Dr. Emmanouilidis (77) hat für das Hammer Forum in diesem Jahr 304 Kinder operiert Ein Mann mit einer Mission

Bünde  (WB). 129 Tage im Ausland verbracht, 1491 Kinder untersucht, 304 von ihnen operiert – das zurückliegende Jahr ist für Dr. Theophylaktos Emmanouilidis (77) durchaus arbeitsreich gewesen.

Von Hilko Raske
In der Universitätsklinik von Kikwit (Demokratische Republik Kongo) war Dr. Emmanouilidis diesmal mit vier Kollegen, darunter zwei Mitarbeiter des Klinikums Herford, aktiv. Der ehemalige Bünder Chefarzt untersuchte innerhalb von zwei Wochen 389 Kinder, von denen er 108 operierte.
In der Universitätsklinik von Kikwit (Demokratische Republik Kongo) war Dr. Emmanouilidis diesmal mit vier Kollegen, darunter zwei Mitarbeiter des Klinikums Herford, aktiv. Der ehemalige Bünder Chefarzt untersuchte innerhalb von zwei Wochen 389 Kinder, von denen er 108 operierte.

Der ehemalige Chefarzt am Lukas-Krankenhaus – vielen Bündern als Dr. Emma bekannt – ist gerade aus der Demokratischen Republik Kongo zurückgekehrt. Und denkt trotz seines Alters nicht ans Aufhören.

Griechenland, Burkina Faso, Guinea-Bissau und Kongo waren die Länder, die der Chirurg teilweise mehrfach besuchte. In seiner Funktion als Vorsitzender des »Hammer Forum« versorgte er dort Kinder medizinisch. Vor allem die jüngste Reise in den Kongo habe sich teilweise sehr abenteuerlich gestaltet, berichtet der Mediziner. Von der Landeshauptstadt Kinshasa sollte es weiter in den Ort Kikwit gehen. »Ich war am Freitag eingetroffen, einen Anschlussflug gab es aber erst am Dienstag.« Deshalb habe er sich entschlossen, die Distanz von 500 Kilometern mit dem Bus zurückzulegen. Das alterschwache Modell – »die Türen ließen sich nicht mehr schließen, waren mit Klebestreifen fixiert« – benötigte 14,5 Stunden für Strecke. Nach ein wenig Schlaf ging es am nächsten Morgen gleich weiter. Zum Team des Hammer Forums gehörten außer Dr. Emma auch zwei Mitarbeiter des Klinikums Herford – der Anästhesist Dr. Eckbert Schlüter sowie die Anästhesie-Schwester Heike Arfaly –, ein Medizintechniker sowie ein Mundgesichtschirurg aus München.

Gearbeitet wurde nonstop

Etwa zwei Wochen waren die Mediziner in Kikwit tätig. Gearbeitet wurde nonstop, auch sonntags. Das bei Temperaturen von 35 Grad und einer Luftfeuchtigkeit, die etwa 85 Prozent betrug. »389 Kinder konnte ich untersuchen, 108 habe ich selber operiert.«. Fünf der Mädchen und Jungen litten unter einem Darmdurchbruch, der Folge einer Typhus-Erkrankung. »Ein Mädchen ist daran gestorben – wir konnten ihm nicht mehr helfen.«. Einem anderen musste er einen Arm amputieren. Nach einem Unfall hatte sich das Kind den Oberarm gebrochen. Die Eltern hatten es zu einem traditionellen Medizinmann gebracht, der den Arm abgebunden hatte. Dadurch war der komplette Arm abgestorben. »Ich habe der Klinikleitung gesagt, dass sie die Polizei informieren soll. Aber das verlief im Sande – die Medizinmänner sind meistens auch die Clanchefs.«

Generell, so seine Feststellung, sei die Ausstattung im Krankenhaus Kikwit noch schlechter geworden. »Wir haben oft nur im Licht unserer Taschenlampen operiert.« Die Klinik leiste sich bei 300 Betten 600 Mitarbeiter, darunter 65 Ärzte, von denen aber selten einer anwesend sei. »Viele erhalten nur auf dem Papier Gehalt – das Geld versickert irgendwo.« Deshalb würden die Ärzte nebenbei in Privatpraxen arbeiten. Eine Krankenschwester habe ihm erzählt, dass sie das letzte Mal vor zwei Monaten ihren Lohn erhalten habe – ganze acht Euro. Dabei seien die Lebenshaltungskosten teilweise hoch.

Die Weihnachtszeit will der Mediziner nun im Kreis der Familie verbringen, bevor es im Februar nach Burkina Faso geht.

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