Stadt will Erlaubnis nicht erteilen – Verwaltungsgericht entscheidet am 8. Januar Kinderpflege in Ex-Bordell?

Bünde (WB). Die Stadt Bünde möchte verhindern, dass in den Räumen eines ehemaligen Bordells an der Herforder Straße eine Kindertagespflege eröffnet wird. Die Streitigkeiten mit der Geschäftsführerin der Kita sollen am Freitag, 8. Januar, vor dem Verwaltungsgericht Minden verhandelt werden. 

Von Kathrin Brinkmann
In diesen Räumen an der Herforder Straße möchte eine Bünderin gerne eine neue Kindertagespflege eröffnen. Die Stadt allerdings möchte keine Erlaubnis hierfür erteilen, da das Gebäude vielen Bündern immer noch als Bordell bekannt sei.
In diesen Räumen an der Herforder Straße möchte eine Bünderin gerne eine neue Kindertagespflege eröffnen. Die Stadt allerdings möchte keine Erlaubnis hierfür erteilen, da das Gebäude vielen Bündern immer noch als Bordell bekannt sei. Foto: Daniel Salmon

Günther Berg, Erster Beigeordneter der Stadt, bestätigte gestern auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Stadt Bünde es ablehnt, der Bünderin, die seit Juni 2015 als Geschäftsführerin der neuen »Kindertagespflege Kichermäuse GmbH« eingetragen ist, die Erlaubnis zur Ausübung einer Kindertagespflege in dem ehemaligen Bordell auszusprechen.

Telefonnummer des ehemaligen Freudenhauses noch freigeschaltet

»Vielen Bündern ist das Gebäude noch sehr wohl als Bordell bekannt, auch wenn es nicht mehr als solches genutzt wird«, sagte Günther Berg gegenüber dieser Zeitung. Gibt man im Internet die entsprechende Adresse ein, landet der Nutzer nicht nur auf der Internetseite der neuen Kindertagespflege Kichermäuse, sondern erhält gleichzeitig Werbung für ein mietbares Freudenhaus und diverse Seiten, die käuflichen Sex zum Inhalt haben. Die Telefonnummer des Bünder Freudenhauses ist nach wie vor freigeschaltet. Allerdings war dort gestern trotz mehrfacher Versuche niemand für eine Stellungnahme zum Thema zu erreichen. 

»Im zweiten Obergeschoss des Gebäudes sieht man von außen immer noch die Gitter des ehemaligen Peitschenzimmers. Das fanden wir als Verwaltung nicht so passend für eine Nutzung der Räume als Kindertagespflege«, sagte Günther Berg. Da die Adresse des ehemaligen Bordells immer noch im Internet kursiere, sei zudem »nicht auszuschließen, dass ehemalige Kunden oder Freier plötzlich dort auftauchen könnten. Das wäre auch keine gute Voraussetzung für eine Kindertagespflege«, so Berg.

keine Bedenken gegen die Tagesmutter selbst

Wie viele Kinder die Tagesmutter betreuen möchte, konnte Günther Berg gestern nicht genau sagen. »Es handelt sich aber nicht um eine Kita, sondern um eine Kindertagespflege, die ja prinzipiell in Privaträumen möglich ist«, so der Beigeordnete. Gegen die Tagesmutter selbst bestünden aus Sicht der Verwaltung auch keinerlei Bedenken. »Es geht hier nicht um die Person selbst, die die Kindertagespflege betreibt, sondern lediglich um die Frage der Räume«, stellte Berg klar.

Die Verwaltung gehe nicht davon aus, dass von der Betreiberin an sich eine Kindeswohlgefährdung ausgehe und dies sei auch nicht Gegenstand der Streitigkeit. Das Verwaltungsgericht Minden wird über den Streit zwischen der Klägerin und der Stadt am Freitag, 8. Januar, verhandeln. Die Gerichtsverhandlung beginnt um 12 Uhr.

Aktenzeichen 6 K 2411/15 – I

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