Die Kultkneipe am Bahnhof in Bünde schließt am 30. Dezember Das letzte Bier im »Lokschuppen«

Bünde (WB). »Wir hatten hier schon ein tolle Zeit«, sagen Aydin und Melissa Ay. Am 30. Dezember öffnet das Wirte­paar des »Lokschuppens« im Bünder Bahnhof seine Kultkneipe zum letzten Mal. Bevor das letzte Bier gezapft wird, gibt’s noch einmal eine große Sause.

Von Daniel Salmon
Zapft am 30. Dezember das letzte Bier in der Bahnhofskneipe »Lokschuppen«: Wirt Aydin Ay.
Zapft am 30. Dezember das letzte Bier in der Bahnhofskneipe »Lokschuppen«: Wirt Aydin Ay. Foto: Daniel Salmon

Mit wehmütigem Blick steht der 43-Jährige hinter dem Tresen. Seit Januar 2005 betreibt er das Lokal – stets unterstützt von seiner Ehefrau. »Und ich hätte es gern weiter gemacht, die 20 Jahre voll bekommen. Hier steckt echt viel Herzblut drin. Aber nun ist Ende im Gelände.«

Pachtvertrag nicht verlängert

Wie berichtet hatten die Bünder Kommunalbetriebe, denen das Bahnhofsgebäude seit dem Frühsommer gehört, Aydin Ays bis Ende 2018 laufenden Pachtvertrag nicht verlängert. Die Stadt hat mit den Räumen andere Pläne. Wegen der fehlenden Perspektive für seinen Laden macht der Gastronom nun bereits Ende dieses Jahres Schluss.

»Das tut mir wirklich leid. Weil der Laden läuft ja gut«, sagt Aydin Ay. Viele Stammgäste seien traurig gewesen, als er ihnen das Aus verkünden musste. Etwa die Darttruppe, die immer freitags in den Lokschuppen kam, um ein paar Pfeile zu werfen. »Die wissen nun gar nicht, wo sie zukünftig spielen sollen.«

Von morgens 8 Uhr bis in die Nacht hinein hinter der Theke

Zwar habe er Höhen und Tiefen erlebt, Spaß habe ihm die Arbeit aber stets gemacht. »Von 2005 bis 2011 habe ich fast immer alleine an der Theke gestanden. Von morgens um 8 Uhr bis spät in die Nacht«, erinnert sich der Gastronom. Höhepunkte seien beispielsweise die Kneipennächte gewesen, bei denen in den Bünder Lokalen verschiedene Bands auftreten. »Mit dem Erfolg des Konzepts hätte früher keiner gerechnet. Aber es war immer proppenvoll.«

»Zum Bahnhof gehört eine Kneipe dazu«

Erst Anfang 2015 sei das zehnjährige Kneipenjubiläum gefeiert worden. »Auch das war ein Erfolg. Von dem Erlös haben wir nachher mehr als 600 Euro an die Palliativstation des Krankenhauses spenden können.« Bei Zugverspätungen sei sein Laden immer erste Anlaufstelle für Reisende gewesen, die bei einem Bier oder einem Kaffee in dem urigen Lokal auf die Bahn warteten. »So was fehlt hier künftig. Zu einem Bahnhof gehört doch eigentlich eine Kneipe dazu«, findet der 43-Jährige. »In all den Jahren, in denen ich das Lokal habe, ist bei mir nur ein einziges Mal eingebrochen worden. Und der Typ wurde auch geschnappt. Die Leute kennen mich, sie wissen: ›Bei Aydin steigt man besser nicht ein‹«, sagt Ay und lacht.

Am Samstag will er dann ab 17 Uhr das letzte Mal seine Gäste begrüßen, gemeinsam mit ihnen die tolle Zeit im Lokschuppen Revue passieren lassen. »Ein Stammgast feiert dann Geburtstag. Willkommen ist aber jeder.« Im neuen Jahr will er dann das Mobiliar aus den Räumen schaffen. Mitnehmen wird er dann auch die alten Bahnhofsschilder, die derzeit noch die Wände schmücken. »Die behalte ich natürlich.«

Auch wenn er den Lokschuppen aufgibt, langweilig wird Aydin Ay in Zukunft sicher nicht: »Ich habe genug zu tun.« Und auch gastronomisch wird er weiterhin tätig sein und Gattin Melissa im »Buginithi« an der Kaiser-Wilhelm-Straße unterstützen.

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