Verkaufsoffene Sonntage: Kritik an der räumlichen Festlegung Einzelhändler sehen sich benachteiligt

Bünde (WB). Die verkaufsoffenen Sonntage in Bünde haben sich zu einem Streitthema zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Handel Bünde GbR entwickelt . Nun kommt auch Kritik von Seiten der Einzelhandelsgruppe Bünde.

Von Hilko Raske
Hartmut Korth vor einer Werbetafel für die Bahnhofstraße. Aus seiner Sicht ist die Tafel symptomatisch für die Vernachlässing der Bahnhofstraße – viele der hier aufgelisteten Geschäfte existieren schon gar nicht mehr.
Hartmut Korth vor einer Werbetafel für die Bahnhofstraße. Aus seiner Sicht ist die Tafel symptomatisch für die Vernachlässing der Bahnhofstraße – viele der hier aufgelisteten Geschäfte existieren schon gar nicht mehr. Foto: Hilko Raske

Deren Vorstandsmitglied Hartmut Korth war selber viele Jahre Vorsitzender der Leistungsgemeinschaft Bahnhofstraße, einem Vorläufer der Handel Bünde GbR. Für die Entscheidungen seines Nachfolgers Georg Kruthoff, inzwischen Geschäftsführer der Handel Bünde GbR, zeigt Korth kein Verständnis.

Kruthoff hatte bei der Stadtverwaltung den Antrag auf vier verkaufsoffene Sonntage gestellt. Dabei hatte er entsprechend der gesetzlichen Vorgaben den Bereich, in dem Geschäfte öffnen dürfen, genau eingegrenzt. Mit dem Ergebnis, dass unter anderem die Bahnhofstraße zwischen Wasserbreite und Bahnunterführung nicht berücksichtigt wird. Aus Sicht von Korth ein Unding. »Auch in diesem Abschnitt der Bahnhofstraße gibt es Einzelhändler, die sich gerne am verkaufsoffenen Sonntag beteiligen würden.« Korth hat inzwischen den Einzelhandelsverband informiert und von seinen Bedenken in Kenntnis gesetzt.

Korth sieht sich in seiner Meinung durch das Einzelhandelskonzept der Stadt Bünde aus dem Jahr 2010 bestätigt. Darin wird der Stadt Bünde empfohlen, den Einzelhandel in der Bahnhofstraße zu stärken, jedoch ohne eine Konkurrenz zur Eschstraße entstehen zu lassen. Die Teilbereiche sollten ihre Stärken betonen. »Im Grunde genommen haben wir in Bünde ein Innenstadt-Karree, das den Bereich zwischen der Bahnhofstraße, Eschstraße, der Bismarckstraße und der Bahnlinie umfasst.« In diesem Areal seien auch Fachmarktzentren wie im Kreuzungsbereich Wasserbreite/Bismarckstraße sowie am ZOB enthalten, die sich nach der Festlegung durch Kruthoff jedoch nicht mehr an den verkaufsoffenen Sonntagen beteiligen dürften.

»Der Antrag, so wie er von der Handel Bünde GbR gestellt wurde, ist eine reine Farce«, so die Meinung von Korth. Der Handel Bünde GbR wirft Korth eine verfehlte Vorgehensweise vor. »Vor Handel Bünde hatten wir zwei Werbegemeinschaften in der Innenstadt – die Aktionsgemeinschaft Eschstraße und die Leistungsgemeinschaft Bahnhofstraße. Zusammen hatten beide Vereine etwa 150 Mitglieder. Handel Bünde hat nach eigenem Bekunden 52 Mitglieder. Für mich heißt das, dass der Einzelhandel hier nicht repräsentativ vertreten wird.«

Korth macht dafür auch die Mitgliedsbeiträge verantwortlich, die nach der Fusion beider Werbegemeinschaften deutlich gestiegen seien – »ohne dass es dafür mehr Leistung gegeben hätte.« Korth wirft dem GbR-Geschäftsführer vor, vor allem die Bahnhofstraße systematisch vernachlässigt zu haben.

Aus Sicht von Georg Kruthoff stellt sich das jedoch ganz anders dar. »Der hintere Teil der Bahnhofstraße in Nähe des Bahnhofs hat mit Verkauf nichts mehr zu tun.« Auch Kruthoff beruft sich dabei auf das Einzelhandelskonzept. »Danach haben wir mit 1,7 Kilometern – das ist die Strecke vom Bahnhof zum Tönnies-Wellensiek-Platz – eine viel zu lange fußläufige Einkaufsstraße.« Das Konzept empfehle, sich auf 700 Meter im Kernbereich zu konzen­trieren.

Mit den verkaufsoffenen Sonntagen setzt sich am Dienstag, 24. Januar, auch der Haupt- und Finanzausschuss auseinander. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung empfiehlt, dem Antrag der Handel Bünde GbR zu folgen.

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