Petitionsausschuss befasst sich mit strittiger Denkmalschutzauflage. Hoffnung für die Eickers

Bünde (WB). Es ist eines der ältesten und markantesten Gebäude Bündes, das Haus Eschstraße 16. Bis vor wenigen Jahren war es Sitz der Alten Apotheke, seitdem steht das gesamte Erdgeschoss leer. Die längst fällige Sanierung und Modernisierung scheitert bislang an der unnachgiebigen Haltung der Abteilung Denkmalschutz beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Von Rainer Grotjohann
Seit Jahren steht das Erdgeschoss der Alten Apotheke leer, seit Jahren versucht die Eigentümerfamilie, die Genehmigung für eine Sanierung und Erweiterung zu bekommen. Gestern war der Petitionsausschuss des Landtages vor Ort.
Seit Jahren steht das Erdgeschoss der Alten Apotheke leer, seit Jahren versucht die Eigentümerfamilie, die Genehmigung für eine Sanierung und Erweiterung zu bekommen. Gestern war der Petitionsausschuss des Landtages vor Ort. Foto: Hilko Raske

Sanierung kostet mehr als eine Million Euro

Am Mittwoch hat sich auf Bitten der Eigentümerfamilie Eicker der Petitionsausschuss des Landtages mit der Angelegenheit befasst. Die umfassende Sanierung des Gebäudes würde nach Berechnung eines auf Altbauten spezialisierten Mindener Architekturbüros mehr als eine Million Euro kosten. Um diese Mittel aufzubringen, müsse das Erdgeschoss komplett entkernt und ein Anbau nach hinten hinaus errichtet werden, so dass mehr als 600 Quadratmeterfläche Verkaufsfläche zur Verfügung stehen (plus zwei Obergeschosse). Aktuell sind es nicht einmal 50 Quadratmeter, die von der Alten Apotheke genutzt wurden.

Apotheker in vierter Generation

Inga Eicker, in vierter Generation Betreiberin der Apotheke, zog (»immer weniger Ärzte in der Innenstadt«) ins Ärztehaus am Nordring um, machte damit den Weg frei für die geplante Sanierung – zu einem Zeitpunkt, als lediglich die Fassade des Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Hauses unter Denkmalschutz stand. Als die Eigentümer dann aber eine Bauvoranfrage stellten, rief das die Denkmalschützer aus Münster auf den Plan. Sie befanden das Gesamtgebäude für denkmalwürdig, pochten aber letztlich nur auf die Erhaltung der Fassade und des Treppenhauses. Das verbindet das weitestgehend leer stehende Erdgeschoss mit den oberen Stockwerken. Ein typisches Apothekerhaus: Von der Wohnung kam der Betreiber schnell in die Apotheke selbst. Das Problem: Die Treppe steht mehr oder weniger mittig in dem etwa 150 Quadratmeter großen Erdgeschoss und soll dort nach dem Willen der Denkmalschützer stehen bleiben. Das aber würde eine Vermietung praktisch unmöglich machen. Der Weg in die Wohnungen würde immer mitten durch das gewerblich genutzte Geschoss führen – für alle Beteiligten nicht zumutbar. Und: Mit den Mieteinnahmen für nicht einmal 50 Quadratmeter wäre die Gesamtsanierung nicht darstellbar, argumentieren die Eickers. Sie schlugen vor, das Treppenhaus zu versetzen. Außerdem boten sie an, die Fassade wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen.

Das beeindruckte Münster nicht, und die Bünder Bauverwaltung machte sich die Argumentation des Landschaftsverbandes zu eigen. Auch der Hinweis von Inga Eicker, mit dieser Entscheidung würde die Ansiedlung potenter Unternehmen verhindert und die Anzahl von Leerständen werde zunehmen, verhallte ungehört. Im Mai wurde das Bauvorhaben von der Verwaltung förmlich abgelehnt.

Petitionsausschuss als letzter Strohhalm

Nun erschien den Eickers die Anrufung des Petitionsausschusses als letzter Strohhalm. Der hat ungewöhnlich schnell reagiert, innerhalb kurzer Zeit ist der Ortstermin anberaumt worden.

Während die Denkmalschützer am Mittwoch weiter ihren Standpunkt vertreten hätten, habe Bürgermeister Wolfgang Koch sich für ihre Familie stark gemacht, sagte Inga Eicker. »Er machte deutlich, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssten, um Leerstände zu verhindern.« Nach dem fast dreistündigen Ortstermin sei »die Tür wieder einen Spalt weit offen«. Die Familie müsse erneut detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnungen vorlegen. Der Ausschuss trete am 2. August erneut zusammen, bis zum 13. August werde die Entscheidung mitgeteilt.

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