200 Jahre Kirchenkreis Herford: Ausstellung präsentiert persönliche religiöse Gegenstände Glaube zum Anfassen

Bünde  (WB). Was verbindet uns mit Gott? Das Gebet, der Gottesdienst, die Bibel? Selbstverständlich. Aber oftmals ist es auch ein besonderer Gegenstand, der als Sinnbild für den Glauben steht.

Von Hilko Raske
Bernhard Riedl (52) aus Löhne brachte zur Ausstellung ein Foto mit, das seine Grußmutter im Jahr 1918 während ihrer Kommunion zeigt. »Das ist zwar katholisch – aber in dieser Ausstellung geht es ja um den Glauben«, sagt Riedl.
Bernhard Riedl (52) aus Löhne brachte zur Ausstellung ein Foto mit, das seine Grußmutter im Jahr 1918 während ihrer Kommunion zeigt. »Das ist zwar katholisch – aber in dieser Ausstellung geht es ja um den Glauben«, sagt Riedl. Foto: Hilko Raske

Solche persönlichen Gegenstände soll eine Ausstellung präsentieren, die anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Kirchenkreises Herford von September an im Dobergmuseum gezeigt wird. Jetzt bestand die Möglichkeit, derartige Erinnerungsstücke im Museum direkt bei Superintendent Michael Krause abzugeben. Und die Resonanz war aus Sicht von Krause überaus erfreulich. »Inzwischen haben wir schon fast 60 Ausstellungsstücke.« Das seien nicht nur Bibeln und Gesangbücher, sondern teilweise auch eher außergewöhnliche Gegenstände.

Bewegende Familiengeschichte

So brachte Bernhard Riedl (52) aus Löhne unter anderem ein Foto mit, das seine Grußmutter im Jahr 1918 während ihrer Kommunion zeigt. »Das ist zwar katholisch – aber in dieser Ausstellung geht es ja um den Glauben«, sagt Riedl. Das Bild – eine Schwarz-Weiß-Fotografie in einem kunstvollen Rahmen – sei per Hand koloriert worden. Dazu gab es anlässlich der Kommunion noch eine Kaffeetasse mit Unter- und Kuchenteller. »Das Bild und das Porzellan sind also 100 Jahre alt.« Seine Oma sei in Rheydt – heute ein Vorort von Mönchengladbach – groß geworden. »Ihre Eltern waren sehr wohlhabend, hatten eine großere Kaffeerösterei.« In den 1930er Jahren sei seine Oma von der Gestapo verhaftet worden. »Sie war zu einem Sechszehntel jüdisch.« Seine Urgroßeltern hätten sie freikaufen müssen. Kurz bevor seine Oma im Alter von 98 Jahren gestorben sei, habe sie die Kommuniontasse übrigens seiner Tochter Miriam vermacht.

Passionskreuz aus Hiddenhausen

Bernd Lilienbecker (79) aus Lippinghausen brachte ein Passionskreuz vorbei. »Heinrich Möhlmann, der das Holzhandwerksmuseum in Hiddenhausen mit ins Leben gerufen hat, hat mir einmal eine von ihm selbst gewickelte Dornenkrone gegeben. Er fragte mich, ob ich dazu ein Passionskreuz anfertigen kann.« An diesem Kreuz seien Gegenstände zu sehen, die für den Leidensweg Jesu stünden. »Die Lanzen der römischen Wachen, der Hahn, der dreimal kräht, oder der Schwamm, der in Essig getaucht wurde.«

Erinnerungen mit der Kamera aufgezeichnet

Damit die Erinnerungen, die man mit den Gegenständen verbindet, nicht verloren gehen, werden sie übrigens mit der Kamera aufgezeichnet. »Wir werden versuchen, das zu einem Bestandteil der Ausstellung zu machen«, informierte der Superintendent. Vom Konzept der Ausstellung ist Krause sehr angetan. »Ich kann als Pastor viel erzählen. Aber das Entscheidende passiert in den Menschen, die sich den Glauben auf eigene Weise aneignen.« Er gehe davon aus, dass in der Ausstellung bis zu 100 Exponate gezeigt werden können. Weitere Abgabetermine für diese besonderen Gegenstände solle es noch in Löhne und Spenge geben.

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