Stadtverweise kaum wirkungsvoll – Hintermänner nicht zu ermitteln Polizei und Ordnungsamt warnen vor organisierten Bettlern

Bünde (WB). Jeden morgen um 9 Uhr setzt sich ein Mann mit Hund in die Eschstraße. Er spielt Gitarre, lächelt den Passanten freundlich zu und  hält die Hand auf. Weil der Bettler nicht unsympathisch ist, steckt so manche Seniorin ihm einen Schein zu. »Das ist genau falsch«, sagt Uwe Maser von der Polizei. Es handle sich um organisiertes Betteln, das verboten sei.

Von Kathrin Brinkmann
Mit Hund und Gitarre ist einer der drei Männer meistens in der Bünder Innenstadt zu sehen. Wenige Meter weiter sitzen seine Kollegen und betteln. Da es sich um organisierte Bettler handelt, rät die Polizei dringend davon ab, Geld zu geben.
Mit Hund und Gitarre ist einer der drei Männer meistens in der Bünder Innenstadt zu sehen. Wenige Meter weiter sitzen seine Kollegen und betteln. Da es sich um organisierte Bettler handelt, rät die Polizei dringend davon ab, Geld zu geben. Foto: Kathrin Brinkmann

Zu dritt werden sie morgens gebracht. Ein Bulli lädt die Männer in Bünde ab und sammelt sie abends wieder ein. Den ganzen Tag sitzen die Männer im Abstand von etwa 50 Metern in der Innenstadt und betteln. Die Polizei und das Ordnungsamt ermahnen alle Bünder ausdrücklich, diesen Bettlern kein Geld zu spenden. Es sei ein bewusstes Geschäft mit dem Mitleid der Leute, das hier betrieben werde. 

Stadtverweise

»Spenden sollte man auf keinen Fall«, sagt Polizeisprecher Uwe Maser. Gegen Musizieren in der Fußgängerzone und herkömmliches Betteln, ohne, dass dabei Passanten belästigt werden, sei nichts einzuwenden. Das sei generell erlaubt. Das gelte jedoch nicht für  organisiertes Betteln. Und genau das ist derzeit laut Ordnungsamtsleiter Axel Biermann in der Bünder Fußgängerzone zu beobachten.

Schon mehrfach habe das Bonus-Team die Bettler aus der Stadt verwiesen. »Die Männer fiedeln oder spielen Gitarre, haben oft einen Hund dabei und kommen meist aus Südosteuropa, zum Beispiel aus Moldawien, Rumänien oder der Slowakei«, sagt Axel Biermann. Er rate dringend davon ab, diese Art des Gelderwerbs zu unterstützen. Obwohl das organisierte Betteln laut ordnungsbehördlicher Satzung der Stadt Bünde verboten sei, sei es für die Behörden fast unmöglich, mit Erfolg gegen die Bettler vorzugehen.

Hintermänner nicht zu ermitteln

»Unser Ordnungsamt hat leider keine Möglichkeit, die Hintermänner aufzugreifen. Nur so könnte man das organisierte Betteln unterbinden. Wir können vor Ort nur immer wieder zu den Bettlern gehen und sie des Platzes  verweisen«, sagt Biermann. Auch mit einem Verwarngeld habe das Bonus-Team die Bettler schon belegt, aber  da bei ihnen nichts zu holen sei und die Adressen oft nicht zu ermitteln seien, »sind es meist die 2,50 Euro, die da im Hut liegen, die wir einkassieren. Damit ist die Sache erledigt«, erklärt Biermann.

»Aber natürlich sind diese Leute dickfällig und  sitzen am nächsten Tag wieder da.« Der Ordnungsamtsleiter betont, dass die Bettler keinesfalls in Not seien. »In Deutschland  gibt es Sozialhilfe, so dass niemand betteln gehen müsste. Sie behalten  die Spenden auch nicht, sondern müssen diese hinterher an ihre  Hintermänner abgeben«, sagt Biermann.

Mehrere Geschäftsleute hätten sich bereits an die Stadt gewandt. »Meist gab es Ärger, weil die Männer von morgens bis abends vor dem Laden sitzen und die Angestellten dort mit ihrer Musik beschallen. Einige befürchten auch, dass ihre Läden für Einbrüche ausspioniert werden. Für diese Annahme gibt es allerdings erst einmal keine Belege«, sagte Biermann.

Herkömmliches Betteln erlaubt

Er betont, dass gegen herkömmliche Straßenmusiker oder gegen Bedürftige, die alleine an der Straßenecke sitzen, um Geld fürs Überleben zu sammeln, nichts einzuwenden  sei. »Viele  verdienen sich so etwas Geld dazu. Wenn da jemand etwas geben will, kann er das gerne tun.« Herkömmliche Straßenmusikanten seien daran zu erkennen, dass sie nicht den ganzen Tag vor dem selben Ladenlokal säßen, sondern nach etwa 30  Minuten ihren Standort innerhalb der Fußgängerzone wechseln. »Dann ist die Lärmbelästigung für  alle erträglich«, sagte Biermann.

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