Landgericht verurteilt Straßenräuber zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe Eine letzte große Chance

Bünde/Bielefeld (WB). Das Landgericht Bielefeld hat gestern einen Straßenräuber verurteilt. Der Angeklagte (22) aus Bad Oeynhausen erhielt für die Tat in Bünde eine zweijährige Bewährungsstrafe. Damit gab die 10. Große Strafkammer dem Bräutigam und baldigen Vater eine letzte große Chance.

Von Jens Heinze
Foto: dpa

Seine damalige Drogensucht war das Motiv für den Straßenraub in der Nacht zum 26. Juli vergangenen Jahres in Bünde. Von einer ebenfalls abhängigen Komplizin ließ sich der 22-Jährige zur Kreuzung Holser Straße/Schulstraße/Jahnstraße fahren. Ausgestattet mit einem Brötchenmesser mit einer acht Zentimeter langen Klinge sowie einer Dose Pfefferspray und maskiert im Gesicht mit dem hochgeschlagenen Kragen eines Pullovers überfiel der Angeklagte gegen 00.15 Uhr einen Passanten.

Nachdem das Opfer eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht bekommen hatte und kaum noch etwas sehen konnte, nahm der Straßenräuber dem Mann 50 Euro ab. Das Mobiltelefon gab der Täter zurück, weil der Überfallene darum gebeten hatte, seine SIM-Karte fürs Telefon behalten zu dürfen.

Von der Beute blieben dem Räuber, der zur Tatzeit unter Bewährung wegen einer anderen Strafe stand, letztlich zehn Euro. Den Rest sackte die Komplizin ein. Drogensucht und Straßenraub des Oeynhausers flogen auf, als sich die heutige Verlobte Anfang August vergangenen Jahres an die Polizei wandte.

Der jungen Frau war endgültig der sprichwörtliche Kragen geplatzt, nachdem der Angeklagte ihr die Geldbörse mit 700 Euro gestohlen hatte. Den Schaden hat der 22-Jährige bei seiner Verlobten ebenso wieder gutgemacht wie den Schaden beim Raubopfer.

»Die Kammer ist überzeugt, dass nicht Sie die treibende Kraft des Geschehens waren«, kommentierte Richter Piotr Tyczynski in seiner Urteilsbegründung die Beteiligung des Angeklagten am Straßenraub in Bünde. Berufsrichter und Schöffen der 10. Großen Strafkammer stuften die Tat vom 26. Juli 2014 letztlich als einen minderschweren Fall ein. Zudem hielten sie dem 22-Jährigen sein umfassendes Geständnis, seine Wiedergutmachung des Schadens sowie seinen neuen Lebenswandel zugute.

So hat der vorbestrafte Oeynhauser inzwischen einen Drogenentzug gemacht und keinen Kontakt mehr zur Rauschgiftszene, hat eine Arbeit gefunden, plant die Heirat mit seiner Verlobten, die ein Kind von ihm erwartet. »Das Gericht hat das Vertrauen in Sie gesetzt, dass Sie künftig ein gesetzmäßiges Leben führen. Nehmen Sie das ernst, so dass wir uns hier nicht wiederzusehen brauchen«, sagte Richter Piotr Tyczynski zum Angeklagten. Der Jurist wies auf die letzte große Chance für den jungen Mann hin. »Wir bewegen uns hier am äußersten Rand des Mindestmaßes«, kommentierte Richter Tyczynski die vom Gericht verhängte Bewährungsstrafe.

Entsprechend fielen die Bewährungsauflagen für den 22-Jährigen aus. Die Bewährungszeit beträgt fünf Jahre. Während dieser Zeit hat der Angeklagte jeden Drogenkonsum zu unterlassen und muss sich einmal im Monat beim Bewährungshelfer einem Drogentest unterziehen. Zudem bekam der Oeynhauser zur Auflage, seine finanzielle Schieflage mit Hilfe einer Schuldnerberatung zu regeln.

Das Urteil ist rechtskräftig. Der Angeklagte und sein Verteidiger Ulrich Kraft stimmten der Bewährungsstrafe ebenso zu wie Staatsanwalt Benjamin Scheffler.

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