Ärger an der Eschstraße: Tierfreundin startet Online-Petition Löst ein Stadttaubenschlag das »Vogel-Problem«?

Bünde  (WB). Seit einiger Zeit sorgen Tauben und ihre Hinterlassenschaften bei Gebäudeeignern an der oberen Eschstraße für Verdruss. »Ein Stadttaubenschlag könnte die Lösung sein«, findet Melissa Tomanek, die in der Sache nun eine Online-Petition gestartet hat.

Von Daniel Salmon
Gebäudebesitzer an der Eschstraße hatten sich unter anderem über den Kot der rund 50 Stadttauben beschwert.
Gebäudebesitzer an der Eschstraße hatten sich unter anderem über den Kot der rund 50 Stadttauben beschwert. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Die 27-Jährige betreibt im Osnabrücker Land eine Auffangstation für Tauben, kennt auch die Situation in Bünde bestens. »Vor zwei Jahren hatte mich eine Dame angeschrieben und mir erzählt, dass es hier in der City viele kranke Taube gebe«, erzählt Tomanek. Vor Ort habe sie dann festgestellt: »Rund 85 Prozent sind Zuchttauben, die sich verflogen haben oder einfach ausgesetzt wurden. Oder aber Hochzeitstauben. Viele Tiere sind krank oder verletzt.«

Von Passanten angefeindet

Mehrfach habe sie seither Vögel eingefangen, sei dabei aber oftmals von Passanten regelrecht angefeindet worden: »Ich wurde beschimpft, fotografiert, gefilmt. Man hat gleich gemerkt: Viele Leute in Bünde sind den Tauben nicht wohlgesonnen.« Diesen Eindruck hätten auch die jüngsten Äußerungen von Kaufleuten an der Eschstraße bestätigt (wir berichteten), die sich unter anderem über die Verschmutzung der Gebäude durch Taubenkot geärgert hatten.

Melissa Tomanek, die sich auch mit Tierschützern vor Ort kurzgeschlossen hat, sagt: »Die

Ehrenamtler will helfen

Melissa Tomanek hat sich in Bünde bereits auf die Suche nach einem möglichen Standort für einen betreuten Taubenschlag gemacht. Wichtig dabei: Das Domizil müsste einen Aus- und Einflug haben. »Die Einrichtung ist zwar zunächst etwas teurer, aber darum würden wir uns kümmern. Ebenso wie um die Eingewöhnung der Tiere, damit sie wissen: ›Hier gibt es Futter und Wasser‹«, sagt sie.

Werner Koppka, einer von Tomaneks Mitstreitern, erklärte zudem, dass es jemanden gebe, der einen möglichen Stadttaubenschlag in Bünde betreuen würde.

Lösung für das Problem könnte für Mensch und Tier ganz einfach sein: In Bünde müsste ein Stadttaubenschlag her, den es auch schon in vielen anderen Städten – etwa in Bielefeld – gibt, her.« Laut der 27-Jährigen liegen die Vorteile einer solchen Einrichtung auf der Hand: »Nachweislich bleiben 80 Prozent des Kotes im Taubenschlag. Zudem sind Tauben standorttreu, würden sich künftig höchstens im Umkreis von 500 Metern um ihr neues Domizil aufhalten.« Noch wichtiger sei, dass man so einer unkontrollierten Vermehrung der Tiere vorbeugen könne. Tomanek: »Und zwar indem man die Eier in den Gelegen gegen Gips-Imitate austauscht.«

Ziel: Innerhalb von 60 Tagen 500 Unterschriften sammeln

Um ihrer Idee zu forcieren und auch die Bünder Stadtverwaltung darauf aufmerksam zu machen, hat die junge Frau eine Online-Petition auf der einschlägigen Internetplattform openpetition.com auf den Weg gebracht. Ihr Ziel: Binnen 60 Tagen will sie 5000 Unterschriften für ihr Anliegen sammeln – rund 600 Menschen haben sich bereits beteiligt. Wenn Tomanek die Unterschriften zusammenhat will sie diese Bürgermeister Wolfgang Koch vorlegen. »Ich hatte der Stadt bereits Mails in der Sache geschrieben, aber nie eine Antwort bekommen«, bedauert Tomanek, die zudem sagt: »Für die Stadt würden durch das Projekt zunächst keine Kosten entstehen.« Auf Anfrage erklärte Stadtsprecherin Doris Greiner-Rietz, dass die nun gestartete Petition von der Verwaltung zur Kenntnis genommen wurde.

Kommentare

Taubenhasser

Wie uninformiert und ignorant doch die Menschen sind! Gerade die "Taubenhasser" müssten doch dankbar für soviel Initiative sein!! Man hat sie im Taubenschlag, dort bleiben sie im Umkreis von 500m und die Eier werden ausgetauscht, somit verringert man die Population! Nur zu schimpfen ist leicht, auch die Tauben haben eine artgerechte Haltung mehr als verdient.

Endlich tut sich was in artgerechtem Taubenmanagement

Es wird höchste Zeit, dass bundesweit die Behörden nicht mehr mauern, ignorieren und die Ehrenamtlichen, die den Tauben und den Menschen gleichermaßen helfen wollen, als skurrile Spinner abzutun. Da kann man jahrelang versuchen, Gehör zu finden und alle Appelle versanden meist beim schweigenden, nicht reagierenden Gegenüber. Nur drastischere Maßnahmen wie Strafanzeigen gegen tierschutzwidrige Taubenvergrämungsmaßnahmen, die in der Vergangenheit der Öffentlichkeit gegenüber gebetsmühlenartig zur Geschäftsmaximierung (Tauben = Schädlinge) offensichtlich erfolgreich vorgebetet werden, bringen die Behörden mal dazu, sich endlich mal zu bewegen. Man kann nur hoffen, dass sich in Zukunft daran etwas ändert und die deutsche Öffentlichkeit ihre miese Einstellung gegenüber den von Menschen verschuldetem Problem der auf unseren Straßen hungernden Tauben aufzugeben und mit adäquaten Mitteln eine taubengerechte Lösung zu finden, statt die Tiere zu quälen und sie mit Hass zu verfolgen. Das geziemt sich nicht für eine Nation, die sich immer als so tierlieb darstellt, was Missstände im Ausland angeht, aber im eigenen Land die Geschöpfe vor ihren eigenen Füßen nicht einmal bewusst als Wesen mit Lebensrecht wahrnimmt und stattdessen ignoriert oder verteufelt!

Boh, Stadt nimmt " zur Kenntnis "

Ich finde es immer unglaublich, wenn Menschen fotografieren, denunzieren, beschimpfen, aber nix tun gegen ein Problem. Nur Taubenschläge nach dem Augsburger Modell mit Eiaustausch bringen Abhilfe und Geburtenkontrolle und saubere Straßen. Das weiß man nun seit Jahren, aber tut sich so schwer. Gut, dass wenigstens EINE es begriffen hat. Dass die Stadt auf Ansprache nicht reagiert ist ein Witz und gewiss nicht bürgernah oder gar höflich. Die Anmerkung "wir haben es zur Kenntnis genommen" schon fast unverschämt. Denn überhand nehmender Taubenbestand ist eine Ordnungsaufgabe der Stadt, die tierschutzgerecht zu managen ist.

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