pro familia bietet neues Beratungsangebot für Menschen mit geistigem Handicap an Sex auch mit Behinderung kein Tabu

Bünde (WB). Wie gehe ich in einer Partnerschaft mit Konflikten um? Wie verhüte ich richtig? Und möchte ich tatsächlich ein Kind großziehen? All diese Fragen bewegen auch Menschen mit geistiger Behinderung. Ganz neu bietet die Beratungsstelle pro familia in Bünde daher unter dem Titel »Ich! liebe« ein inklusives Projekt zu Partnerschaft und Sexualität an.

Von Kathrin Heeren
Maike Husemann (links) und Daniela Djanic von der Beratungsstelle pro familia freuen sich, dass sie in Kürze auch Beratung für Menschen mit geistiger Behinderung anbieten können. Beantwortet werden Fragen zu Sexualität und Partnerschaft.
Maike Husemann (links) und Daniela Djanic von der Beratungsstelle pro familia freuen sich, dass sie in Kürze auch Beratung für Menschen mit geistiger Behinderung anbieten können. Beantwortet werden Fragen zu Sexualität und Partnerschaft. Foto: Kathrin Heeren

»Seit vielen Jahren bin ich neben meiner Tätigkeit bei pro familia auch in der Behindertenhilfe tätig«, sagt Daniela Djanic, Sozialarbeiterin mit dem Schwerpunkt Sexualpädagogik. Während ihrer Arbeit in einer stationären Behinderteneinrichtung habe sie immer wieder gemerkt, dass Sexualität für die Menschen in Wohnheimen ein großes Thema sei. Bisher spiegele sich dies im Beratungsangebot vieler Einrichtungen aber noch nicht wider.

Daher beantragte pro familia nun Fördermittel für das neue Projekt bei der Aktion Mensch. »Diese wurden auch bewilligt, so dass wir über drei Jahre die inklusive Beratung anbieten können«, so Daniela Djanic.

Kooperationspartner sind die Stiftung Bethel, die Lebenshilfe Lübbecke, die Diakonische Stiftung Wittekindshof und die pro-familia-Beratungsstelle Bünde. Das Projekt richtet sich vor allem an Erwachsene mit geistiger Behinderung, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe in Bünde und Umgebung leben oder durch die Kooperationspartner in der eigenen Wohnung betreut werden.

Workshops für Paare sind genauso angedacht wie Einzelberatung.

»Wir beraten nicht nur Menschen, die in einer Partnerschaft leben, sondern auch solche, die sich eine Partnerschaft wünschen. Und dabei geht es nicht nur um Sex«, betont die Sozialarbeiterin. Besprochen würde zum Beispiel auch, wie es sich anfühle, verliebt zu sein. »Oder der Umgang mit Streit. Fragen wie ›Muss ich mich nach einem Konflikt jetzt trennen?‹ treten durchaus auf«, so Djanic. Heute gebe es im Gegensatz zu früher durchaus verheiratete Paare unter den geistig Behinderten. »Verhütung spielt also eine Rolle. Ebenso gibt es bei Frauen mit geistiger Behinderung durchaus einen Kinderwunsch. Wie die Wohnheime damit im Einzelnen umgehen, wissen wir noch nicht genau.«

Daniela Djanic geht im Zuge ihrer Beratungstätigkeit viel an die Schulen und berät dort Jugendliche. »Auch an Förderschulen wie der Pestalozzischule oder dem Johannes-Falk-Haus in Hiddenhausen war ich schon«, sagt sie. Nicht alle Menschen mit geistiger Behinderung hätten die Möglichkeit, sich im Internet zu informieren. »Denn nicht alle können lesen.« Teilweise müsse die Beratung daher anhand non-verbaler Methoden erfolgen.

Neben der Beratungen der Menschen mit geistiger Behinderung sollen auch die Mitarbeiter in den Wohnheimen zum Thema geschult werden. »Kein gesetzlicher Betreuer muss Angst haben, dass wir hier Sachen machen, die die Beteiligten erst auf dumme Ideen bringen. Alles geschieht in einem professionellen Umfeld.« Workshops für Paare seien genauso angedacht wie Einzelberatung. In den kommenden Wochen möchte Danila Djanic die Wohneinrichtungen besuchen, um sich vorzustellen. Die Betreuer hat sie bereits per Brief angeschrieben und über das neue Projekt informiert. »Einige waren auch bei einer Infoveranstaltung zum Thema. Ich hoffe, dass die Menschen keine Scheu haben, unser Beratungsangebot anzunehmen«, sagt die Sozialarbeiterin.

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