Norbert Horst schreibt an seinem siebten Roman und stellt Figuren vorab auf Verbrechen im Flüchtlingsmilieu

Bünde (WB). Als der Kommissar, der Polizeiromane schreibt, ist Norbert Horst seinen Fans und Kritikern bekannt. Erst im vergangenen Jahr ist mit »Mädchenware« der sechste Kriminalroman des Bünders erschienen. Und Fans dürfen sich bereits auf weitere Lektüre freuen. Spätestens im März 2017 soll der siebte Krimi folgen.

Von Kathrin Brinkmann
Krimiautor Norbert Horst schreibt derzeit seinen siebten Roman. Um die Handlung echter wirken zu lassen, stellen er und seine Frau Elke Wehrmann-Horst das Figurenensemble vorab auf. Was hier noch auf dem Brett zu sehen ist, soll in Kürze mit lebenden Menschen nachgestellt werden, um dem Roman eine besondere Spannung und emotionale Tiefe zu verleihen.
Krimiautor Norbert Horst schreibt derzeit seinen siebten Roman. Um die Handlung echter wirken zu lassen, stellen er und seine Frau Elke Wehrmann-Horst das Figurenensemble vorab auf. Was hier noch auf dem Brett zu sehen ist, soll in Kürze mit lebenden Menschen nachgestellt werden, um dem Roman eine besondere Spannung und emotionale Tiefe zu verleihen. Foto: Kathrin Brinkmann

2006 erhielt Norbert Horst den Deutschen Krimipreis, 2011 wurde sein Roman »Splitter im Auge« Krimi des Jahres. Als Kriminalhauptkommissar kann der 60-Jährige auf umfangreiche Erfahrung in verschiedenen Mordkommissionen zurückgreifen. Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb die Krimis des Bünders so realistisch wirken.

Mit Hilfe von Ehefrau Elke Wehrmann-Horst, die als Familientherapeutin tätig ist, bedient sich der Autor eines ganz besonderen Tricks. »Ich lasse all meine Romane vorher aufstellen«, erklärt er.

Auch der Film »Das Leben der Anderen« wurde vorab aufgestellt.

»In meiner Praxis stelle ich normalerweise Familien- und betriebliche Systeme auf«, sagt Wehrmann-Horst. Bei der Aufstellung handle es sich um eine gestalttherapeutische Methode. Eine Familie werde auf dem Brett oder mit Hilfe realer Personen im Raum nachgestellt. Ziel dieser Methode sei es, Blockaden zu lösen, indem man Dinge aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche hole. »Nur etwa ein Siebtel dessen, was wir tun, ist Bewusstsein. Alles andere passiert im Unterbewusstsein«, sagt Elke Wehrmann-Horst.

Auf die Idee, auch die Romanhandlungen nachzustellen, kam das Ehepaar, nachdem es den Film »Das Leben der Anderen« gesehen hatte. »Der Film hatte irgendwas besonders Ergreifendes, das man nicht in Worte fassen kann. Ich habe dann gelesen, dass Florian Henckel von Donnersmarck die Handlung hat aufstellen lassen. Da kam mir sofort die Idee, das auch mit den Romanen meines Mannes zu versuchen.«

In wenigen Tagen wird die Psychologin zusammen mit ihrem Mann die Aufstellung für den neuen Roman vornehmen. »Jeder Charakter aus meinem Roman wird von einer realen Person nachgestellt. Die Teilnehmer erhalten nicht viele Infos zu ihrer Person und müssen im Raum miteinander interagieren, ohne die eigentliche Handlung des Romans zu kennen. Ich werfe bestimmte Fragestellungen in den Raum und beobachte die Reaktionen«, sagt Norbert Horst.

Beim Schreiben fühlt sich Nobert Horst wie in einer Parallelwelt.

Einen Großteil seines neuen Krimis hat er bereits im Kopf. »Trotzdem kommt es nach einer Aufstellung immer wieder vor, dass ich Dinge noch einmal umschreibe. Das war auch beim letzten Buch so.« Die Aufstellung helfe dabei, festzustellen, ob der Spannungsaufbau stimme. »Irgendwann kann man das selbst nicht mehr beurteilen. Da ist man so drin in der Geschichte, dass man sich fühlt wie in einer Parallelwelt. Die Aufstellung zeigt auf, wenn etwas nicht schlüssig ist.«

Mittlerweile beginne der Autor erst mit dem Schreiben, wenn er 85 bis 90 Prozent der Handlung fertig im Kopf habe. »Das war beim ersten Roman anders. Aber wenn man nicht alle Lebensläufe der Romanfiguren fertig hat, läuft man Gefahr, Fehler zu machen, die man nur schwer wieder ausbessern kann.«

Über die Handlung seines neuen Romans verrät der 60-Jährige, dass wieder Thomas Adam, genannt »Steiger«, ermitteln wird. »Als Oberthema habe ich mir dieses Mal Identität und Fremdheit ausgesucht«, sagt Horst. Es gehe um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die amtlich nicht existieren. »Bei der Arbeit bin ich oft mit diesem Thema konfrontiert. Viele Flüchtlinge geben aus unterschiedlichen Gründen falsche Identitäten an. Es dauert oft Monate, bis sie in Deutschland registriert werden. Wenn sie vorher tot aufgefunden oder vermisst werden, gibt es niemanden, der nach ihnen sucht«, sagt der Kriminalhauptkommissar. In seinem neuen Roman mache sich jemand diese Tatsachen für ein Verbrechen zunutze.

Wer Interesse hat, künftig an einer Romanaufstellung mitzuwirken, kann sich bei Norbert Horst und Elke Wehrmann-Horst melden, Telefon 05223/991473.

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