Provokante Schilder an der Bahnhofstraße: Meinungen der Politiker gehen auseinander »Kein konstruktives Signal«

Bünde (WB). Von Ablehnung bis Verständnis: Die Reaktionen der Bünder Lokalpolitik auf die kurzweilige »Umbenennung« der Bahnhofstraße in »Adolf-Hitler Str.« am Montag gehen weit auseinander.

Von Daniel Salmon
Unbekannte hatten die Tafeln mit der Aufschrift »Adolf-Hitler Str.« auf mindestens sechs Schildern der Bahnhofstraße angebracht.
Unbekannte hatten die Tafeln mit der Aufschrift »Adolf-Hitler Str.« auf mindestens sechs Schildern der Bahnhofstraße angebracht. Foto: Daniel Salmon

Einig sind sich die Mitglieder der Ratsfraktionen, dass es sich bei der Aktion um eine Reaktion auf die gescheiterte Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße (wir berichteten) handeln dürfte. Eine entsprechende Vermutung hatte Grünen-Sprecherin Stefanie Janßen bereits am Montag gegenüber dieser Zeitung geäußert.

Mindestens sechs Schilder waren betroffen

Nach Angaben von Bündes Stadtsprecherin Doris Greiner-Rietz hatten bislang Unbekannte die Tafeln an mindestens sechs Schildern der Bahnhofstraße – vermutlich in der Nacht auf Montag – aufgeklebt. Zusätzlich waren Infoplakate angebracht worden, die auf die Verbrechen Hitlers während des NS-Regimes hinwiesen. Mitarbeiter des Bauhofs sowie Bürger hatten die Schilder umgehend entfernt. Die Stadtverwaltung hatte die Polizei über die Aktion in Kenntnis gesetzt, die die Informationen ihrerseits an den Staatsschutz in Bielefeld weitergab.

Andrea Kieper, Fraktionschefin der Bünder SPD, bezeichnet die »Umbenennung« zwar als »keine schöne Aktion«. Zugleich zeige der Vorfall jedoch, dass es in der Else­stadt durchaus Bürger gebe, die die Entscheidung des Verkehrsausschusses kritisch sehen. »Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass sich diese Leute vorher in die Diskussion eingebracht hätten, um Druck auf diejenigen auszuüben, die sich vehement gegen die Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße ausgesprochen haben.« Ob sich nun der Staatsschutz mit dem Fall befassen sollte, hält sie für fraglich.

Eine ähnliche Meinung vertritt UWG-Sprecher Armin Kuschel: »Ich finde die Aktion nicht verfolgungswürdig. Es handelt sich um eine konsequente, wirksame, wenn auch extreme Reaktion auf die Beschlussfassung im Verkehrsausschuss.« Wie FDP und CDU hatte sich seine Fraktion vor einigen Wochen zwar gegen die Umwidmung der Lettow-Vorbeck-Straße ausgesprochen, der Unabhängige sagt aber auch: »Ich sehe die Aktion als Denkanstoß, dass wir uns mit unserer Geschichte auseinandersetzen und sie nicht begraben sollten. Es gibt bei uns mehrere Straßen, die durch ihre Namensgeber auf ähnliche Weise belastet sind.«

»Solche Leute kann man nicht ernst nehmen«

Martin Schuster, Stadtverbandsvorsitzender der CDU, sagt mit Blick auf die kurzzeitigen »Umbenennung« der Bahnhofstraße: »Ich verstehe, dass es Menschen gibt, die mit der politischen Entscheidung über die Lettow-Vorbeck-Straße ein Problem haben. Ich hätte mir gewünscht, dass man versucht, einen Dialog zu führen, wenn man anderer Meinung ist. Diese Aktion ist jedenfalls kein konstruktives Signal.«

Deutlich härter geht FDP-Fraktionschef Ernst Tilly mit den unbekannten Schilderklebern ins Gericht. »Wenn jemand zu feige ist, seine Position mit seinem Namen zu vertreten, sollte er es besser bleiben lassen. Solche Leute kann man nicht ernst nehmen«, so der Liberale, der die Aktion auf einer Augenhöhe mit Schmierereien in der Öffentlichkeit und der Zerstörung von Wahlplakaten sieht.

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