Storchenbrut im Elsebruch ist nun flügge Ein gefiederter Held

Bünde (WB). Endlich Abgehoben: Der Storchennachwuchs im Elsebruch ist am späten Donnerstagnachmittag zu seinen ersten ausgedehnten Flugübungen gestartet. Gebannt betrachtete auch Storchenfreund Peter Schubert den Ausflug der Jungtiere auf die umliegenden Wiesen.

Von Daniel Salmon
Gemeinsam mit dem verbliebenen Altvogel gehen die Jungtiere auf Nahrungssuche. Bis sie in etwa zwei Wochen in wärmere Gefilden aufbrechen, werden sie sich erst mal mit Würmern, Mäusen und Co. stärken.
Gemeinsam mit dem verbliebenen Altvogel gehen die Jungtiere auf Nahrungssuche. Bis sie in etwa zwei Wochen in wärmere Gefilden aufbrechen, werden sie sich erst mal mit Würmern, Mäusen und Co. stärken. Foto: Peter Schubert

»Der Storchenvater ist für mich ein Held, weil er sich so gut um seinen Nachwuchs gekümmert hat. Das war nach dem plötzlichen Tod des Muttertieres nicht selbstverständlich. Das ist schon eine Nummer für sich«, sagt der 58-Jährige. Wie berichtet, war die Störchin vor einigen Wochen verletzt an einem Verkehrskreisel gefunden worden. Wenig später verstarb das Tier. Schubert: »Aus ihrem Schnabel floss Blut. Es kann sein, dass sie irgendwo vorgeflogen ist. Oder sie hat eventuell einen Giftköder gefressen. Auf die genaue Todesuntersache untersucht wurde der Kadaver aber nicht.«

Nicht nur wegen dieses widrigen Umstands sei es etwas Besonderes, dass die Jungstörche nun tatsächlich flügge geworden sind. Laut Schubert waren auch die klimatischen Bedingungen für die Brut dieses Jahr nicht ideal. »Als die Jungtiere um Pfingsten herum geschlüpft sind, war die Witterung sehr trocken«, so der Vogelfreund. Dementsprechend sei auch das Nahrungsangebot knapp gewesen. »Während zumeist nur ein Elterntier auf Futtersuche geht und ein Partner den Horst bewacht, waren daher zumeist beide erwachsenen Störche auf der Suche nach etwas Fressbarem«, sagt Schubert.

Bereits zu dieser Zeit suchte der Bünder Kontakt zu Udo Wellmann, dem Besitzer der Wiese, auf der der Horst steht, um die Störche zu unterstützen. »Wir hatten beschlossen, tote Eintagsküken auszulegen, um die Tiere bei der Nahrungssuche zu entlasten.« Als sich die Witterung änderte, erübrigte sich dieser Plan – doch nur wenig später verstarb das Storchenweibchen. »Wir waren daraufhin um das Wohl der Tiere besorgt und haben daher entschieden, erneut zuzufüttern.« Denn laut Schubert wäre es möglich gewesen, dass der männliche Storch alleine die Jungen nicht mit ausreichend Nahrung hätte versorgen können: »Und dann wäre die Brut eingegangen.« Bevor der 58-Jährige daher tagtäglich zur Arbeit fuhr, legte er abermals die von Wellmann besorgten Eintagsküken in der Nähe des Nestes aus. »Abends, bevor ich nach Hause kam, war ich dann auch immer da. Bis zu 40 Küken pro Tag habe ich zuerst hingelegt, später dann etwas weniger.« Zunächst habe es jedoch gedauert, bis der Storch die Nahrung auch tatsächlich annahm. »Jetzt kommt er sogar angeflogen, wenn er meine Autotür klappern hört.«

Vom Tag ihrer Ankunft im Elsebruch an hatte Peter Schubert die Störche beobachtet und den Verlauf der Brut auf einer eigenen Facebookseite mit dem Titel »Störche im Elsebruch« dokumentiert. Dass die Jungtiere trotz der ungünstigen Bedingungen überlebt haben und nun flügge geworden sind, erfüllt den Vogelfreund mit Stolz: »Das zeigt doch, dass wir etwas richtig gemacht haben.« Das sieht auch Wiesenbesitzer Udo Wellmann so: »Ich freue mich, dass sich unsere Bemühungen ausgezahlt haben«. Und der Bünder Storchenexperte Stefan Bulk sagt: »Dass die Störche nun fliegen, ist wirklich erfreulich. Möglicherweise hätte das Vatertier die Jungen auch ohne menschliches Zutun großziehen können. Aber wer will dieses Risiko schon eingehen?« Nach dem Tod der Mutter sei die Hilfe durch die Zufütterung daher durchaus legitim gewesen.

Etwa zwei Wochen lang werden die Jungtiere laut Schubert noch in Bünde verweilen. »Sie werden sich sattfressen, ihre Flugkünste verbessern, sich dann einer Storchengruppe anschließen und gen Süden aufbrechen«, sagt er. Das Vatertier werde etwas länger bleiben, um sich von den Strapazen der Aufzucht zu erholen. »Er musste mehr als einmal Raubvögel und aggressive Fremdstörche abwehren, die es auf die Brut abgesehen hatten«, sagt der 58-Jährige. Er ergänzt: »Ich hoffe natürlich, dass ihnen jetzt nichts mehr zustößt. Aber das liegt nun ohnehin alles im Rahmen eines normalen Storchenlebens.«
Auch im nächsten Jahr will Schubert die Storchensaison im Elsebruch wieder verfolgen. »Die sollte dann aber weniger aufregend verlaufen«, sagt er und lacht.

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