Bünder Mediziner zum neuen Vorsitzenden gewählt – 76-Jähriger hat bereits neues Projekt in Planung »Dr. Emma« leitet das Hammer Forum

Bünde (WB). Seit Jahren reist Dr. Theophylaktos Emmanouilidis in die Kriegs- und Krisengebiete dieser Welt, um für das Hammer Forum kranke Kinder zu operieren. Nach jahrelangem unermüdlichem Einsatz ist der 76-Jährige nun zum Vorsitzenden des Hammer Forums gewählt worden.

Von Kathrin Brinkmann
Dr. Theophylaktos Emmanouilidis, Chirurg aus Bünde (auch bekannt als »Dr. Emma«), reist seit Jahrzehnten in die Kriegs- und Krisengebiete dieser Welt, um für das »Hammer Forum« kranke Kinder zu operieren.
Dr. Theophylaktos Emmanouilidis, Chirurg aus Bünde (auch bekannt als »Dr. Emma«), reist seit Jahrzehnten in die Kriegs- und Krisengebiete dieser Welt, um für das »Hammer Forum« kranke Kinder zu operieren.

Der Bünder, der den meisten nur als »Dr. Emma« bekannt ist, folgt auf den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Paus, der nicht mehr zur Wahl angetreten war, da er in Zukunft mehr Zeit mit seiner Familie verbringen möchte.

»Ich bin einer der Ältesten beim Hammer Forum. Und damit meine ich nicht nur altersmäßig, sondern auch derjenige, der am längsten dabei ist«, sagte Dr. Emma gestern auf Anfrage. Zudem sei er einer derjenigen, der die Hilfsorganisation am besten kenne und die meisten Projekte ins Leben gerufen habe.

Vorsitz zunächst abgelehnt

»Als es vor zwei Jahren schon einmal um die Frage ging, ob Dr. Emma den Vorsitz des Hammer Forums übernehmen soll, hat er zunächst abgelehnt, weil der Hauptsitz der Hilfsorganisation in Hamm ist. Er selbst wohnt in Bünde und reist ständig um die Welt. Da meinte er, es wäre besser, wenn jemand vor Ort den Vorsitz hat«, erklärt Wilhelm Placke. Der pensionierte Lehrer ist sieben Mal mit Dr. Emma in den Jemen gereist, um dort beim Aufbau einer Schule zu helfen.

Nach einigem Überreden habe Dr. Emma, der sich selbst trotz zahlreicher Auszeichnungen nicht gerne in den Vordergrund dränge, eingesehen, dass es keinen geeigneteren Vorsitzenden als ihn selbst gebe. »In Zeiten des Internets kann ich vieles von Bünde aus regeln. Trotzdem fahre ich derzeit mindestens einmal pro Woche nach Hamm, um dort alles zu organisieren«, sagt Dr. Emma.

Dr. Theophylaktos Emmanouilidis untersucht einen Jungen. Foto: privat

Klaudia Nußbaumer aus Bielefeld hat Dr. Emma 2009 als OP-Schwester zum ersten Mal in den Jemen begleitet, zuletzt war sie diesen Januar mit ihm unterwegs. Sie beschreibt den Mediziner als »unverwüstlich«. »Er fordert viel. Selbst wenn alle anderen vor Müdigkeit schon am Boden liegen, steht er immer noch kerzengerade.«

Der Jemen sei Dr. Emmas Herzensprojekt, weil es das erste gewesen sei, das er ins Leben gerufen habe. Eigentlich wollte er diesen Samstag wieder dorthin reisen, diese Reise wurde jedoch wegen der politischen Umstände abgesagt.

»Dr. Emma verfügt über einen unheimlichen Erfahrungsschatz. Die Hauptarbeit, die im Hammer Forum anfällt, hat er sowieso schon lange gemacht. Obwohl er längst im Ruhestand ist, hat er fast immer einen Zwölf-Stunden-Tag. Da ist es nur konsequent, dass er nun auch den Vorsitz der Hilfsorganisation inne hat«, sagt Nußbaum. »Als ich für das Hammer Forum geworben habe, sagte eine ältere Dame einmal zu mir: ›Ach, Sie kommen vom Emma Forum‹. Für viele Leute ist Dr. Emma das Hammer Forum. Ohne ihn würde da nichts so laufen, wie es läuft.«

Arbeitseinsatz in jordanischem Flüchtlingscamp

Seitdem der Bünder den Vorsitz übernommen habe, seien alle Dinge wesentlich transparenter als vorher. Er sei genau der richtige Mann an dieser Stelle. Dr. Emma möchte neben seinen Hilfsprojekten die Zeit als Vorsitzender nutzen, um junge Leute aufzubauen, an die er in einigen Jahren den Vorsitz weitergeben kann. Sein neustes Projekt ist zudem ein Arbeitseinsatz in einem Flüchtlingscamp in Jordanien. Auch bei der Untersuchung der Flüchtlinge in Ahle hat Dr. Emma übrigens geholfen. »Er kennt viele Krankheiten, mit denen die Ärzte hier noch nie in Kontakt gekommen sind. Auch die Bünder profitieren also von seiner großen Erfahrung«, sagt Klaudia Nußbaum.

Das Hammer Forum wurde 1991 während des ersten Golfkrieges gegründet. Seitdem ist das Ziel, verletzten Kindern in Krisengebieten zu helfen. Mehr als 725 000 Kinder wurden in ihrer Heimat medizinisch versorgt, knapp 1800 in Deutschland behandelt. Mehr als 200 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz engagieren sich ehrenamtlich für die Hilfsorganisation, die Auslandsprojekte in acht Ländern betreut: Burkina Faso, Eritrea, Guinea, Jemen, Kongo, Sierra Leone, Südsudan, Syrien und Gaza.

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