Naturfreund Peter Schubert rettet Jungtiere in mühsamer Arbeit Storchenmutter ist tot

Bünde (WB). Das Storchenweibchen, das im Horst in den Hunnebrocker Elseauen zwei Jungtiere groß gezogen hat, ist tot. Das bestätigte Udo Wellmann, besitzer der Wiese, am Freitag auf Anfrage. Die Jungstörche hätten das Nest bisher noch nicht verlassen, seien aber wohlauf.

Von Kathrin Brinkmann
Das Vatertier versorgt die beiden Bünder Jungstörche seit etwa drei Wochen alleine, weil die Storchenmutter gestorben ist. Einige Bünder Tierfreunde helfen den Tieren seither jeden Tag, damit die Jungen nicht verhungern.
Das Vatertier versorgt die beiden Bünder Jungstörche seit etwa drei Wochen alleine, weil die Storchenmutter gestorben ist. Einige Bünder Tierfreunde helfen den Tieren seither jeden Tag, damit die Jungen nicht verhungern. Foto: Peter Schubert

»Ja, es stimmt, das Storchenweibchen haben wir schon vor drei Wochen am Kreisel in Bünde gefunden, ohne dass es eine Reaktion zeigte. Storchenexperte Stefan Bulk hat sich das Tier angesehen, konnte aber leider nichts mehr retten. Einen halben Tag später war das Storchenweibchen tot«, sagt Udo Wellmann. Äußerlich sei der Vogel unversehrt gewesen. Es sei daher unklar, woran der Storch gestorben sei. »Ob er irgendwo vorgeflogen ist, können wir nur mutmaßen«, sagte Wellmann.

Petra Scholz, Sprecherin des Kreises Herford, bestätigte auf Anfrage, dass dem Kreis Herford der Tod des Muttertieres gemeldet worden sei. Es seien aber vom Kreis Herford keine Maßnahmen eingeleitet worden, um die Jungtiere zu retten. Karin Bohrer von der Unteren Landschaftsbehörde habe dazu geraten, die Jungtiere nicht zu füttern oder in irgendeiner Form einzugreifen, da sie bereits so groß seien, dass sie ohne menschliche Hilfe nur durch Nahrung, die sie vom Vatertier bekommen, hätten überleben können.

Tierfreunde aus Bünde sahen das anders. Aufgrund der Hitze in den vergangenen Wochen sei es undenkbar gewesen, dass die Jungtiere ohne Hilfe hätten überleben können, hieß es aus Kreisen der Storchenfreunde. Der Boden sei so trocken gewesen, dass das männliche Tier keinesfalls genug Nahrung für sich selbst und beide Jungtiere habe finden können. Einige Bünder, darunter federführend der Tierfreund Peter Schubert, hätten daher trotz Kritik durch den Kreis Herford helfend eingegriffen, um Nahrung für die Störche bereitzustellen.

Naturschützer Karsten Otte aus Hiddenhausen sagt: »Wenn die Strochenjungen noch auf dem Horst sitzen, kann man sie nicht einfach so sich selbst überlassen, denn dort oben finden sie ja keine Nahrung.« Wenn man dafür sei, die Natur komplett sich selbst zu überlassen, sei es natürlich richtig, die Störche nicht zu füttern. Das bedeute aber auch, sie sterben zu lassen.

»Die zwei Storchenjungen aus Lippinghausen sind bereits aus ihrem Horst raus und flügge. In Bünde kann es eigentlich auch maximal noch eine Woche dauern«, sagte Otte. Obwohl er sonst der Ansicht sei, die Natur möglichst sich selbst zu überlassen, könne er in diesem Fall die Bünder Storchenfreunde verstehen. »Ich könnte das auch nicht übers Herz bringen, die Jungen einfach sterben zu lassen.«

Ernst-Günter Bulk, der seit mehr als 60 Jahren als Storchenexperte tätig ist und dessen Sohn noch versucht hatte, das Muttertier aus Bünde zu retten, fand am Freitag zu dem Vorfall in Bünde noch deutlichere Worte. »Das, was der Kreis Herford da geraten hat, ist Schwachsinn. Solche Aussagen treffen nur Leute, die nie mit dem Storchenschutz zu tun hatten. Wenn ein Altstorch ausfällt, ist das meistens durch Menschen verschuldet, weil die Tiere in Leitungen hängen bleiben oder irgendwo vorfliegen. In so einem Fall wird natürlich zugefüttert. Das ist ganz, ganz wichtig. So viele Störche haben wir in Deutschland auch nicht, dass wir einfach Jungtiere sterben lassen können. In Bünde haben wir die einmalige Chance einer Wiederansiedlung. Diese Chance dürfen wir auf keinen Fall ungenutzt lassen.«

Kommentare

Störche

Hallo Frau Brinkmann,
da haben Sie einen prima Artikel geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Wellmann

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