Volltrunkene aus dem ganzen Kreisgebiet landen derzeit in der Polizeiwache Bünde Zellen sind immer belegt

Bünde (WB). Eine Matratze mit Plastiküberzug auf einem etwa zehn Zentimeter hohen Metallpodest, seitlich davon Befestigungsringe – und das Ganze in einem Raum, der komplett gefliest ist. So sehen Ausnüchterungszellen in der Bünder Polizeiwache aus.

Von Hilko Raske
Landrat Jürgen Müller inspiziert beim Besuch der Bünder Polizeiwache die Ausnüchterungs- und Gewahrsamszellen. Da das Zentralgewahrsam in Herford derzeit umgebaut wird, landen Volltrunkene, die im Kreis Herford aufgegriffen werden, in Bünde.
Landrat Jürgen Müller inspiziert beim Besuch der Bünder Polizeiwache die Ausnüchterungs- und Gewahrsamszellen. Da das Zentralgewahrsam in Herford derzeit umgebaut wird, landen Volltrunkene, die im Kreis Herford aufgegriffen werden, in Bünde. Foto: Hilko Raske

Wer bei Silvesterfeierlichkeiten einen über den Durst trinkt, vielleicht noch unangenehm auffällt und gar randaliert, hat gute Chancen, sich hier wiederzufinden. Der Grund: Das Zentralgewahrsam in Herford wird derzeit umgebaut, um es den neuesten »Gewahrsam-Richtlinien« anzupassen. Bis diese Baumaßnahme, die etwa eine Million Euro kostet, abgeschlossen ist, werden alle Betrunkenen, die die Polizei im Kreisgebiet aufgreift, nach Bünde gebracht.

In der Bünder Polizeiwache gibt es vier Ausnüchterungs- und Gewahrsamzellen. »Derzeit ist fast jede Nacht eine der Zellen belegt«, sagt Polizeihauptkommissar Philipp Hesse und zeigt auf die Einbuchtungen, die an der Innenseite der fast zehn Zentimeter starken Metalltür zu sehen sind. Manch einer der betrunkenen »Gäste« versucht nämlich mit aller Gewalt, aus der Ausnüchterungszelle herauszukommen. Wer dabei sich selbst oder andere gefährdet, muss gegebenenfalls direkt auf der Pritsche fixiert werden.

Warnungen vor Krankheiten

Bevor Alkoholisierte zum Ausnüchtern in die Zellen gebracht werden, müssen sie erst einmal auf Gegenstände untersucht werden, mit denen sie sich oder andere verletzen könnten. In dem dafür vorgesehenen Raum, in dem auch die Personalien aufgenommen werden, befindet sich ein Stuhl, der am Boden befestigt ist. Auch hier können Betrunkene notfalls fixiert werden.

Hin und wieder sind Menschen, die sich in den Gewahrsamzellen befinden, auch erkrankt. Deshalb hängen an der Eingangstür zum Zellentrakt auch Schilder wie »Achtung Hepatitis C«, die den Diensthabenden als Warnung dienen.

Manche haben nicht mehr an als eine Unterhose

Was beim Besuch im Zellentrakt sofort auffällt: Es ist richtig warm. Das hat seinen Grund, erklärt Philipp Hesse. Manch einer, der hier ausnüchtern müsste, habe wenig mehr an als nur seine Unterhose. Ist die Zelle belegt, kontrollieren die Beamten in den ersten zwei Stunden alle Viertelstunde. Sollte jemand suizidgefährdet oder ans Bett gefesselt sein, steht er unter dauerhafter Beobachtung. Im Klartext bedeutet das, dass die Zellentür geöffnet bleibt und ein Beamter auf einem Stuhl davor sitzt, um alles im Blick zu haben.

Hesse und seine Kollegen freuen sich schon auf den Moment, wenn das Zentralgewahrsam in Herford Ende 2017 fertiggestellt sein soll. Dann kommen alle Volltrunkenen nach Herford.

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