Verkehrsausschuss beendet Debatte um Lettow-Vorbeck-Straße in Bünde Infotafeln statt Umwidmung

Bünde (WB). Nun ist es offiziell: Die Lettow-Vorbeck-Straße in Bünde wird nicht umbenannt. Ein entsprechender Antrag der SPD und der Grünen fand keine Mehrheit. Stattdessen sollen nun Texttafeln über den umstrittenen Namensgeber der Straße informieren.

Von Daniel Salmon
Die vier Schilder der Lettow-Vorbeck-Straße werden demnächst um Infotafeln ergänzt, die zumindest rudimentär auf die Verbrechen des namensgebenden Reichswehr-Generals hinweisen. Für eine Umbenennung gab’s im Ausschuss keine Mehrheit.
Die vier Schilder der Lettow-Vorbeck-Straße werden demnächst um Infotafeln ergänzt, die zumindest rudimentär auf die Verbrechen des namensgebenden Reichswehr-Generals hinweisen. Für eine Umbenennung gab’s im Ausschuss keine Mehrheit. Foto: Daniel Salmon

Damit ist die Elsestadt eine der ganz wenigen Kommunen in Deutschland, in der dem Reichswehrgeneral Paul von Lettow-Vorbeck (1870-1964) noch eine Straße gewidmet ist.

Die Entscheidung in der Sitzung des Verkehrsausschusses am Donnerstagabend hätte knapper nicht ausfallen können. Während die Antragsteller (sieben Stimmen) geschlossen für eine Namensänderung votierten, sprachen sich CDU, FDP und UWG (ebenfalls sieben Stimmen) dagegen aus. Somit kam es zu einem Patt, der Beschlussvorschlag gilt daher als abgelehnt.

Längere Diskussion

Hinweis auf Völkermord

Für den Fall, dass eine Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße keine Mehrheit findet, hatte Elmar Holstiege einen Ergänzungsantrag vorbereitet. So schlug er das Anbringen von Texttafeln an den Straßenschildern mit der Aufschrift »Lettow-Vorbeck war am Völkermord an dem Volk der Herero und am Kapp-Putsch gegen die demokratische Reichsregierung maßgeblich beteiligt« vor. Der Vorschlag wurde von allen Fraktionen begrüßt und einstimmig beschlossen.

Ein Antrag der UWG, prüfen zu lassen, welche Straßennamenschilder mit eventuell kritischer Bezeichnung generell mit zusätzlichen Informationen gekennzeichnet werden sollten, fand indes keine Mehrheit. Die Unabhängigen hatten in dem Zusammenhang unter anderem vorgeschlagen, Aufkleber mit QR-Codes, die auf Internetseiten mit Hintergrundinfos verweisen, an infrage kommenden Schildern anzubringen.

Als Auftakt einer längeren Diskussion hatte Grünen-Ratsherr Elmar Holstiege zunächst erneut für eine Umbenennung geworben. »Es geht uns nicht darum, unsere Geschichte zu entsorgen und zu sagen: ›Wir haben die Straße umbenannt und alles ist vergessen.‹« Vielmehr gehe es darum, dass mit einer Straßenwidmung eine Person geehrt werden soll, die sich um etwas verdient gemacht hat. »Wie zuletzt bei der Benennung des Kreisel in Spradow nach Konrad Adenauer«, so Holstiege weiter. Das sei mit Blick auf Lettow-Vorbeck nicht der Fall. Denn dessen Person sei, unter anderem wegen seiner Beteiligung an der blutigen Niederschlagung des Hereroaufstandes (1904) in der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) in der Geschichtswissenschaft mittlerweile höchst umstritten.

»Es ist merkwürdig, dass man unter Demokraten überhaupt über so etwas diskutieren muss«, sprach sich auch Wolfgang Pohl (SPD) für eine neue Namensfindung aus. Sven Schäffer (FDP) plädierte indes für die Beibehaltung des Namens: »Ich habe die Befürchtung, dass, wenn man die Straße umbenennt, Lettow-Vorbeck mit all den schlimmen Dingen, die er getan hat, in Vergessenheit gerät.«

CDU lehnt Umbenennungen generell ab

CDU-Stadtverbandschef Martin Schuster betonte, man müsse auch solche Personen und Ereignisse im Bewusstsein behalten, »an die wir uns vielleicht nicht so gerne erinnern«. »Grundsätzlich lehnen wir Umbenennungen von Straßen aus pragmatischen Gründen  ab, denn so etwas hat immer auch erhebliche Folgen für Anlieger«, so Schuster weiter. Würde aber die Hälfte der Anwohner einer in der Diskussion stehenden Straße sich für eine Umwidmung aussprechen, müsse man darüber sprechen. »Die politischen Führer der vergangenen 1000 Jahre, deren Namen auf irgendwelchen Straßenschildern in Deutschland stehen, haben alle in ihrer Verantwortung Kriege geführt und Menschen umgebracht. Von daher dürften viele Straßen nur noch Blumennamen tragen«, machte UWG-Ratsherr Norbert Darnauer seine ablehnende Haltung gegen den Antrag deutlich.

Trotz des negativen Votums einigten sich die Politiker im weiteren Verlauf der Sitzung darauf, Hinweistafeln zu Lettow-Vorbeck an den vier Straßenschildern anzubringen, die auf seine Verbrechen hinweisen (siehe Infobox).

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