Abriss der Zigarrenfabrik Heipmann hat begonnen – junge Familien gesucht Aus Ruine wird Wohnprojekt

Bünde (WB). Der Abriss des zweiten Teils der ehemaligen Zigarrenfabrik Heipmann an der Von-Schütz-Straße hat begonnen. Er markiert den Start eines neuen gemeinschaftlichen Wohnprojektes in Ennigloh.

Von Kathrin Brinkmann

22 bis 25 Wohnungen mit einer Größe von 50 bis 120 Quadratmetern sollen auf dem Gelände des früheren Produktionsgebäudes entstehen. Das Besondere: Die zukünftigen Bewohner sind an der Planung ihrer Wohnung von Anfang an beteiligt. Sie suchen ihre Mitbewohner selbst aus, verwalten das Haus selbstständig, sind aber dennoch nur Mieter der Immobilie.

Etwa vier Millionen Euro investieren die Geschwister Nanny Westhoff und Jens Heipmann in das Wohnprojekt. Mit der Planung beauftragt ist das Architekturbüro »h.s.d.« aus Lemgo. Projektbegleiterin Martina Buhl rechnet mit einer Bauzeit von 15 Monaten. Da die Grundrisse für jede einzelne Wohneinheit erst noch geplant werden müssen, rechnet Buhl mit einem Baubeginn frühestens im Frühjahr 2017. Mitte 2018 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

Abrissparty steigt am 8. Mai

»Es werden noch weitere Mieter gesucht, vor allem jüngere Leute mit Kindern, gerne auch Alleinerziehende oder Flüchtlinge«, sagt Martina Buhl. Die künftigen Bewohner treffen sich alle zwei Wochen, um das Projekt voranzutreiben. Entschieden wurde bereits über die Gebäudestellung auf dem 5575 Quadratmeter großen Grundstück und die Aufteilung der Grundrisse. Gemeinsam werde besprochen, wie die Gemeinschaftsflächen aussehen sollen. Geplant seien zum Beispiel ein Gemeinschaftsraum mit Küche, in dem Lesungen, Workshops und Quartiersfeste stattfinden können. Es wird eine gemeinschaftliche Gartenanlage geben und alles soll barrierefrei sein.

Klaus Oberbremer vom Bauunternehmen Oberbremer, der mit dem Abriss der Zigarrenfabrik beauftragt ist, ist zuversichtilich, dass die Abrissarbeiten bereits in einer Woche beendet sein werden. Er und sein Team haben mehrere alte Maschinen zur Tabakverarbeitung aus der alten Halle, in der 1978 der Betrieb eingestellt wurde, geholt. »Das Problem war, dass wir damals Konsumzigarren gefertigt haben. Als der Wohlstand anstieg, wurden die nicht mehr nachgefragt, sondern Naturzigarillos. Das war aber nicht unsere Nische«, erinnert sich Frauke Heipmann, deren Mann früher die Fabrik leitete. Sie will selbst in eine der Wohnungen einziehen. Ihre Tochter Nanny Westhoff erklärt, weshalb die Mieter von Anfang an zu 100 Prozent an der Planung beteiligt werden: »Wenn wir schon investieren, war es uns wichtig, dass wir voll hinter dem Projekt stehen. Für alte Leute gab es schon so viel. Dieses generationenübergreifende Wohnprojekt, bei dem alle mitentscheiden können, hat uns hingegen sofort überzeugt.«

Genauso ging es Mieter Klaus Dieckhöner (75): »Die Gemeinschaft ist mir wichtig. Ich möchte nicht allein wohnen.« Achim Steinmeier (48) sieht es ähnlich: »Ich habe in einer Großfamilie mit 13 Leuten gelebt. Jetzt sind die Kinder aus dem Haus und es ist toll, einen Neustart machen zu können.«

Damit Interessierte sich informieren und die Gruppe kennen lernen können, lädt diese für Sonntag, 8. Mai, von 15 bis 18 Uhr zur Abrissparty auf dem Baugrundstück an der Von-Schütz-Straße in Ennigloh ein. Es gibt Livemusik, Kaffee und Kuchen sowie Spielangebote für Kinder. Architekt Christian Decker wird über den Stand der Planungen informieren. Weitere Informationen zur Projektgruppe oder zur Abrissparty gibt es unter Telefon 05223/64191 oder Telefon 8199977.

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