren und einem Modell, das die Kleidung des Opfers trug, rekonstruierten vier Spezialisten der Dekra die Situation zum Unfallzeitpunkt. Dazu mussten Klink- und Engerstraße zwischen 16.30 und 18.10 Uhr von der Polizei gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden.

»Ab 17.08 Uhr ist die Situation vergleichbar mit der am 14. Dezember«, sagte Diplom-Ingenieur Uwe Hellkamp, Dekra-Gutachter und Unfallanalytiker. Mit einer Spezialkamera, von der man in Deutschland nur drei habe, messe man die Lichtdichte. »Damit stellen wir die Erkennbarkeitsentfernung für die Autofahrerin fest, um zu sehen, ob der Unfall hätte vermieden werden können«, so der Experte. Zwar hatte es am eigentlich Unfalltag ein wenig geregnet, da die Fahrbahn am Freitag aber feucht war, wirkten die Lichtreflexe so wie am 14. Dezember.

Wagen nähert sich in Fünf-Meter-Schritten

In Fünf-Meter-Schritten näherte sich der Nissan dem Zebrastreifen. Das Modell – bekleidet mit einer grauen Mütze, dunkelbrauner Jacke, Jeans und grauen Halbstiefeln – wechselte mit jedem neuen Standort des Unfallfahrzeugs seine Position auf dem Fußgängerüberweg. Auf der anderen Seite des Zebrastreifens stand ein Opel, der den Gegenverkehr und das Gegenlicht simulierte.

»Aufwändige Rekonstruktion«

»Das ist ein aufwändige Rekonstruktion«, sagte Polizeisprecher Uwe Maser. Sie sei erforderlich, damit die Staatsanwaltschaft den Unfallhergang juristisch sauber aufarbeiten könne. »Dafür müssen alle Aspekte berücksichtigt werden, die für die Staatsanwaltschaft wichtig sein könnten.« Es würden sowohl belastende als auch entlastende Fakten zusammengetragen. Immerhin drohten bei einem derartigen Verkehrsverstoß bis zu drei Jahre Haft.

Nach dem Einsatz der Spezialkamera folgten noch drei Vollbremsungen mit dem Nissan, um zu sehen, ob der Unfall vielleicht vermeidbar gewesen wäre. Für die Zuschauer wurde sichtbar: Der Qashqai hat einen sehr kurzen Bremsweg. Die Ergebnisse der Rekonstruktion werden allerdings erst in einigen Wochen vorliegen. 

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